Eigentümer wollen keine Grundstücke für Brücke geben

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Harte Arbeit haben sie geleistet, die Mitglieder der Bürgerinitiative BI LI12, die sich gegen den Brückenneubau an der Oberen Ar (Foto: tst)
Schwäbische Zeitung
Tine Steinhauser.

Beim Treffen der Schutzgemeinschaft Argentäler, einer Gruppe, die sich mit Naturschutzfragen rund um die Argen befasst und sich die Schaffung eines Biotopverbunds an den Ufern zum Ziel gesetzt hat, konnte Organisator Herbert Kleiner im Gasthaus Baumgarten einige Gäste aus Röthenbach begrüßen. Sie alle waren Mitglieder der Bürgerinitiative BI-LI12, die sich gegen den Brückenneubau an der Oberen Argen zwischen Eglofstal und Röthenbach wendet.

Die kleine Zwölf-Tonnen-Brücke sei zwar marode, berichteten die Mitglieder, der geplante Brückenneubau mit einer Traglast von 80000 Tonnen, der dem Schwerlastverkehr Tür und Tor öffnen würde, jedoch ein vollkommen unnötig drastischer Eingriff in die Natur und ein finanziell überzogenes Projekt.

Bestehende Brücke sei sanierbar

Nach dem Motto „Das schöne Tal bewahren“ haben sich die Mitglieder in die nicht einfache Materie der Verkehrswegeplanung gekniet. Die bestehende Brücke, so berichteten sie, sei laut eines Gutachtens des Ingenieurbüros Müller in Ulm durchaus sanierbar.

Die Kosten hierfür seien in der Expertise mit 250000 Euro angesetzt. Der geplante Brückenneubau würde mit etwa 1,9 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Kosten müssten sich die Landkreise Lindau und Ravensburg teilen, da es sich um eine Grenzbrücke handele. Trotz einer in Aussicht stehenden Bezuschussung des Bauvorhabens wären die Kosten für die Landkreise beträchtlich höher als für die Sanierung. Der Brückenneubau würde automatisch den Ausbau und die Verbreiterung der gesamten Trasse nach sich ziehen.

Von daher haben sich die Grundstückseigentümer an der Straße LI12 zusammengeschlossen, und in einem Vertrag vereinbart, keine Flächen zu verkaufen. „Auch die Landwirtschaft braucht die neue Brücke nicht“, so ein Landwirt der Bürgerinitiative, „die ansässigen Bauern bewirten ihre Flächen kleinstrukturiert. Für die Sanierung wären wir bereit, Flächen abzutreten, aber nicht für den Neubau“.

Hart gearbeitet haben die Mitglieder an ihrem Vorhaben, den Neubau zu verhindern. Mit verschiedenen Aktionen wie einem Protestmarsch und einer Unterschriftensammlung haben sie im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Siegfried Spangenberg, Fraktionsvorsitzender der Grünen Fraktion im Kreistag Ravensburg, fügte hinzu: „Der Widerstand gegen den Neubau wird in den Landratsämtern registriert. Es ist gut, dass es diese Bürgerinitiative gibt. Selbst die Politik sagt längst, Sanierung gehe vor Neubau“.

Im weiteren Verlauf des Treffens berichtete Dietmar Spiess aus Kisslegg über die Vereinsgründung der ELK, Entwicklung-Lebensraum-Kisslegg. „Wir sind ein Zusammenschluss von Bürgern aus Kisslegg, Waltershofen und Umgebung, die sich mit dem Thema Regionalentwicklung befassen. Nachhaltigkeit und Naturschutz stehen bei uns ganz oben, jedoch sperren wir uns nicht gegen die Entwicklung“. Aktuellstes Thema sei natürlich das Gewerbegebiet Ikowa.

„Wir wenden uns gegen

sinnlose Flächenvergeudung“

„Mein Nachbar wollte vergangenes Jahr einen Hühnerstall für acht Hühner bauen. Das wurde wegen der Nähe zum Arrisrieder Moos abgelehnt. Aber das 40 Hektar große Industriegebiet ist viel näher dran“, sagte Spiess. Auch sei es unverständlich, dass stets das Argument ‚Schaffung von Arbeitsplätzen‘ käme, obwohl es in Kisslegg Vollbeschäftigung gäbe. „Wir wenden uns gegen sinnlose Flächenvergeudung“, so Spiess.

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