Auch das Wangener Martinstor gibt es als Modellbausatz

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Dieter Welz gestaltet Ausschneidebögen für Faltmodelle von Wangener Gebäuden. Inzwischen gibt es Bögen für (im Regal v. li.) da
Dieter Welz gestaltet Ausschneidebögen für Faltmodelle von Wangener Gebäuden. Inzwischen gibt es Bögen für (im Regal v. li.) da (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Dieter Welz gestaltet seit rund zwei Jahren 3D-Modelle von Wangener Gebäuden, die im Internet heruntergeladen werden können. Heute lebt der gebürtige Wangener Welz in Ulm – seine Leidenschaft für Wangen und Modellbau ist jedoch geblieben.

Die Faltmodelle von Dieter Welz orientieren sich an den Originalen, wie dem Frauen- oder Martinstor, einem dem früheren Thiermann-Haus nachempfundenen Fachwerkhaus oder dem Rathaus. Farben, Dachformen, Zeichnungen, Figuren – alles entspricht dem Original. Welz arbeitet mit Fotos der Gebäude in unterschiedlichen Perspektiven, mit Bildbearbeitungs- und Zeichenprogrammen.

Bei der Gestaltung des Peterstors, das einst am Ende der Schmiedstraße, oberhalb der Eselmühle stand und um 1840 abgebrochen wurde, sowie beim ehemaligen Georgentor, das am Anfang der Bindstraße bei der Isnyer Brücke stand und 1875 abgebrochen wurde, hat sich Welz an alte Ansichten gehalten, mit dem Stadtarchiv zusammengearbeitet und mit teils so vermuteten Ansichten die Ausschneidebögen erstellt. Zwei bis drei Wochen braucht er für die Gestaltung eines Ausschneidebogens seiner Modelle. Dann versucht er sich selbst am Falten und Basteln, verbessert, verändert – so lange, bis das Modell steht.

Aus zehn Downloads werden plötzlich Hunderte

Der heute 66-Jährige ist in Wangen aufgewachsen, lebte in der Langen Gasse. „Trotz der damaligen beengten Wohnverhältnisse wurde ab und zu die Modelleisenbahn aufgebaut“, erinnert sich Welz. „Der Modellbau und die Technik dahinter waren für mich der interessante Teil davon.“ Er besuchte zunächst das Wangener Gymnasium, entschied sich dann aber für eine Elektrolehre.

Auf dem zweiten Bildungsweg wurde Welz Lehrer und war einer der ersten, der in Ulm seine „Schule ins Internet“ gebracht hat. Auch wenn er am Anfang skeptisch war: „Den Hype um das Internet konnte ich damals nicht nachvollziehen“, sagt er. Andererseits habe ihn die Idee begeistert, digitale Folien ins Internet zu stellen. Als Lehrer für Mathematik und Physik begann Welz vor rund 20 Jahren eigene Unterrichtsmaterialien und Multimedia-Inhalte für den Unterricht zu erstellen und im Internet über den privaten Bildungsserver der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM) zu publizieren. Sein Angebot kam an: Millionenfach wurden seine Unterrichtsmaterialien seither heruntergeladen. Welz entwickelte sich zum „Web-Worker.“

In ihm reifte die Idee zu den Wangen-Modellen, doch sie musste warten. „Mit den Eintritt in den Ruhestand habe ich das Webprojekt www.wediul.de mit Multimedia-Inhalten zu einigen Reisezielen zwischen der Schwäbischen Alb und dem Bodensee und speziell zu Wangen begonnen“, sagt er. Auch seine Modelle finden dort einen Platz. „Die wenigsten Wangener wissen, dass es so etwas gibt“, sagt Welz.

„Angefangen hat es mit zehn bis 15Downloads im Monat.“ Vor Wochen dann die Überraschung: die Statistiken zeigten Hunderte Downloads seiner Ausschneidebögen in einem Monat. Ein Belgier habe die Homepage entdeckt und in einem Kartonbauforum darauf verwiesen, so Welz. Ein gutes Gefühl für den Hobby-Bastler, dass ihn weiterhin antreibt: Im Moment arbeitet er am Pulverturm und dazugehörigen Häusern – bald schon soll auch dieser Ausschneidebogen online gehen.

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