Blutspender aus Überzeugung: Wangener wird in Berlin geehrt

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Spender aus Überzeugung: Josef Troll will dieses Jahr die 150. Blutspende leisten.
Spender aus Überzeugung: Josef Troll will dieses Jahr die 150. Blutspende leisten. (Foto: arc)

Josef Troll aus Wangen hat bereits 147 Mal Blut gespendet. Am Weltblutspendertag, 14. Juni, wird der 68-Jährige bei einem Festakt in Berlin für sein jahrzehntelanges Engagement geehrt. Im Interview mit Daniel Drescher spricht der Ruheständler darüber, warum er sich regelmäßig anzapfen lässt, wie alles angefangen hat – und wie sich Menschen fürs Blutspenden motivieren lassen.

Herr Troll, Sie haben schon 147 Mal Blut gespendet. Wann haben Sie damit angefangen?

Das war 1969 bei der Bundeswehr. Da war der Anreiz, dass man einen halben Tag frei bekommen hat. Das nimmt man bei der Bundeswehr natürlich gern in Kauf. Aber einmal Blut geleckt – oder besser Blut gegeben – und dann bin ich dabei geblieben.

Was hat Sie über die Jahre motiviert, dabeizubleiben?

Ich gebe das Blut lieber her, als dass ich es behalte. Es macht mir auch vom Kreislauf her nichts aus. Wenn die Blutspende vorbei ist, sag ich immer: Ich könnte schon wieder.

Um auf 147 Blutspenden zu kommen, wenn man höchstens sechs Mal im Jahr Blut spenden darf ...

In den Anfangsjahren war das ja anders. Da durfte man höchstens zweimal im Jahr spenden. Wenn man schon von Anfang an fünfmal pro Jahr hätte spenden dürfen, wäre ich inzwischen wohl bei 250 oder um den Dreh herum. Aber nachdem wir dieses Jahr in Wangen noch drei Termine haben, denke ich, dass ich vor Weihnachten die 150 knacke.

Gehen Sie allein zum Spenden? Oder begeistern Sie noch weitere Menschen, die dann ebenfalls etwas von ihrem Lebenssaft abgeben?

Ich bin mir noch nicht sicher, warum ich nach Berlin eingeladen wurde. Vielleicht hängt es ja mit einer Aktion vor ein paar Jahren zusammen: Ich war früher Lehrer an der Kaufmännischen Schule Wangen, jetzt Berufliches Schulzentrum Wangen. Vor vier Jahren habe ich da angeregt, ob man nicht von der Schule aus eine Blutspendeaktion machen könnte. Wir haben ja jede Menge volljährige Schüler bei uns. Zwei Kolleginnen haben mit einer Schulklasse ein Projekt daraus gemacht. Bei diesem Termin wurden dann über 200 Erstspender registriert. Das geschieht sicher nicht alle Tage.

Es fehlt immer an Blutspenden. Was würden Sie Menschen sagen, die noch nie gespendet und vielleicht sogar Angst davor haben? Wie kann man sie ermutigen?

Bei dieser Schulaktion habe ich festgestellt, dass es Menschen wesentlich leichter fällt, wenn man nicht alleine hingeht, sondern in der Gruppe. Engagierte Blutspender können natürlich auch andere ansprechen und motivieren. Wenn man dann feststellt, dass es ja gar nicht schlimm ist, bleibt man auch dabei.

Wieviel Blut haben Sie insgesamt gespendet?

Das ist ganz leicht auszurechnen. Pro Spende gibt man ja einen halben Liter ab – bei 147 Spenden gibt das ein ordentliches Fässchen. Und man muss zu den 500 Millilitern noch etwas dazurechnen, weil man bei der Untersuchung ja auch noch ein bisschen Blut verliert. Das ist übrigens ein positiver Nebeneffekt: Man hat alle sechs bis acht Wochen eine kostenlose Blutuntersuchung. Wenn wirklich etwas Gravierendes wäre, würde man benachrichtigt. Ein Freund von mir ging zum Blutspenden und wurde durch die Untersuchung auf Leberprobleme aufmerksam. Das macht schon Sinn.

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