Ein Hörgenuss mit Horn

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Hornist Paul van Zelm war der Solist beim Konzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben .
Hornist Paul van Zelm war der Solist beim Konzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben . (Foto: vs)
Schwäbische Zeitung

Das Sinfoniekonzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben, bei dem am Samstagabend im Festsaal der Waldorfschule auch das Jugendsinfonieorchester (JSO) der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu zu hören war, wurde zu einem besonderen Klangerlebnis. Das von Instrumentalisten und Solist Paul van Zelm (Horn) Dargebotene ließ die Zuhörer ins Schwärmen geraten, Dirigentin Judith Kubitz überzeugte mit Ausstrahlung und Temperament.

Das JSO der Jugendmusikschule war es, das mit der „Finlandia op. 26“ von Jean Sibelius den Konzertabend eröffnete. Judith Kubitz hatte dieses Stück mit den jungen Menschen in einem Workshop erarbeitet, nachdem Orchesterleiterin Katja Lesemann die Vorbereitung hierfür geleistet hatte. Das stürmisch-fulminante Werk bestach durch das von den Posaunen markant gesetzte düstere Zweitonmotiv, bevor die schwermütige Melodie ans Herz griff. Schön wurde die dramatische Stimmung mit schmetternden Trompetenklängen und stürmischen Streicherläufen umgesetzt. Bemerkenswert, wie die Jugendlichen die Finlandia in eine hymnengleiche Verherrlichung einmünden ließen.

Paul van Zelm war der Solist des „Konzerts für Horn und Orchester Nr. 2 in Es-Dur“ von Richard Strauss. Der Hornist fand hier den Zugang, der diesem Werk gemäß ist: Er ließ die aus Berufsmusikern zusammengesetzte Kammerphilharmonie Bodensee-Obeschwaben leicht und klar spielen, während er von ihnen eine jedes Detail beachtende Artikulation forderte. Wer alte, von Strauss selbst dirigierte Aufnahmen kennt, der konnte die hier wie da herauszuhörende „rhythmische Nervigkeit“ miteinander vergleichen.

Kubitz wirbelt auf dem Pult

Hatte Judith Kubitz bis hierher schonEinsatz gezeigt, so ging sie bei Ludwig van Beethovens „Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92“ ganz in der Musik auf. Besonders der vierte und letzte Satz, der „lebhaft mit Feuer“ zu spielen ist, gestaltete sich für Dirigentin und Orchester zu einem wahren Freudentanz – zu einem überschäumenden Fest der Sinne. Und dies, obwohl Carl Maria von Weber angesichts der Revolutionsmärsche und Czardasmelodien glaubte, der Komponistenkollege gehöre ins Irrenhaus.

Während man sich auf der einen Seite kaum an den drei Sätzen voller Energie, Übermut und manchmal auch Raserei – nur von einem Trauermarsch unterbrochen – satthören konnte, gelang es anderseits nicht, den Blick von Judith Kubitz zu lassen. Wie sie anfeuerte, zur Reduzierung mahnte, dann in seligem Schwelgen die Arme ausbreitete, um im nächsten Moment kleine Hüpfer zu vollführen, das war hin- und mitreißend.

Am Ende bleibt das Fazit: Schön, dass es solche Musiker bei uns gibt. Das gleiche gilt auch für die Vorstellung am Nachmittag, bei der Kinder mit den Inhalten der abendlichen Aufführung vertraut gemacht wurden. Und bei der Paul van Zelm – ebenso wie nach seinem Auftritt am Abend – sein „Corno Pastoriccio“ präsentierte. Bestehend aus Trichter, Schlauch und Mundstück brachte er damit eine Melodie von Leopold Mozart zum Erklingen.

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