SZ-Mitarbeiter Sonja Prasser und Nikolai Kytzia haben Passanten in der Wangener Innenstadt befragt, für welche Option sie sich entscheiden würden.

„Zeit mit der Familie kann kein Geld ersetzen“, findet Vanessa Rölle. Für sie ist die Zeit zum Runterkommen wertvoller als mehr zu verdienen. Trotzdem weist sie darauf hin, dass die Situation bei jedem anders ist. Ähnlich denkt Ursula Schnirch: „Ob ich ein paar Euro mehr verdiene, da genieß’ ich lieber ein paar mehr Urlaubstage.“ Die Wangenerin würde auch mehr Freizeit bevorzugen, da ihrer Meinung nach eine von der Gewerkschaft vorgeschlagene Lohnerhöhung sowieso nicht in dem geforderten Maße kommt.

Weil sie viele Hobbys hat, würde auch Brigitte Küchle die Option „mehr Urlaubstage“ wählen: „Mehr Gehalt bedeutet ja auch mehr Abzüge.“ Aus diesen Gründen würde sie die Lohnerhöhung nicht in Betracht ziehen. Max Ophoven sieht das anders, er würde sich für mehr Lohn entscheiden: „Mit höherem Lohn kann man sich dann einen umso teureren Urlaub gönnen.“ Als weiteren Grund für eine Lohnerhöhung nennt der Wangener, dass, wenn er später eine Familie haben sollte, er seine Frau dadurch entlasten könnte, weil diese dann selbst weniger verdienen müsste. Auch Karin Zimmermann würde wie Ophoven mehr Lohn bevorzugen: „Ich gestalte mir durch das Geld lieber die Freizeit, die ich habe, angenehmer.“

Ana Bosnjakovic und Laura Iftimus, die beide an den Fachkliniken arbeiten, würden eine Option „irgendwo in der Mitte“ gut finden. Der eine brauche mehr Lohn, der andere mehr Freizeit. Junge Leute würden vielleicht lieber Urlaub machen und „ein Vater will ja auch mal dabei sein, wenn sein kleiner Sohn ,Papa’ sagt“, so Bosnjakovic.

„Geld allein macht nicht glücklich“, sagt Alisa Weidelener. Sie fände es besser, Zeit mit Freunden zu verbringen, als Geld und keinen Freiraum für Hobbys zu haben. Für sie hat Freizeit auch einen Mehrwert.

Claudia Pabst, die vollzeitbeschäftigt ist, differenziert: „Wer ausreichend verdient, sodass eine Grundsicherung vorhanden ist, kann mehr Urlaub vorziehen. Andere brauchen vielleicht erst einmal diese Grundsicherung.“ Sie persönlich würde mehr Urlaubstage im Jahr bevorzugen, da man „Geld nicht mit ins Grab nehmen“ könne.

Dass die Entscheidung typabhängig und individuell ist, findet auch Marion Schrenk. Alleinstehende würden eventuell lieber mehr arbeiten und so mehr verdienen wollen. Für sie ist die Entscheidung für mehr Urlaub jedoch klar: „Ich leb’ doch nur einmal.“ Menschen, die sich zu wenig Auszeit nehmen, würden ihrer Meinung nach auch früh krank werden und hätten nichts von ihrer Familie.

Die Entscheidung hänge von der aktuellen Lebenssituation ab, findet Andrea Stiefenhofer. In ihrer momentanen Situation würde sie zu mehr Lohn tendieren: „Meine Kinder sind aus dem Haus.“ Früher hätte sie sich anders entschieden, sagt sie.

Für Roland Wildhaber ist Erholung wichtig, deshalb würde er sich für mehr Urlaub entscheiden. Mittlerweile ist er in Rente und sagt, dass er die Erfahrung gemacht habe, dass es ihm bei seiner Arbeit mehr geholfen hat abschalten zu können als mehr Lohn zu bekommen.

Für mehr Urlaub würde sich auch Corinna Jäckle aus Wangen entscheiden. Sie meint: „Es ist einfach wichtig, sich von der Arbeit wieder gut erholen zu können.“ Für weniger Wochenstunden hat sich tatsächlich Andreas Sieber aus Wangen entschieden. Auch wenn er die Wahl hätte, würde er sich für mehr Freizeit entscheiden. Es sei ein besserer Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit. Carola Linder aus Achberg würde sich eher für die Lohnerhöhung entscheiden. „Das ist schwierig, weil ich selbstständig bin. Ich mache meine Arbeit gern, deshalb würde ich mich für mehr Geld entscheiden, weil mir das mehr Freiheiten bringen würde.“

Mehr Freizeit oder mehr Geld? Auch bei den jetzt beginnenden Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn wird über dieses Wahlmodell wieder diskutiert werden. Anlass für die „Schwäbische Zeitung“, sich einmal bei hiesigen Arbeitgebern und Interessenvertretern umzuhören, ob ein solches Tarifmodell ebenfalls eine Option wäre.

Bereits im vergangenen Jahr konnten die Beschäftigten der Deutschen Bahn wählen und ab 2018 die zweite Stufe der Gehaltserhöhung – 2,6 Prozent – auf Wunsch umwandeln in eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit oder sechs Tage mehr Urlaub. 56 Prozent entschieden sich damals für Letzteres, knapp 42 Prozent für mehr Geld. Die Gewerkschaften forderten daraufhin als Konsequenz vom Konzern 3000 Neueinstellungen. Auch bei den nun anstehenden Tarifverhandlungen will die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft ihren Mitgliedern wieder eine Wahl zwischen Lohnerhöhung, kürzerer Wochenarbeitszeit oder zusätzlicher Urlaubstage ermöglichen.

„Kleine Betriebe tun sich schwerer“

Marcus Eberlei vom Wangener Wirtschaftskreis (Wawi), der Interessenvertretung von Unternehmern aus der Region, hält ein solches Wahlmodell für eine stark unternehmensbezogene Entscheidung. „Es ist eine Frage, ob sich das eine Firma wirtschaftlich leisten kann“, so der Wawi-Sprecher. „Kleine Betriebe tun sich da sicherlich schwerer.“ Gleichwohl könnten solche flexiblen Arbeitszeitmodelle im Kampf um qualifiziertes Fachpersonal interessant sein. „Beschäftigte bewerten mehr Freizeit oft höher als mehr Geld“, so Eberlei weiter. „In manchen Situationen kann ich mir deshalb schon vorstellen, dass Arbeitgeber auch entsprechend auf Arbeitnehmer zugehen, um sie zu bekommen oder um sie zu halten.“

Um als „Arbeitgeber attraktiv zu sein“ und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die „den speziellen Lebenssituationen der Beschäftigten gerecht werden“, setzt auch die Oberschwabenklinik als einer der größten Arbeitgeber in der Region auf flexible Lösungen bei Gehalt und Freizeit. Deshalb habe die OSK seit diesem Jahr ein persönliches „Zeitwertkonto“ eingeführt, auf das Bestandteile des Gehalts eingezahlt werden könnten. „Dies können Teile des normalen Grundgehalts, der Gegenwert von Überstunden, in Ausnahmefällen nicht genommene Urlaubstage oder auch Sonderzahlungen sein“, so ein OSK-Sprecher weiter. Die eingezahlten Beträge würden verzinst, das Guthaben könne dann auf verschiedene Art verwendet werden: als Auszahlung, für befristete Freistellung (beispielsweise Kinderbetreuung) oder ein „Sabbatical“ (bis zu zwölf Monate), aber auch für eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit oder einen früheren Renteneintritt. „Ich kann die Tarifverhandlungen bei der Bahn natürlich von außen nicht bewerten“, sagt der OSK-Sprecher. „Aber ich meine, dass unser Instrument weiter geht.“

Das Wahlmodell beim Großkonzern Deutsche Bahn sei auf Firmen wie SET Power Systems nicht übertragbar, sagt Tobias Schelter. Der kaufmännischer Leiter des Herstellers von Testsystemen für spezielle Komponenten von Elektrofahrzeugen im Waltersbühl verweist jedoch auf bereits existierende, flexible Arbeitszeitmodelle in seinem Unternehmen. Gleichwohl: „Wir bewegen uns in einem Wachstumsfeld und suchen gerade massiv qualifizierte Fachkräfte“, so Schelter. „Da sind wir natürlich froh, wenn diese Leute dann bei uns auch Vollzeit arbeiten.“

„Den Mitarbeitern grundsätzlich die Möglichkeit zu geben, einen Teil einer anstehenden Gehaltserhöhung in Freizeit umzuwandeln, ist positiv zu bewerten“, sagt Michael Gresens, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Ravensburg. Da dies aber im Unternehmen gesteuert und in den einzelnen Fachbereichen umgesetzt werden müsse, sei die Realisierung nicht ganz einfach.

Der größte Arbeitgeber Wangens, die Waldner Unternehmensgruppe, wollte sich auf SZ-Anfrage hin zu der Thematik „Wahlmodell als Option und flexible Arbeitszeitmodelle“ nicht äußern.

SZ-Mitarbeiter Sonja Prasser und Nikolai Kytzia haben Passanten in der Wangener Innenstadt befragt, für welche Option sie sich entscheiden würden.

„Zeit mit der Familie kann kein Geld ersetzen“, findet Vanessa Rölle. Für sie ist die Zeit zum Runterkommen wertvoller als mehr zu verdienen. Trotzdem weist sie darauf hin, dass die Situation bei jedem anders ist. Ähnlich denkt Ursula Schnirch: „Ob ich ein paar Euro mehr verdiene, da genieß’ ich lieber ein paar mehr Urlaubstage.“ Die Wangenerin würde auch mehr Freizeit bevorzugen, da ihrer Meinung nach eine von der Gewerkschaft vorgeschlagene Lohnerhöhung sowieso nicht in dem geforderten Maße kommt.

Weil sie viele Hobbys hat, würde auch Brigitte Küchle die Option „mehr Urlaubstage“ wählen: „Mehr Gehalt bedeutet ja auch mehr Abzüge.“ Aus diesen Gründen würde sie die Lohnerhöhung nicht in Betracht ziehen. Max Ophoven sieht das anders, er würde sich für mehr Lohn entscheiden: „Mit höherem Lohn kann man sich dann einen umso teureren Urlaub gönnen.“ Als weiteren Grund für eine Lohnerhöhung nennt der Wangener, dass, wenn er später eine Familie haben sollte, er seine Frau dadurch entlasten könnte, weil diese dann selbst weniger verdienen müsste. Auch Karin Zimmermann würde wie Ophoven mehr Lohn bevorzugen: „Ich gestalte mir durch das Geld lieber die Freizeit, die ich habe, angenehmer.“

Ana Bosnjakovic und Laura Iftimus, die beide an den Fachkliniken arbeiten, würden eine Option „irgendwo in der Mitte“ gut finden. Der eine brauche mehr Lohn, der andere mehr Freizeit. Junge Leute würden vielleicht lieber Urlaub machen und „ein Vater will ja auch mal dabei sein, wenn sein kleiner Sohn ,Papa’ sagt“, so Bosnjakovic.

„Geld allein macht nicht glücklich“, sagt Alisa Weidelener. Sie fände es besser, Zeit mit Freunden zu verbringen, als Geld und keinen Freiraum für Hobbys zu haben. Für sie hat Freizeit auch einen Mehrwert.

Claudia Pabst, die vollzeitbeschäftigt ist, differenziert: „Wer ausreichend verdient, sodass eine Grundsicherung vorhanden ist, kann mehr Urlaub vorziehen. Andere brauchen vielleicht erst einmal diese Grundsicherung.“ Sie persönlich würde mehr Urlaubstage im Jahr bevorzugen, da man „Geld nicht mit ins Grab nehmen“ könne.

Dass die Entscheidung typabhängig und individuell ist, findet auch Marion Schrenk. Alleinstehende würden eventuell lieber mehr arbeiten und so mehr verdienen wollen. Für sie ist die Entscheidung für mehr Urlaub jedoch klar: „Ich leb’ doch nur einmal.“ Menschen, die sich zu wenig Auszeit nehmen, würden ihrer Meinung nach auch früh krank werden und hätten nichts von ihrer Familie.

Die Entscheidung hänge von der aktuellen Lebenssituation ab, findet Andrea Stiefenhofer. In ihrer momentanen Situation würde sie zu mehr Lohn tendieren: „Meine Kinder sind aus dem Haus.“ Früher hätte sie sich anders entschieden, sagt sie.

Für Roland Wildhaber ist Erholung wichtig, deshalb würde er sich für mehr Urlaub entscheiden. Mittlerweile ist er in Rente und sagt, dass er die Erfahrung gemacht habe, dass es ihm bei seiner Arbeit mehr geholfen hat abschalten zu können als mehr Lohn zu bekommen.

Für mehr Urlaub würde sich auch Corinna Jäckle aus Wangen entscheiden. Sie meint: „Es ist einfach wichtig, sich von der Arbeit wieder gut erholen zu können.“ Für weniger Wochenstunden hat sich tatsächlich Andreas Sieber aus Wangen entschieden. Auch wenn er die Wahl hätte, würde er sich für mehr Freizeit entscheiden. Es sei ein besserer Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit. Carola Linder aus Achberg würde sich eher für die Lohnerhöhung entscheiden. „Das ist schwierig, weil ich selbstständig bin. Ich mache meine Arbeit gern, deshalb würde ich mich für mehr Geld entscheiden, weil mir das mehr Freiheiten bringen würde.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen