Auf der Suche nach dem Schönen

Lesedauer: 5 Min
Susannen Singer, Ralph Bauer, Feyyaz, Ibrahim Ayne und Andreas Scholz (von links) in der Ausstellung “Herzensangelegenheit” in d
Susannen Singer, Ralph Bauer, Feyyaz, Ibrahim Ayne und Andreas Scholz (von links) in der Ausstellung “Herzensangelegenheit” in der Stadtbücherei im Kornhaus. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Die Ausstellung „Herzensangelegenheit“ von Ibrahim Ayne in der Stadtbücherei im Kornhaus dauert bis 28. Juli 2018. Sie ist dienstags und donnerstags von 11 bis 18.30 Uhr, mittwochs und freitags von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Einklappen  Ausklappen 

„Die Menschen auf dem Bild sehen so aus, als würden sie vor einem stehen“, sind die Besucher angetan von der Kunst Ibrahim Aynes. „Herzensangelegenheit“ nennt er seine Ausstellung, die er am Freitagabend in der Stadtbücherei im Kornhaus eröffnet wurde. Dreizehn Bilder zeigen einen Querschnitt durch sein Schaffen, in dem Figuratives und Kalligraphisches dominiert. Ralph Bauer übernahm den musikalischen Part und die Einführung.

Ibrahim Ayne lebt in Wolfegg. Mit acht Jahren ist er mit seinen Eltern aus einem Dorf in der Türkei nach Deutschland gekommen. In der Schule in Kißlegg hat er ein Buch von Vincent van Gogh entdeckt und das hat den Startschuss für seine große Leidenschaft gegeben. Da schließe sich jetzt ein Kreis, dass ein Buch der Auslöser war und er jetzt hier im Kornhaus ausstellt, freut sich Büchereileiterin Susanne Singer.

Zum Einsatz bringt Ibrahim Ayne verschiedene Mal- und Zeichentechniken. Am präsentesten ist die so genannte Airbrush. Sie hinterlässt so gut wie keine Malspuren und ist auf Anhieb kaum von einer fototechnischen Reproduktion zu unterscheiden. Dass er ein ambitionierter und auf Perfektion ausgerichteter Künstler ist, zeigt das Bild eines großen Pfauenkopfes. Das ist erst in der Nacht von Donnerstag auf Freitag entstanden und rief unter den vielen Besuchern, darunter türkische Familien und Freunde, einige Bewunderung hervor. Echter als echt möchte man meinen beim Blick auf das Gefieder, bei dem sich jede einzelne Feder ausmachen lässt.

Bilder mit positiver Stimmung

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, setzte Ralph Bauer von der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu dieses beliebte Zitat an den Anfang seiner Einführung. Inspiration und unbedingte Motivation seien die beiden Komponenten, die es für eine Herzensangelegenheit braucht. In der Musik wie in der Kunst. Zu Blues, Dixie und Bach ging er auf Persönliches von Ibrahim Ayne ein. Mit ihm habe er vor 20 Jahren eine Reise nach Budapest gemacht. In der dortigen Fischerbastei hat er Künstler beim Porträtieren erlebt und sofort Feuer gefangen.

Wie man am besten ein Auge malt, können Besucher jetzt anhand eines Porträts einer jungen Frau mit orientalischem Kopfschmuck nachvollziehen. Hyperreal blickt einen dieses Augenpaar an. Traurig wirkt ihr Gesichtsausdruck, der damit in starkem Kontrast zu dem farbig leuchtenden Kopfschmuck steht. Bilder mit positiver Stimmung wolle er malen und warum solle man keine Energie aus der Traurigkeit gewinnen.

Ibrahim Ayne gibt sich überzeugt von seiner Kunst, die sich zwischen traditioneller orientalischer Kalligraphie und Ornamentik und abendländischem Realismus bewegt. Seine Herzensangelegenheiten scheuen die Auseinandersetzung mit verschiedenen Kulturen nicht. Sie sind auf der Suche nach dem Schönen. Sei es „Die innere Blume“ in Gestalt einer rotviolett leuchtenden, überquellenden Rose, die er neben „Ina“ platziert hat. Sie erwarte vor dem Kamin ihren Mann. Sinnbildhaft für die Leidenschaft komme ihr das Feuer entgegen.

Jedes seiner Bilder erzählt im Grunde genommen eine Geschichte. Die von den weißen Tauben, die vor einem tiefschwarzen Grund auffliegen. Mitten drin ein Junge, der in eindrucksvoll verzerrter Perspektive eine Steinschleuder in Anschlag bringt. Hautnah, so als würde er auf den Betrachter zielen. Es sei eine Kindheitserinnerung.

Anders dagegen das große Querformat, das die Bäckerfamilie Heitzmann aus Wolfegg abbildet. Die sei auf ihn zugekommen mit ihrem Anliegen für ein Familienporträt. Es zeigt sie in der Bäckerei, so als stünde man ihnen leibhaftig gegenüber. Im Unterschied dazu sind seine kalligraphischen und ornamentalen Arbeiten zu sehen. Sie beziehen sich inhaltlich und formal auf seine eigenen kulturellen Wurzeln in Gestalt von verzierten Namen und Sprüchen.

Die Ausstellung „Herzensangelegenheit“ von Ibrahim Ayne in der Stadtbücherei im Kornhaus dauert bis 28. Juli 2018. Sie ist dienstags und donnerstags von 11 bis 18.30 Uhr, mittwochs und freitags von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Einklappen  Ausklappen 
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen