Die „Gebrauchsanweisung“ für den Ernstfall

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Gerd Locher stellt die Vorsorgemappe vor.
Gerd Locher stellt die Vorsorgemappe vor. (Foto: bee)
Schwäbische Zeitung

Unfall, schwere Erkrankung oder gar der Tod: Schicksalsschläge, die jeden und nicht nur ältere Menschen treffen können – jederzeit. Für solche Fälle gibt die Vorsorgemappe des Wangener Stadtseniorenrats eine wichtige Orientierungshilfe für Angehörige und Betroffene. Die „Gebrauchsanweisung“ für den Ernst- und Notfall soll Ende 2018 neu aufgelegt werden.

Persönliches, Finanzen, Vollmachten, Krankenhauseinweisung, Testament, Todesfall: Die aktuelle Vorsorgemappe ist in mehrere Kapitel aufgeteilt. Sie gibt einen umfassenden Überblick über die Lebensverhältnisse eines Menschen, der beispielsweise nach einem Schicksalsschlag wichtige Angelegenheiten nicht mehr selbstverantwortlich regeln kann. „Dass die Betroffenen durch die Mappe dafür sorgen können, dass ihr persönlicher Wille auch in schwierigsten Situationen gilt, war uns besonders wichtig“, sagt Gerd Locher, Vorsitzender des Stadtseniorenrats. Und: „Es ist nämlich gar nicht so einfach, wie man denkt.“

Auch deshalb, weil es in Sachen Testament, Zugriff auf Bankkonten oder bei der medizinischen Versorgung allerlei Falschinformationen darüber gibt, welche Personen unter welchen Voraussetzungen welche Rechte haben. „Ein Hauptirrtum ist, dass Ehepartner oder Kinder automatisch bevollmächtigt sind, rechtsverbindliche Entscheidungen zu treffen“, weiß Locher. Deswegen nehmen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung einen großen Raum in der Mappe ein.

Diese gab der Stadtseniorenrat im Jahr 2015 zum ersten Mal heraus – in einer Auflage von 1600 Exemplaren. Sie sind mittlerweile so gut wie vergriffen. „Die Vordrucke zur Vollmachten und zur Verfügungen werden derzeit juristisch geprüft und dann entsprechend aktualisiert“, sagt Gerd Locher. Für die Neuauflage der Vorsorgemappe sind einige Veränderungen vorgesehen, so soll beispielsweise das Kapitel „Digital“ hinzukommen, Stichwort: Online-Konten. Geplant sind diesmal 1500 Exemplare zu einem Preis von, so Locher, mindestens 15 Euro. Personen, die bereits eine Mappe besitzen, sollen geänderte Blätter kostenfrei ersetzen können.

Auch grundsätzlich sei eine Aktualisierung der Daten alle paar Jahre empfehlenswert. „Es kann Rechtsänderungen geben und die medizinische Entwicklung schreitet ja auch voran“, erläutert der frühere Wangener Bürgermeister. Und gibt einen Tipp: „Weil nicht alle Unterlagen reinpassen, kann die Vorsorgemappe auch ein Wegweiser auf andere Ordner sein.“ Dorthin, wo beispielsweise alle Infos zu Versicherungen oder Banksparbüchern abgeheftet sind. „Wichtig ist, dass man zumindest innerhalb der Familie Bescheid weiß“, sagt Gerd Locher. Gerade weil es die Großfamilien, in denen jeder weiß, wo was liegt, heutzutage immer seltener gebe.

Und in welchem Alter sollte man an die Vorsorge denken? „Auch junge Menschen, vor allem Familien, sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagt Gerd Locher. „Es kann leider jeden treffen.“ Auch hier gelte der Grundsatz: Je früher, desto besser.

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