Betrunkene Eltern lassen Baby auf Straße fallen

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Die Webergasse in der Wangener Altstadt: Hier ließen Eltern ihr Baby auf den Boden fallen.
(Foto: Steppat)
Jan Peter Steppat

Ein betrunkenes Ehepaar hat am frühen Montagabend bei einem Streit sein neun Monate altes Baby aus dem Kinderwagen kopfüber auf die Straße fallen lassen.

Das Kind erlitt Schürfwunden, blieb ansonsten aber glücklicherweise unverletzt. Vorsorglich wurde es dennoch ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei sieht nach Angaben einer Sprecherin derzeit keine strafbare Handlung vorliegen, hatte aber noch am Abend das Jugendamt eingeschaltet.

Flaschen purzeln auf das Pflaster

Laut Polizei passierte am Fasnetsmontag Folgendes: Das Paar im Alter von mehr als 30 Jahren geriet gegen 17.30 Uhr vor einer Gaststätte in der Webergasse in einen Streit. Durch eine ruckartige Rückwärtsbewegung des Kinderwagens fiel plötzlich das darin befindliche Baby heraus. Das Kind landete mit dem Kopf voraus auf der Straße. Gleichzeitig fielen mehrere Flaschen mit alkoholischen Getränken auf das Pflaster der Webergasse.

Zeugin machte Wohnort ausfindig

Nachdem der Mann das schreiende Baby aufgehoben hatte, entfernte sich das Paar aus der Webergasse, so die Polizei. Die Beamten waren von einer Zeugin angerufen worden, die den Vorfall vor Ort mitbekommen hatte. Zudem hatte die Frau aufgrund eigener Recherche den Wohnort des Paares ausfindet gemacht und den Beamten genannt, berichtet eine Polizeisprecherin weiter.

In der Wohnung trafen die Beamten „das deutlich alkoholisierte Ehepaar mit dem augenscheinlich unverletzten Baby an“, heißt es in dem Polizeibericht vom Dienstag zudem. „Die Polizei hat dann sofort das Jugendamt verständigt und alles richtig gemacht“, so Franz Hirth, Sprecher des Landratsamts Ravensburg.

Auf Anordnung des Amts wurde das Kind laut Hirth zur medizinischen Untersuchung mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert. Gleiches galt für die Mutter des Babys, die dort mit ihrem Kind die Nacht verbrachte. Nach Angaben des Landratsamtssprechers wurden beide im Lauf des Dienstags wieder nach Hause entlassen.

„Mutter zeigt sich einsichtig“

„Die Mutter hat sich im Krankenhaus sehr einsichtig gezeigt und sich fürsorglich um ihr Kind gekümmert“, erklärt Hirth. Zudem weise das Baby einem seinem Alter entsprechenden Entwicklungsstand auf und „macht keinen verwahrlosten Eindruck“.

Die Umstände für den Vorfall seien derzeit noch ungeklärt, sagt der Sprecher. Als nicht unwahrscheinlich gilt allerdings, dass die Eltern sich alkoholisiert dem Wangener Fasnetstreiben hingegeben hatten. Denn zum Zeitpunkt, als das Kind zu Boden fiel, war das Ende des Narrensprungs erst gut eine Stunde her. Anschließend wird in Wangen gemeinhin in den diversen Altstadt-Wirtschaften weiter gefeiert.

Polizei: keine Straftat

Ob die Eltern mit Konsequenzen rechnen müssen, ist noch unklar. Laut Polizei liegt „keine strafbare Handlung“ vor. Das Jugendamt werde sich des Falls allerdings annehmen, so Franz Hirth. „Es wird jetzt die Strukturen der Familie genau beobachten und mit der Familie weitergehende Hilfe abstimmen.“ Dazu könne gegebenenfalls ambulante Unterstützung zählen, etwa durch eine Erziehungsberatung oder ein Elterntraining. Weder Vater noch Mutter seien dem Jugendamt bislang bekannt gewesen.

Dass der Vorfall vom Fasnetsmontag die Menschen in der Region berührt, zeigte sich im Lauf des Dienstags: In den sozialen Netzwerken äußerten sich zahlreiche Menschen bestürzt. Einige von ihnen forderten auch Konsequenzen für die Eltern des Babys.

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