Auch ein kleiner Aufguss ändertnichts am Wassermangel

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Die Obere Argen am Donnerstag: Wo sonst Wassermassen fließen, gedeihen Grünpflanzen. Im Hintergrund zu sehen: das Argenwehr.
Die Obere Argen am Donnerstag: Wo sonst Wassermassen fließen, gedeihen Grünpflanzen. Im Hintergrund zu sehen: das Argenwehr. (Foto: Bernd Treffler)
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Das war nur ein leichter Aufguss: Der Regen am Mittwochabend hat im Raum Wangen nur kurzfristig für Abkühlung gesorgt. Wenn er denn überhaupt fiel, wie südlich der Kernstadt oder in selbiger in abgeschwächter Form. Klar ist deshalb: Es handelte sich um den berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Die Hitze hat also weiter Konjunktur – auch in den kommenden Tagen. Und das hat Folgen, etwa beim Wasser oder im Klärwerk.

Der Blick auf die Pegelstände von Oberer und Unterer Argen bietet seit längerem ein ähnliches Bild: Gerade einmal etwas mehr als 20 Zentimeter Wasser führen beide Flüsse. Da auch das Frühjahr trocken und warm war, haben die Wangener Stadtwerke schon vor längerer Zeit reagiert: Mit Ausnahme des Mindestwasserkraftwerks am Argenwehr produziert seit Anfang Juli keine der städtischen Anlagen mehr Strom, wie Urs Geuppert, stellvertretender technischer Betriebsleiter der Stadttochter erklärt. Der Grund: Der Argen muss eine Mindestwassermenge von 800 Litern pro Sekunde belassen werden. Für die Stromproduktion bleibt da zu wenig übrig.

Ergo werden derzeit nur noch das städtische Pflegeheim und andere in Reichweite befindliche städtische Gebäude wie das Rupert-Neß-Gymnasium oder die Stadthalle mit selbst produziertem „Saft“ versorgt. Für alle anderen Gebäude und Anlagen muss laut Geuppert Strom zugekauft werden.

Auch wirtschaftlich betrachtet wird das im Jahresabschluss Niederschlag finden. Gleiches – nur in gegenteiliger Form – gilt aber auch für einen anderen Betriebszweig: die Wasserversorgung. Geuppert geht davon aus, dass die Stadtwerke 2018 deutlich mehr Trinkwasser absetzen werden als sonst.

Hoher Grundwasserspiegel

Von Versorgungsengpässen könne dennoch aber noch „längst keine Rede“ sein. Aus mehreren Gründen: Zum einen ist der Grundwasserspiegel in der Region generell vergleichsweise hoch, zum anderen gibt es Verbundleitungen mit den umliegenden Wasserversorgungsgruppen. Ein entsprechender Austausch ist dadurch gewährleistet.

Spürbar ist der Wassermangel auch im an der Argen gelegenen Klärwerk in Pflegelberg. Grundsätzlich sei das weniger gewordene Nass für den Betrieb derzeit zwar „nicht tragisch“, wie Gerhard Schreibmüller sagt. Aber: Die besonders wichtige biologische Reinigungsanlage erhält zu wenig Sauerstoff. Dieser aber ist laut Schreibmüller nötig, „damit die Bakterien weiter arbeiten können“. Und da das Abwasser selbst fast keinen Sauerstoff in sich trage, muss er künstlich hinzugegeben werden. „Der Oberflächenbelüfter ist am Anschlag“, so Schreibmüller. Alle zu beachtenden Grenzwerte würden aber eingehalten.

Das bisschen Niederschlag vom Mittwochabend habe diese Situation keineswegs verändert. In Pflegelberg fielen gerade einmal sechs Liter auf den Quadratmeter. „Das ist gar nichts“, findet Schreibmüller, der auch sagt: „Eigentlich müsste es mehrere Tage am Stück regnen.“

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