Ein Energiebündel spielt den Terror-Tango

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Der Techno Sound der Monika Roscher Big Band krempelt den Jazz einmal richtig um.
Der Techno Sound der Monika Roscher Big Band krempelt den Jazz einmal richtig um. (Foto: Babette Caesar)
Schwäbische Zeitung
Babette Caesar

Die knapp 20 Big-Band-Musiker, die E-Gitarristin Monika Roscher dirigiert, haben am Freitagabend dem Jazz Point im Schwarzen Hasen ein neues Outfit verpasst. Ihr Mix aus Indie und Punk, kraftvoll zündenden Bläsersätzen, rockigen Gitarren-Gigs und Roschers mystischen Vocals sind rauschhafte, ans Psychedelische reichende Wechselbäder.

„Jetzt kommen wir zu einem Tanzstück, einem Tango, aber ob es sich danach wirklich tanzen lässt, ist fraglich“, offerierte Monika Roscher voller Esprit ihrem Publikum. „Terror Tango“, der die Geräuschwelten von Hubschraubern und U-Booten imitiere, gleiche der oft erlebten Situation in Supermärkten, wenn man sich von der Beschallung geradezu terrorisiert fühle.

Was Roschers Big Band, deren Mitglieder in der Mehrheit von der Münchner Musikhochschule kommen, daraus inszeniert, ist ein gemächlicher Elefantenwalk, unterbrochen von atonalen Brocken aus der Elektro- und Triphop-Szene, in die elegische Klänge eines Pianos einfallen oder das versonnene Spiel einer Querflöte, bevor Roschers selbst komponierten Werke leise im Raum verhallen.

Nie ohne den Spaß an der Freude

An die zehn Minuten Länge können ihre mannigfaltigen Gebilde locker erreichen, währenddessen sie sich zwischen soften Balladen und berserkerhaften Partien im Frank Zappa-Stil einpendeln. Hierfür wechselt Roscher gerne das Outfit, hin zu einem gespenstisch schwarzen Umhang und einer finsteren Augenmaske, um die neuen „Ghosts of the Century“ zu beschwören. Gemeint sei damit ihre Generation, die man nirgendwo sehe und die sich für nichts interessiere – außer für Techno. Aber nie ohne den Spaß an der Freude über den krawalligen Sound, durchsetzt von Bläsersoli bis zur Anschlaggrenze. Dafür stand der Opener „Full moon theatre“ – eine Vogelsuite. Mit dem Aufnahmegerät habe sie Vogelstimmen aufgenommen. Denn das Zwitschern im Moment da draußen sei für die Vögel alles andere als einfach nur schön.

Die 1984 nahe Nürnberg geborene Roscher steht mit ihrer Big Band mitten drin in der gegenwärtigen Musikszene. 2014 erhielt das aktuelle Album „Failure of Wonderland“ den Jazz-Echo in der Kategorie „Newcomer des Jahres“. Gefragt nach der Namensgebung ihrer Band, sollte diese anfangs „Die Kapelle der Verklärung“ heißen. Stellvertretend für den kaputten, rumpelnden Beiklang, der ihr so gut gefalle.

Ihre Stimme, die kein Problem hat, sich gegen die Bläser oder das Vinylknistern und Netzbrummen aus der Elektronik-Ecke durchzusetzen, holt diese wilden Ausbrüche immer wieder auf den Boden zurück. Sie betont das Traumatische der Geschichten, die etwas von dem Gespensterhaften eines Edgar Allan Poe haben, die mit der Zukunft hadern, aber deswegen keine Untergangsstimmung verbreiten.

Dafür spielen die Musiker auf einer zu versierten Klaviatur ihrer Instrumente, die dann doch wieder – zwischen den Zeilen – den Jazz und dessen Ausgefeiltheit zu Wort kommen lassen. Auch, wenn einem in Songs wie „Caribbean Delirium“ vor lauter Chaos die Ohren klingeln, machen das die ekstatischen Saxofonsoli alle mal wett.

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