Allgäubahn: Lärmschutz wird deutlich teurer

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Höhere Geschwindigkeiten und mehr Züge: Trotz alledem soll sich Lärmpegel auch nach der Elektrifizierung nicht spürbar veränder
Höhere Geschwindigkeiten und mehr Züge: Trotz alledem soll sich Lärmpegel auch nach der Elektrifizierung nicht spürbar veränder (Foto: Marvin Weber)
Schwäbische Zeitung

Die Kosten für den Lärmschutz bei der geplanten Elektrifizierung der Allgäubahn werden um ein gutes Drittel steigen – und zwar von 29 auf rund 40 Millionen Euro. Dies gab die DB Netz AG beim zweiten regionalen Dialogforum im Neuen Schloss in Kißlegg bekannt. Grund sind zusätzliche Lärmschutzwände. Auch die Kosten des Projekts waren erneut Thema.

Die DB Netz AG erklärte die deutliche Steigerung der voraussichtlichen Kosten mit einer Erweiterung der geplanten Schallschutzwände von 17,8 auf 22,3 Kilometer. Wo in den Städten und Gemeinden zwischen Aitrach und Wangen welche Maßnahmen für den Lärmschutz errichtet werden sollen, hat Matthias Neumaier von der DB Projektbau GmbH allerdings nicht konkretisiert. Neumaier verwies auf die Webseite des Projekts, auf der Interessierte in den kommenden Tagen allgemeine Informationen sowie die Veröffentlichung der Zugzahlen und den Entwurf des Schallschutzkonzepts einsehen könnten. In Kißlegg, so die Bürgermeister Dieter Krattenmacher bislang bekannten Planungen, werde es beispielsweise zwischen den Bahnübergängen St. Anna und Pfaffenweiler eine beidseitige und rund zwei Meter hohe Lärmschutzwand geben.

Keine Sorgen wegen Lärm?

Krattenmacher macht sich bezüglich des Lärmschutzes übrigens keine großen Sorgen: „Ich bin nicht beunruhigt, was die künftige Lärmsituation bei uns der in der Gemeinde angeht.“ Er tritt damit Befürchtungen von Schienenanwohnern entgegen. Sie waren zuletzt beispielsweise in Wangen laut geworden.

Auch Schallgutachter Wolfgang Hermann prognostiziert nach dem für 2020 vorgesehenen Abschluss der Elektrifizierung der Allgäubahn keine wesentlichen Beeinträchtigungen in Sachen Bahnlärm. Der Lärmschutz und die allgemein leiser rollenden Züge glichen erhöhtes Tempo und mehr Zugverkehr aus. Es sei durchschnittlich lediglich mit einer Erhöhung des Lärmpegels um ein Dezibel zu rechnen, so Hermann.

Zum heutigen und künftigen Zugverkehr legte auch Armin Franzke von der DB Netz AG Zahlen auf den Tisch: Fahren in diesem Jahr täglich 43 Züge zwischen Wangen und Kißlegg werden es, unter Berücksichtigung der Elektrifizierung, nach Prognosen der Deutschen Bahn für das Jahr 2025 täglich 69 Züge sein. Ohne die geplante Elektrifizierung liegt die Prognose für 2025 bei 61 Zügen. In diesen Berechnungen sind täglich 17 Güterverkehrszüge eingeplant. Diese Zahl ergebe sich jedoch nur aus den theoretischen Berechnungen der Deutschen Bahn und sei für die Strecke zwischen Lindau, Memmingen und München eher unrealistisch, wie Franzke betonte. Denn: Aufgrund der einspurigen Strecke mit starken Neigungen sei mit weitaus weniger Güterverkehr als in den am Dienstagabend vorgelegten Prognosen zu rechnen.

Neben dem Lärmschutz und den dafür steigenden Kosten war bei dem Gespräch erneut die allgemeine Finanzierung des Streckenausbaus ein Thema. Dieter Krattenmacher sieht diese weiterhin kritisch: „Die finanzielle Seite der Elektrifizierung der Allgäubahn ist der wesentliche Knackpunkt, an dem das ganze Projekt scheitern kann. Wir Kommunen und Landkreise werden ordentlich zur Kasse gebeten. Man kann so ein großes Fernverkehrsprojekt nicht auf dem Rücken der kleinen Kommunen ausgetragen“, so der Kißlegger Bürgermeister. Obwohl man für die Baumaßnahmen, die bis zum 1. Juli 2015 begonnen werden sollen, die politische Zusage der finanziellen Unterstützung erhalten habe, sei das Risiko sehr groß. Krattenmacher sieht besonders die Landesregierung in der Pflicht.

Die Lärmschutzpläne sollen in Kürze unter folgender Adresse einsehbar sein:

www.abs48.com

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