Claudia Scherer schreibt über die Welt ihres Vaters

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 Musikantin Maria Hartmann (von links), Claudia Scherer und Laudator Markus Manfred Jung vor Scherers „Herkunftsschleppe“
Musikantin Maria Hartmann (von links), Claudia Scherer und Laudator Markus Manfred Jung vor Scherers „Herkunftsschleppe“ (Foto: clbi)
Claudia Bischofberger

Das Buch „Der Gruß“ von Claudia Scherer umfasst 167 Seiten und 16 Fotografien. Das Buch kostet 14 Euro.

Die Schriftstellerin Claudia Scherer aus Wangen hat im Kornhaus Auszüge aus ihrem neuen Buch „Der Gruß – Erzählungen im Kammerton“ vorgelesen. Scherer taucht in ihrem neuen Werk ein in die Welt ihres Vaters. Sie nähert sich ihm und geht zurück in eine Zeit in der die Kälte des Zweiten Weltkriegs das Land beherrschte.

In klaren Konturen zeichnet sie das Bild des Menschen, den sie erst viel später Vater nennen wird. „Als Vater noch nicht Vater war“ , beschreibt sie diese Zeit. Zahlreiche Buchliebhaber kamen, um mehr über das Schicksal zu erfahren, das durch die geschriebenen Worte der Autorin wieder lebendig wird. Sie schreibt über zwischenmenschliche Beziehungen von einigen wenigen Menschen, die sich treffen und wieder getrennt werden.

Durch einen Arbeitsunfall verlor der Kaufmann Anton Scherer seinen rechten Unterarm. In ärmlichen Verhältnissen lebend, versucht er sich in der Großstadt Frankfurt beruflich neu zu orientieren. Einsamkeit und die Angst, im fortwährenden Bombenhagel auf die Stadt das Leben zu verlieren, führte Anton Scherer schließlich ins Allgäu. Das aus drei Teilen bestehende Buch beschreibt in diesem ersten Abschnitt den Umbruch und Aufbruch des jungen Anton Scherers.Im zweiten Teil erzählt die Autorin vom Kennenlernen und der Liebesgeschichte zwischen Anton Scherer und Liesel Meßmer. Die spätere Ehe der beiden war geprägt von Streit und gewaltsamen Übergriffen des Vaters.

„Die Sprache breitet die Handlung nicht symphonisch üppig aus, sondern konzentriert sich sparsam auf das Tun und das in Briefen oder Tagebuchaufzeichnungen preisgegebene Denken und Fühlen“, beschreibt Markus Manfred Jung, Laudator des Abends und selbst Schriftsteller, die stilistische Farbe des Buches. Es gelinge Claudia Scherer empathisch und trotz aller Distanz mit verhaltener Sympathie das Bild eines Mannes zu zeigen, der gegen seine körperliche und durch die Zeitumstände bedingte seelische Amputation ankämpft und sich seinen Platz in der Welt bestreitet, so Jung. Mit in das Buch eingearbeitet wurden 16 Bilder. Eins davon, das Umschlagbild, zeigt den jungen Anton Scherer, der lächelnd in die Kamera blickt.

Die „Herkunftsschleppe“

Am Ende ihrer Vorlesung macht Claudia Scherer noch stolz auf ihre „Herkunftsschleppe“ aufmerksam. Eine fast bis zur Decke der Bücherei reichende Collage, die hunderte von Bilder von früher zeigt. „Sechs Wochen habe ich an dieser ’Herkunftsschleppe’ genäht“, erzählt Scherer.

Passend zu den Erinnerungen an die frühere Zeit begleitete Maria Hartmann die Vorlesung musikalisch. Mit dem Piano und der Querflöte spielte sie Lieder von Claude Debussy.

Das Buch „Der Gruß“ von Claudia Scherer umfasst 167 Seiten und 16 Fotografien. Das Buch kostet 14 Euro.

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