Das Radfahren mit „Hilfsmotor“ will gelernt sein

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Am Samstag gab es auf dem Gelände des Bauhofs ein kostenloses Pedelec-Fahrtraining.
Am Samstag gab es auf dem Gelände des Bauhofs ein kostenloses Pedelec-Fahrtraining. (Foto: stiller)
Schwäbische Zeitung
Vera Stiller
Redakteurin

Wer vom normalen auf ein elektrisches Rad umsteigt, sollte ein paar Dinge beachten. Das gilt schon vor dem Kauf. Denn es gibt drei übergeordnete Möglichkeiten:

Das Pedelec, die Kurzform von Pedal Electric Cycle, ist zulassungsfrei und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern. Es fährt auch schneller, dann schaltet sich jedoch der Motor automatisch ab.

Das sogenannte S-Pedelec kann eine maximal unterstützte Geschwindigkeit von 45 km/h erreichen, wobei die maximale Nennleistung des Motors bei 500 Watt liegt. Damit dieses gefahren werden darf, muss der Fahrer den Führerschein eines Kleinkraftrads, also die Führerscheinklasse M, vorweisen können.

Dann die E-Bikes. In vielen EU-Ländern gilt die Verordnung, wonach diese mit einer Motorleistung zwischen 250 Watt und 300 Watt eine Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h fahren dürfen. Auch sie werden wie die S-Pedelecs wie Mofas behandelt, benötigen ein Versicherungskennzeichen und es dürfen keine Fahrradwege benutzt werden.

Während für Pedelecs und E-Bikes keine Helmpflicht besteht, müssen Fahrer von S-Pedelecs wegen der erhöhten Geschwindigkeiten verpflichtend einen Helm tragen.

Die Motoren sind entweder vorn in der Nabe (Frontmotor) oder beim Gepäckträger oder in der Hinternabe verbaut (Heckmotor). Mittelmotoren sind am Sattel- oder Unterrohr angebracht. Diese Variante wird allgemein empfohlen, weil sich so die Balance ideal verteilt und das beste Gewichtsverhältnis entsteht.

Der Akku ist das teure Herz eines Pedelecs. Die Haltbarkeit der Batterien wird mit 500 bis 1000 Ladezyklen angegeben. Angesichts von 50 bis 100 Kilometer Reichweite pro Ladung sind also stattliche Laufleistungen garantiert. Wer mit der Batterie pfleglich umgeht, kann ihre Lebensdauer zusätzlich positiv beeinflussen. So sollten Lithium-Batterien nicht komplett leer gefahren und in der Winterpause in trockenen Räumen bei Temperaturen um 15 Grad gelagert werden.

Elektrofahrräder erfreuen sich bei allen Altersgruppen zunehmender Beliebtheit. Aber es häufen sich auch Unfälle, die gerade bei älteren Menschen schwere Folgen haben können. Vor diesem Hintergrund haben der Stadtseniorenrat Wangen und der ADAC zusammen mit örtlichen Fahrradhändlern am Samstag ein kostenloses Pedelec-Fahrtraining angeboten. Den ganzen Tag über kamen Interessierte, am Nachmittag auch vermehrt Jugendliche, auf das Gelände des Bauhofs, um sich in Theorie und Praxis informieren zu lassen.

Harald Belz vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat war es, der zunächst seiner Freude darüber, dass das Elektrofahrrad ein tolles Mittel sei, „um sich im Allgäu fortzubewegen“, Ausdruck verlieh. Der aber auch feststellte, dass man sich für das Gerät eignen und sich damit wohl fühlen müsse. Wobei Belz Personen, die seit Jahren nicht mehr Fahrrad gefahren sind, davor warnte, sich ohne An- und Einweisung ein Pedelec zuzulegen. „Besonders die Innenstädte stellen große Anforderungen an die Konzentration und das Reaktionsvermögen“, sagte der 69-Jährige mit Nachdruck.

„Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die Fitness“

„Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die Fitness“, betonte Belz und riet darüber hinaus zu Probefahrten, wenn möglich sogar über das Wochenende, um das individuell geeignete Fahrzeug zu finden. Zusammenfassend konfrontierte der Fachmann die Zuhörer mit dieser Botschaft: „Gehen Sie in einen Laden und probieren Sie alles aus. Denn wer kauft, der hat schon einen gebrauchten Kleinwagen in seiner Garage stehen.“ Als nicht verkehrt erachtete es Harald Belz, den Akku „so groß es ihn gibt“ zu wählen, eine entsprechende Versicherung abzuschließen und den jährlichen Kundendienst nicht zu vergessen.

Niedere Einstiegshöhe, Motor und Akku möglichst mittig angebracht, hydraulische Scheibenbremsen, 28-Zoll-Räder sowie verstellbare Sattel und Lenker – alles das gab Harald Belz zu beachten. Und er hielt vor Augen: „Da die Sitzhaltung eines Seniors meist anders ist als die eines jugendlichen Rennradfahrers, sind oft ganz andere Sattel und Lenker notwendig. Und obwohl es keinen rechtlichen Zwang dazu geben würde, gab Belz den wichtigen Hinweis: „Tragen Sie einen Fahrradhelm!“

Nach dieser Einführung konnten zukünftige und bereits erprobte Pedelec-Fahrer ihr Verkehrsverhalten unter Anleitung üben. Sie lernten dabei richtig anzufahren, über eine Rampe und in Kurven zu fahren wie zu bremsen. Um ein Gefühl für die verschiedenen elektrischen Unterstützungsstufen auszuprobieren, bestand die Möglichkeit, die Gebäude des Bauhofs zu umrunden.

Für das Ehepaar Bernd und Elke Koßmann waren Vortrag und Pedelec-Training „interessant und hilfreich“. Der Schritt zur Anschaffung von zwei Rädern scheint damit in greifbare Nähe gerückt zu sein. Ebenso bei Edith Schlegel aus Hohenweiler, die durch die Veranstaltung in Wangen noch näher an der Entscheidung „dran ist“.

„Tragen Sie einen Fahrradhelm“

Wie Gerd Locher, Vorsitzender des Stadtseniorenrats, der sich auf seinem Pedelec „wie ein Junger fühlt“, gehört auch Adolf Steidle längst zu den Überzeugten. Mehr noch: Seit Jahren leitet er innerhalb des Wangener Bürgerforums die Gruppe „Radfahren“ und stellt fest, dass die allermeisten der bis 25 an den Ausfahrten teilnehmenden Personen „mit Hilfsmotor fahren“. Nichtsdestotrotz passt Steidle das Tempo den individuellen Fahrleistungen jeweils an.

„Ich möchte das Rad nicht mehr hergeben“

Sieglinde Knecht ist stellvertretende Vorsitzende des Seniorenrats und rundet das Meinungsbild so ab: „Das Pedelec ist für mich, die ich noch fit bin und die Natur liebe, ein Sportgerät und kein Ersatz für das Auto. Ich habe mir den Kauf vor vier Jahren lange überlegt. Doch ich habe ihn nicht bereut. Ganz im Gegenteil. Ich möchte das Rad nicht mehr hergeben.“

Wer vom normalen auf ein elektrisches Rad umsteigt, sollte ein paar Dinge beachten. Das gilt schon vor dem Kauf. Denn es gibt drei übergeordnete Möglichkeiten:

Das Pedelec, die Kurzform von Pedal Electric Cycle, ist zulassungsfrei und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern. Es fährt auch schneller, dann schaltet sich jedoch der Motor automatisch ab.

Das sogenannte S-Pedelec kann eine maximal unterstützte Geschwindigkeit von 45 km/h erreichen, wobei die maximale Nennleistung des Motors bei 500 Watt liegt. Damit dieses gefahren werden darf, muss der Fahrer den Führerschein eines Kleinkraftrads, also die Führerscheinklasse M, vorweisen können.

Dann die E-Bikes. In vielen EU-Ländern gilt die Verordnung, wonach diese mit einer Motorleistung zwischen 250 Watt und 300 Watt eine Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h fahren dürfen. Auch sie werden wie die S-Pedelecs wie Mofas behandelt, benötigen ein Versicherungskennzeichen und es dürfen keine Fahrradwege benutzt werden.

Während für Pedelecs und E-Bikes keine Helmpflicht besteht, müssen Fahrer von S-Pedelecs wegen der erhöhten Geschwindigkeiten verpflichtend einen Helm tragen.

Die Motoren sind entweder vorn in der Nabe (Frontmotor) oder beim Gepäckträger oder in der Hinternabe verbaut (Heckmotor). Mittelmotoren sind am Sattel- oder Unterrohr angebracht. Diese Variante wird allgemein empfohlen, weil sich so die Balance ideal verteilt und das beste Gewichtsverhältnis entsteht.

Der Akku ist das teure Herz eines Pedelecs. Die Haltbarkeit der Batterien wird mit 500 bis 1000 Ladezyklen angegeben. Angesichts von 50 bis 100 Kilometer Reichweite pro Ladung sind also stattliche Laufleistungen garantiert. Wer mit der Batterie pfleglich umgeht, kann ihre Lebensdauer zusätzlich positiv beeinflussen. So sollten Lithium-Batterien nicht komplett leer gefahren und in der Winterpause in trockenen Räumen bei Temperaturen um 15 Grad gelagert werden.

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