Ein Blick in die Hundeseele

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Maja Nowak (rechts) gibt Hunden eine Stimme und übersetzt ihre Sprache so, dass auch Hundebesitzer sie verstehen können.
Maja Nowak (rechts) gibt Hunden eine Stimme und übersetzt ihre Sprache so, dass auch Hundebesitzer sie verstehen können. (Foto: Bischofsberger)

Ihre Stimme ist ruhig und leise, doch ihre Botschaft ist klar und verständlich. Maja Nowak möchte den Menschen eine neue Sicht auf die Tiere geben. Sie möchte, dass Tiere mit Respekt behandelt werden. Und für den vorliegenden Abend gibt sie den Hunden eine Stimme. Barbara Trautmann-Feßler von der Buchhandlung Osiander und Büchereileiterin Susanne Singer kündigten Maja Nowak als Liedermacherin, Heilpraktikerin und Hundeflüsterin an und betonten einmal mehr, dass es eine besondere Ehre sei Nowak hier in der voll besetzten Stadthalle zu haben.

Nowak machte dem Publikum zunächst den Unterschied zwischen Hund und Mensch klar. Besonders die Sichtweise auf das Leben. Der Mensch, der ein Problem mit seinem Hund habe, möchte immer irgendetwas weg haben oder dazu haben. Dies sei ein zielorientiertes Denken, stets in die Zukunft gerichtet. Hunde leben nur in ihrem Jetzt. Sie machen ihre Erfahrungen und lernen von Prozessen, die in der Gegenwart geschehen.

Hunde spiegeln die Seele des Menschen

Für den Abend hatte Nowak vier Filme vorbereitet, die vier verschieden Hunde zeigten mit ganz unterschiedlichen Charakteren. Die Hunde wurden in Situationen aufgenommen, die typisch für das Verhalten des einzelnen Tieres war. Nach jedem Film kam dann die dazugehörige Besitzerin mit dem im Beispiel gezeigten Hund auf die Bühne. Nowak synchronisierte das Verhalten, indem sie während des Films für den Hund sprach. Zwar humorvoll, doch auch zum Nachdenken anregend sah man die Reaktionen und Verhaltensweisen der Tiere plötzlich mit anderen Augen. Alle vier Teilnehmerinnen mussten drei Fragen beantworten: Was wertschätzt Ihr an Eurem Hund am meisten, welche Eigenschaft macht Euch zu schaffen und in welche Eigenschaft will Euer Hund Euch führen? Dabei stellte sich bei allen heraus, dass das, was einem am besten am Hund gefällt, selber in dem Menschen steckt. Hunde spiegeln die Seele des Menschen. Es gebe Hunde, die einen Menschen tragen, und welche, die einen verändern.

Schon im Welpenalter sei den Hunden eine bestimmte Rolle zugeteilt.Im Film konnte man die Verhaltensweisen zweier Welpen beobachten und erkannte zwei völlig verschiedene Eigenschaften. Der eine ist ein Wächter, der aufpasst und beschützt. Der andere ist ein Leittier. Er lässt sich beschützen, sagt jedoch dem anderen, was zu tun ist. Der Mensch müsse die Führung übernehmen, dies erreiche man durch Liebe. „Liebe heißt auch, dem anderen Führung angedeihen zu lassen“, sagte Nowak.

Am Ende schlüpfte ihre Mitarbeiterin in die Rolle eines Hundes. Anhand von zwei verschiedenen schauspielerisch dargestellten Szenen veranschaulichte Maja Nowak, dass je mehr man einen Hund kontrolliert, desto mehr will er flüchten. Und je mehr Freiheit ein Tier bekommt, desto weniger wird es abhauen wollen. Denn Kontrolle sei Misstrauen und Kontakt ist Vertrauen.

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