Das sind die Wangener Sportler und die Aufsteiger des Jahres 2018

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Redaktionssekretariat

Die SZ Wangen stellt die Sportler und die Aufsteigerin des Jahres 2018 in Einzelporträts vor:

Aufsteigerin:

Laufsport und der Name Gralki gehören in Wangen zusammen. Seit einiger Zeit ist es allen voran Julia Gralki, Tochter des Läuferehepaars Claudia und Martin, die sportlich betrachtet für Furore sorgt.

Die 18-Jährige Wangenerin vom LTC Wangen wurde 2018 Baden-Württembergische Triathlon-Meisterin bei den Juniorinnen und Dritte der Juniorinnen beim Triathlon Alpe d’Huez/ Frankreich. Dass sie zur Aufsteigerin des Jahres geworden ist, hat Julia Gralki „wirklich überrascht“. Da sie an einer längeren Krankheit laborierte, ging ihre Saison 2018 erst im Mai los. Eine der ersten Veranstaltungen war der Wangener Altstadtlauf, den sie „ohne großen Erwartungen“ anging – und gewann. Der größte Erfolg kam im Juli: Nach dem Vizetitel im vergangenen Jahr holte sich Julia Gralki die Baden-Württembergische Triathlon-Meisterschaft der Juniorinnen. Bei ihrem ersten internationalen Rennen in Frankreich wurde sie 15. der Gesamtwertung und Dritte der Juniorinnenklasse.

Anfang September stellte Julia Gralki über fünf Kilometer mit 18.23,75 Minuten eine neue persönliche Bestleistung auf: „2019 möchte ich unter 18 Minuten laufen.“ Im Triathlon war Julia Gralki erstmals als Elfjährige unterwegs. In der Region wird man sie in den kommenden Jahren voraussichtlich aber nun nur noch selten zu Gesicht bekommen: „Ich habe ein Sportstipendium in den USA bekommen.“

Den Laufsport wird Julia Gralki über dem großen Teich weiterbetrieben: „Ich werde aber auch Schwimmen und Radsport weiter trainieren und Triathlon privat machen.“ 2019 wird sie auch die Olympische Distanz in Angriff nehmen. Was bedeutet: 1,6 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen. Ob sie irgendwann auch den Ironman Hawaii anpacken will? „Das kann ich mir schon vorstellen. Das hat aber auch noch viel Zeit.“

Mannschaft:

Schon 2017 haben sich die Damen 30 des TC Wangen 1903 den Meistertitel ohne Niederlage geholt. Damals aber noch in der Oberliga. Verbunden mit dieser Meisterschaft war der dritte Aufstieg in Folge und damit in die Württembergliga. Dort legten Eva Tröster, Silke Reimann, Katrin Schmid, Lisa Seßler, Nicole Christoph, Kathrin Metzler, Evi Schneider, Carolin Albrecht, Angelika Zimmerer und Heidi Kremsler so richtig los.

Schon nach den ersten beiden siegreichen Spieltagen war klar: Mit dem Abstieg werden die Allgäuerinnen nichts zu tun haben. Gegen Mittelbiberach folgte dann eine Niederlage. Nach dem Sieg gegen Bieselsberg waren die Wangenerinnen mit Ohmenhausen punktgleich. „Da Ohmenhausen aber um drei Sätze besser war, mussten wir am letzten Spieltag auf jeden Fall mit 6:0 gewinnen“, erzählt Mannschaftsführerin Carolin Albrecht. Das Kunststück im zeitgleichen Fernduell der beiden Teams glückte. Wangen gewann beim TC Ötisheim tatsächlich 6:0. Der Aufsteiger holte sich die Württembergische Meisterschaft.

„Ziel für uns ist es für 2019, uns in der Württembergliga zu halten und gegebenenfalls den Titel zu verteidigen“, sagt Carolin Albrecht. Ein erneuter Aufstieg ist für den Württembergischen Meister 2018 nicht möglich. Albrecht: „Es gibt zwar auch bei den Damen 30 eine Bundesliga, aber nicht bei den Vierer-, sondern nur bei den Sechserteams.“ Der derzeit etwa zehnköpfige Kader reiche dafür momentan aber nicht aus: „Vielleicht wird das in zwei, drei Jahren mal ein Thema.“ Mindestens ebenso wichtig wie der sportliche Erfolg ist der Mannschaft das Gesellige. „Wir haben einen super Zusammenhalt und viel Spaß zusammen“, betont Albrecht. Letzteres war auch am Freitagabend bei der Sportlerehrung der Stadt Wangen deutlich zu spüren.

Sportlerin:

Badminton ist ihr Leben. Schon als Elf-, Zwölfjährige kam Ela Vonmetz zum Ballsport mit Federball und Schläger, gemeinsam mit ihren beiden Brüdern. „Ich habe recht schnell Turniere gespielt“, erzählt die 48-Jährige, die in jüngeren Jahren noch in Regensburg lebte.

Recht schnell ging ihr Weg in der Juniorenklasse nach oben: Bayerische Meisterin, Süddeutsche Meisterin. In einem Jahr holte sie sich den Meistertitel sogar in allen drei möglichen Klassen, im Einzel, im Mixed und im Doppel. In letzterem übrigens auch damals schon mit Partnerin Anja Dietz aus Nürnberg, mit der sie seit zwölf Jahren wieder zusammen kämpft. Rund zehn Jahre lang spielte Vonmetz in der Zweiten Bundesliga. Stationen waren Erlangen, Regensburg und Augsburg. Der Liebe wegen zog es sie dann an den Bodensee. In Wolfurt spielte sie zunächst in der Staatsliga B, später dann auch im österreichischen Oberhaus.

Zur Spielgemeinschaft Neuravensburg-Primisweiler kam sie schließlich über ihren Sohn Daniel: „In Lindau gab es für ihn keine Möglichkeit, Badminton zu spielen. Neuravensburg aber hatte eine sehr gute Jugendabteilung.“ Vor sechs Jahren wechselte auch sie zur SG. Gemeinsam mit Daniel, einem ihrer beiden Söhne, kämpft die Realschullehrerin seit drei Jahren nun dort in der ersten Mannschaft. Mit der Spielgemeinschaft stieg sie 2017 in die Württembergliga auf, 2018 aber auch wieder ab. Dafür klappte es, im Doppel mit ihrer Partnerin Anja Dietz und im Mixed mit Eric Patz, im Mai in Völklingen/Saarland mit der zweifachen Meisterschaft in der Altersklasse 45. „Wir hatten einen sehr guten Lauf an diesem Tag“, sagt Ela Vonmetz. Dennoch: Die Paarungen waren knapp. Patz litt zudem an Hüftbeschwerden und Schmerzen. Doch Vonmetz/ Patz kämpften sich durch und gewannen hauchdünn den entscheidenden dritten Satz.

Sportler:

Im Ring nennt er sich Timo Schwarzkopf. In Wangen kennt man den 27-Jährigen Profiboxer noch immer als Festim Kryeziu. Im November kehrte der bekennende und heimatliebende Wangener eindrucksvoll zurück. Trotz einer alles andere als förderlichen Niederlage Ende April in Louisville/ USA. EBU-Europameister wurde der jüngste Spross einer siebenköpfigen Familie mit albanischen Wurzeln fünf Monate später in Wangen.

Wieder einmal hat er alles auf eine Karte gesetzt. Wieder einmal hat er gewonnen. Dass er Profiboxer werden will, das wusste Festim Kryeziu schon im Grundschulalter. Das Boxen erlernte er in den Reihen des BC Wangen, galt schon früh als großes Talent. In den Schoss gelegt wurde ihm nichts. Für sein großes Ziel verzichtete Kryeziu nach dem Schulabschluss auf eine Ausbildung, vertraute auf das eigene Talent. Auf eigene Faust und eigenes Risiko heuerte er in einem Stuttgarter Boxstall an. Unermüdlich ackerte er für den Erfolg und gewann tatsächlich Kampf um Kampf.

Sein Debüt als Profi feierte Kryeziu im Sommer 2010. Und es dauerte bis zu seinem 15. Kampf im März 2015, bis es überhaupt einmal einem Gegner gelang, ihn zu besiegen. Die Niederlage vor knapp vier Jahren schmerzte. Noch mehr aber jene im Ende April gegen Chris van Heerden, beim Holyfield-Turnier, mit einer auch unter Funktionären umstrittenen Entscheidung. Kryeziu forderte daraufhin Superleichtgewicht-Titelträger Florin Cardos heraus, bot ihm an, den Kampf in Wangen auszurichten. Was Cardos unterschätzte, war ausgerechnet Kryezius „dritte“ Faust: die Argensporthalle, dessen sportliches „Wohnzimmer“. Nach einer Runde und 54 Sekunden war der Kampf durch Technisches K.o. beendet. Und einer strahlte überglücklich und aus vollem Herzen: Europameister Festim Kryeziu.

Fünfte Wangener Sportlerehrung
Sportler geehrt. Bei der fünften Wangener Sportlerehrung sahen die mehr als 200 Gäste bekannte, aber auch neue Gesichter. Die Baden-Württembergische Juniorinnen-Meisterin im Triathlon, Julia Gralki vom LTC Wangen wurde zur „Aufsteigerin des Jahres“ gekürt, die TC-Damen 30 zur „Mannschaft des Jahres“. Ela Vonmetz, Badmintonspielerin von der SG Neuravensburg-Primisweiler, wurde zur „Sportlerin des Jahres“. Sportler des Jahres wurde Boxer Festim Kryeziu.
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