Ensemble in außergewöhnlicher Besetzung

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Das „Ensemble EnCasa“ überzeugte im Weberzunfthaus mit Werken von Milhaud und Fibich. Und das in eher außergewöhnlichen Besetzun
Das „Ensemble EnCasa“ überzeugte im Weberzunfthaus mit Werken von Milhaud und Fibich. Und das in eher außergewöhnlichen Besetzungen. (Foto: vs)
Schwäbische Zeitung
Vera Stiller
Redakteurin

Das „Ensemble EnCasa“ hat seine zahlreichen Gäste am Sonntag im Saal des Weberzunfthauses auf eine musikalische Entdeckungsreise mitgenommen. 90 Minuten erklang Klavier-Kammermusik vom Allerfeinsten. Und das in zwei außergewöhnlichen Besetzungen.

Gespannte Stille lag gleich zu Beginn des Konzertes in der Luft. Wie würde wohl die nicht alltägliche Kombination aus Klarinette mit Klavier und Violine von Darius Milhaud klingen? Margarete Busch (Klavier), Uta Babinecz-Ellwanger (Violine) und Lenard Ellwanger (Klarinette) beantworteten diese Frage in einem mitreißenden Vortrag.

Milhauds Suite „Le Voyageur sans bagage op. 157b” spielte das Trio von Beginn an zupackend, im Spannungsfeld von Temperament und Melancholie, von farbiger Transparenz und leidenschaftlicher Spielweise. Die Ouvertüre gestaltete sich als temperamentvoller Einstieg, während das „Divertissement: Animé“ mit der verträumten Melodik einer hauchzarten Violine überzeugte. Das „Jeu: Vif“ zeigte sich schließlich witzig und fordernd zugleich und im intensiven Dialog zwischen Violine und Klarinette.

Der tschechische Komponist Zdenek Fibich steht bis heute im Schatten Antonin Dvoraks. Obwohl ein eminenter Sinfoniker, hervorragender Opernkomponist und Schöpfer einzigartiger Werke gereichten ihm seine Vielseitigkeit und Weltoffenheit zum Handicap. Man vermisste den für einen Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unabdingbaren „nationalen Tonfall“. Dass Fibich ein Meister der flüssigen melodischen Erfindung und der feinen thematischen Verarbeitung war, wurde weitgehend übersehen.

Kraftvolles Glücksgefühl

Das „Quintett op. 42“ von 1894, für die seltene Besetzung Klavier, Klarinette, Horn, Violine und Violoncello geschrieben, ist ein kraftvolles, aus überschäumendem Glücksgefühl heraus komponiertes Werk, das den Solobläsern charakteristische Aufgaben zuweist. Uta Babinecz-Ellwanger (Violine), Lenard Ellwanger (Klarinette), Ferdinand Fremerey (Horn), Sandy Baratoff (Violoncello) und Norbert Schuh am Flügel erweckten Fibichs Partitur mit großer Beherztheit und nie nachlassender Spielfreude zum Leben.

Von kraftvollen Tutti-Abschnitten abgesehen, entwickelten die fünf Musiker im „Allegro non tanto“ ein eher behagliches, ganz einträchtiges Miteinander, um dann im Largo ein markantes Dreiklangmotiv durch die Stimmen wandern zu lassen. Getrennte Wege schlugen Streicher und Bläser in den beiden Trio-Teilen des Scherzos ein, bevor im prächtig und stolz beginnenden Finale alle Musizierenden wieder zusammenfanden.

Weil der Applaus nicht enden wollte, Stücke in dieser Besetzung aber kaum vorhanden sind, wurde das Scherzo als Zugabe wiederholt.

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