Bewaffnete wildern in Wangens Wäldern

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Für Peter Lutz mehren sich die Zeichen, dass in den Wäldern von Wangen gewildert wird.
Für Peter Lutz mehren sich die Zeichen, dass in den Wäldern von Wangen gewildert wird. (Foto: Hadrys)
Schwäbische Zeitung
Politikredakteur/Assistent der Chefredaktion

Es ist eine beunruhigende Vorstellung: Unbekannte streifen nachts durch den Wald, bewaffnet mit großkalibrigen Gewehren. Sie sind auf der Jagd nach Wild – verbotenerweise. Diese Vorstellung ist hier Realität, Wilderer treiben in den heimischen Wäldern ihr Unwesen. Das berichtet Peter Lutz, Hegeringleiter und Kreisjägermeister für den Landkreis Ravensburg.

Der jüngste Fall ereignete sich vor einigen Wochen. „Nachbarn hatten nachts im Hasenwald Schüsse gehört“, erzählt Lutz. „Am nächsten Tag hat man in einem Hochsitz eine Patronenhülse gefunden, die zu einem Kaliber gehört, das wir normalerweise nicht verwenden“, erklärt Lutz. „Ich habe außerdem die anderen Jäger gefragt, ob einer von ihnen zu diesem Zeitpunkt geschossen haben. Sie haben alle verneint.“

Für Wilderei spreche zudem, dass Jäger nachts für gewöhnlich nicht auf die Pirsch gehen. „Rotwild dürfen wir nur in der Dämmerung schießen, für die Jagd auf Schwarzwild fehlt uns die nötige Ausrüstung“, sagt Lutz. Apparaturen, die an der Waffe befestigt werden und das Schießen in der Dunkelheit ermöglichen, seien in Deutschland verboten. „Im Sommer ist es daher sehr schwierig, Wildschweine zu schießen.“ Dafür bräuchte es Vollmond und möglicherweise noch Schnee, damit die Sichtverhältnisse einigermaßen passabel seien.

Reh-Kadaver in Neuravensburg

Drei bis fünf Mal im Jahr berichten ihm Nachbarn, dass sie nachts Schüsse gehört hätten, erzählt Lutz. Im vergangenen Jahr habe ein Landwirt in Neuravensburg sogar den Kadaver eines Rehs gefunden. Dieses sei sehr unprofessionell geschossen worden. „Normalerweise schießen wir so, dass die Tiere möglichst schnell sterben. Das war bei dem Reh nicht der Fall.“ Vermutlich habe der Wilderer das Tier getroffen, das anschließend verletzt geflüchtet sei, sagt Lutz. „Ein Wilderer hat keine Zeit zu suchen. Daher hat er das Reh vermutlich liegen gelassen.“

Menschen würden hauptsächlich aus zwei Motiven heraus wildern, erklärt Lutz. „Zum einen geht es um das Fleisch“, sagt der 46-Jährige. „Andere wildern, um die Geweihe als Trophäe zu behalten.“ Andere Erklärungen habe er nicht. Doch in einer Sache ist sich Lutz sicher: „Die Wilderer sind vermutlich selber Jäger oder stammen aus dem Jagdumfeld.“ Sie hätten geeignete Schwerkaliber-Waffen, die sie für die illegale Jagd brauchen. „Außerdem brauchen sie auch Erfahrung, um zu wissen, wo sie Erfolg haben könnten und zum Zerlegen der Tiere.“ In einem Fall seien ein Kopf und die Innereien aufgefunden worden – das Wildbret habe gefehlt.

Warum die Wilderer nicht einfach in ihren Revieren jagen, sollten sie wirklich Waidmänner sein? „Das weiß ich nicht. Vielleicht geht es um den Adrenalin-Kick oder einfach darum, zu klauen, weil in den eigenen Revieren zu wenig Wild da ist“, sagt Lutz.

Klar ist jedoch, dass die Wilderei höchst kriminell ist. Die nächtliche Wilderei gehöre zu den „besonders schweren Fällen“, erklärt Lutz. Zudem seien Jäger nur dann berechtigt, ihre Waffe zu tragen, sofern es der Jagd dient. Daher mache man sich des illegalen Waffenbesitzes strafbar.

Zeugen sollen sich melden

Anwohner, die nachts Schüsse hören, sollten am nächsten Tag die Jäger vor Ort informieren. „Die können sich austauschen, ob einer von ihnen jagen war“, sagt Lutz. Falls nicht, könnten sie nach Blutspuren oder Patronenhülsen suchen und anschließend die Polizei informieren.

Jedoch sei es sehr unwahrscheinlich, dass der oder die Täter geschnappt werden. „Es ist sehr schwierig, Wilderer auszumachen“, sagt Lutz. Sie auf frischer Tat zu ertappen, sei ebenfalls. „Ich möchte niemandem nachts begegnen, der wissentlich eine Straftat begeht und dazu noch bewaffnet ist.“

Einen Filmbeitrag zum Thema sehen Sie am Donnerstagabend ab 18 Uhr im „Journal“ von Regio TV.

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