Behindertenbeauftragter sieht große Busse in der Altstadt kritisch

Lesedauer: 5 Min

Norbert Rasch
Norbert Rasch (Foto: Archiv: Stiller)
Redaktionsleiter

Der Stadtbus ist ein in den vergangenen Monaten viel diskutiertes Thema. Im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats gab es jüngst erneut eine Debatte – und zwar aus dem Blickwinkel von Menschen mit Behinderungen. Behindertenbeauftragter Norbert Rasch machte dabei klar, dass bei dieser Frage auch für „seine“ Klientel nicht alle Wünsche erfüllbar sind.

„Ich bin da offen und sehr wachsam“, erklärte Rasch, als er seinen Tätigkeitsbericht vorstellte – verdeutlichte aber auch: Entscheidungen zum Stadtbus müssten „im Interesse aller Menschen“ getroffen werden. Denn: „Nur wenn man das Gesamte sieht, kommt man ans Ziel.“ Und dazu gehört für ihn auch, dass „man nicht jeden Menschen mit Behinderungen vors Haus bringen und wieder abholen kann. Dazu stehe ich, und das sage ich auch.“ Er, Rasch, vertrete zwar die Betroffen, nicht aber jede persönliche Meinung.

Auch verhehlte der Behindertenbeauftragte nicht, dass er selbst große, durch die Schmiedstraße rollende Busse für problematisch hält. Und er glaubt, dass selbst für viele Menschen mit Behinderungen Haltepunkte nahe der Altstadt akzeptabel wären, etwa am alten Busbahnhof. Dies wisse er aus Gesprächen.

Hintergrund der Äußerungen Raschs ist die seit längerem schwelende Diskussion, ob (große) Stadtbusse weiter durch die Altstadt rollen sollen. Ein Buskonzept ist dazu in Arbeit. Vorab positionierte sich im Ausschuss CDU-Fraktionschef Paul Müller: „Ich meine: Der Bus gehört in die Innenstadt.“

Rufbus oder Bürgermobil

Norbert Rasch brachte für behinderte Menschen alternative Transportmöglichkeiten ins Gespräch. So schlug er Rufbusse oder Bürgermobile ins Gespräch. Auch mit Blick auf die Ortschaften. Zu deren Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr erklärte er: „Die müssen eh schauen, wie sie zurecht kommen.“

Deutliche Verbesserungen sieht der Beauftragte übrigens bei einem anderen innerstädtischen Verkehrsthema: dem Parkplatzangebot für Behinderte. Am I-Punkt seien sie weniger voll, in der Tiefgarage hingegen schon. Besonders lobte er das Tiefbauamt für die Einrichtung zweier entsprechend gekennzeichneter Stellflächen am alten Spital.

Kritisch ins Visier nahm Rasch nichtbehinderte Falschparker auf diesen Plätzen. Da habe wohl mancher mitunter „seine Oma vergessen“, erklärte er spitz. Auch habe er schon Autofahrer beobachtet, die einen Behindertenparkplatz zustellten, weil sie – mit zwei Kisten Rotwein unterm Arm – möglichst kurze Wege nehmen wollten.

Ein großes Problem ist laut Rasch nach wie vor geeigneter Wohnraum für behinderte Menschen – sowohl, was den sozialen wie den barrierefreien Aspekt angeht. Positiv verbucht er in diesem Zusammenhang aber die Neubauten der Baugenossenschaft in der Wittwais und das in der Entstehung befindliche Gebäude von St. Jakobushilfe/St. Konrad neben der alten Feuerwache.

Hermann Seifried (SPD) regte zum Thema Wohnen an, dass Bauherren bei Neubauten auf eine behindertengerechte Bauweise hingewiesen werden sollten. Norbert Rasch zitierte dazu ein Modell aus Österreich: Dort dürfe niemand vermieten, wenn er keine behindertengerechte Wohnung vorweisen könne.

Nicht zuletzt sah der Behindertenbeauftragte auch Verbesserungsbedarf beim Thema „Sport und Integration“. Hier wünsche er sich mehr Angebote der Vereine. Allerdings müssten die Behinderten dieses auch einfordern.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen