Georg Ringsgwandl startet seine Tournee „Wuide unterwegs” im Schwarzen Hasen.
Georg Ringsgwandl startet seine Tournee „Wuide unterwegs” im Schwarzen Hasen. (Foto: Caesar)
Babette Caesar

„Wuide unterwegs“ ist das Motto seiner aktuellen Tournee, und die hat Georg Ringsgwandl im Schwarzen Hasen gestartet. Dass die Resonanz auf den Gastauftritt am Donnerstagabend so gewaltig ausfällt, damit hat der Verein Kultrast nicht gerechnet und sich daher umso mehr gefreut. Mit Gitarrist Daniel Stelter, Schlagzeuger Tommy Baldau und Bassist Christian Diener hatte Kabarettist und Liedermacher Ringsgwandl eine exzellente Bandbesetzung im Gepäck.

„Wir führ’n so provisorisch durch den Abend“, verkündete er in seiner typisch lakonischen Art, die seinen ganzen Charme ausmacht. Zum ersten Mal im Schwarzen Hasen und zum ersten Mal mit dem Programm der aktuellen Tournee. Das wollten sich offensichtlich viele seiner alten und jungen Fans nicht entgehen lassen. Zu Recht, denn der bayerische Musikkabarettist steht seit Jahrzehnten für schräg Anarchisches, das er mit einer ungeheuren Geradlinigkeit und einem trockenen Humor unter die Leute bringt.

Am 15. November feiert der in Bad Reichenhall geborene, nach Stationen in Würzburg, München Garmisch-Partenkirchen und heute am Staffelsee lebende Allrounder seinen 70. Geburtstag. Anzumerken ist ihm das nicht – auch nicht nach über zwei Stunden Auftritt mit drei jungen Musikern, deren Sound in einer Spannbreite von Volkslied bis zu sattem Rock, Blues und Punk Ringsgwandls Konzept aufgehen ließ. Eines, das ihn mal als selbstverliebten und dahin schwebenden, aber nie ironielosen Liedermacher zeigt, der sich im Handumdrehen in eine lustvoll blödelende Rampensau verwandelt.

„Ich bin Multiinstrumentalist. Spiel’ mal auf der einen und dann wieder auf der andern“, hantiert er mit zwei Gitarren im Wechsel, die sich manchmal beim verqueren Einstieg in den Schulterriemen vertütteln. Ringsgwandl, bis in die 1980er Jahre hauptberuflich als Kardiologe am Klinikum Garmisch-Partenkirchen tätig, sattelte mit seinem ersten Album „Das Letzte“ (1986) endgültig um. Seitdem ätzt er sich quer durch die ganz normalen Alltagsphänomene, wofür es reihenweise Kleinkunst-, Kabarett- und Kulturpreise hagelte. Sein Spott trifft alles und jeden. Auch an diesem Abend mit seinem Hit „Gartennazi“, der „draußen hinterm äußern Gürtel im ganz saubrem Viertel rumschleicht, spioniert, andre ärgert, drangsaliert.“ Dort „scharf rechts hinterm Mond, wo die Mama jeden Samstag früh im Küchenschurz den Gehsteig kehrt“ und er den Hund mit dem Hochdruckreiniger abspritzt.

Ringsgwandls Abgesänge auf Handy, Fernsehen, Laptop und Co in „Keine Chance fürs digitale Proletariat“ mit „alles supergünstig, aber 'n bisschen fad“ sind alles andere als fad. Sie führen die Unvollkommenheit der Menschlichkeit vor, die sich genauso wenig regulieren lässt wie den „Multidilettanten“ Ringsgwandl. Immer wieder nimmt er sich zurück, setzt sich an den Bühnenrand und überlässt seiner Band den Raum. Insbesondere dem jungen Gitarristen Daniel Stelter, dessen Solo eines filigranen Balladensounds sich zu voller Hardrockgröße auswuchs. Schlicht atemberaubend.

Vom Leben, das „so dahinwackelt“

Bestritt Ringsgwandl das erste Set in legerer Kluft, betrat er die Bühne nach der Pause im grauen Einreiher. Ordentlich? Kaum möglich im Falle von Ringsgwandl, der zu „I wui net Ski fahrn, aber i muaß“ von 1991 sich mit schwarzer Wollmütze und dunkler Brille in ein Rapper-Phantom ummünzte. „Für mich bitte ein Schoko-Herz, ich bin Single,“ umgarnt er die schönste aller Bäckerei-Verkäuferinnen, zu der seine Band den sehnsuchtstriefenden vokalen Background liefert. Zum Dahinschmelzen.

Richtig zu Hause fühlt er sich in groovenden Bluesrhythmen, die seinerzeit in den 1990er-Jahren zusammen mit Gitarrist Nick Woodland geschuldet sind. Darin kennt er mit Liedzeilen wie „Gerechtigkeit ist Illusion, dafür gibt es Religion“ kein Pardon, um kurzerhand umzuschalten auf „Liebe Allgäuerinnen, ich brauch 'ne Zugehfrau“ und das nicht nur für drei Wochen, sondern für’s ganze Leben. Das Schöne am Leben sei, dass es „so dahinwackelt“ ist eine seiner Devisen. Die haben die Besucher zu spüren bekommen – unverfälscht, hemmungslos und tragikomisch, wenn er sein kompromissloses „Reiß die Hütt’n weg“ von der Bühne schmettert.

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