150 Musiker begeistern Publikum bei „Queerbeet“ in Niederwangen

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung
Johannes Rahn

Der Wunsch der Musikkapelle Niederwangen: Mal „etwas anderes“ machen, etwas „mit Chor“. Die Wunschchöre wurden einfach beide verpflichtet: der De-Chor aus Deuchelried und Opfenbacher „Notencocktail“. Das Ergebnis dieser „Mélange à trois“ konnte ein gut gefüllter Festsaal am Samstag in der Walddorfschule erleben. Mit „Querbeet“ boten die rund 150 Mitwirkenden keinen strengen Themengarten, sondern naturnahe musikalische Gärtnerei, die mit viel Liebe jeder Pflanze ihren Raum gibt.

Die drei Dirigenten Christian Thanner (Musikkapelle Niederwangen), Bernhard Ladenburger (De-Chor) und Michael Spiegel) haben es verstanden, die ihre Ensembles zu einer gut funktionierenden, gut abgestimmten und gut koordinierten, klanglich ausgewogenen Einheit zusammenzuschmieden, bei der weder Details noch musikalische Nuancen verloren gingen. So beeindruckte nicht die Klangmasse an sich, sondern wie sie eingesetzt wurde: sehr beweglich, sehr abwechslungsreich und mit einem schön gestaffelten Klangbild. Dass sich weder die Musikkapelle Niederwangen, noch die beiden Chöre auf eine Stilrichtung festlegen, spricht zusätzlich für ihre musikalische Qualität.

Spätromantische Klangfarben blühten in der „Festmusik der Stadt Wien“ von Richard Strauß, mit der die Musikkapelle den Auftakt machte. Zwei Werke des Amerikaners John Rutter zeigten die Vielfalt dieses Komponisten und die Möglichkeiten, die in dieser Besetzung steckten: „Alle Dinge dieser Welt“ war ein weicher, fülliger Lobgesang auf die Schöpfung, das „Gloria“ eine eng am Text orientierte Vertonung des Messtextes, wuchtig und stark, dramatisch und bewegt in Klang und Melodie.

Die Musikkapelle folgte mit dem wunderbar gesetzten „Chorale for a solemn Occasion“ von Marc van Delft, in sich ruhend und tief gegründet, förmlich von Raum und Seele Besitz ergreifend. In „Lullaby“ von Daniel Eder entfalte der „Notencocktail“ die sehnsüchtige Zärtlichkeit einer klaren Mondnacht mit der gleichen dynamischen Reife, die auch das „Ave Verum“ von Camille Saint-Saens kennzeichnete.

Das geniale Wechselspiel zwischen schreitendem Choral und fließender Gegenmelodie in Bachs „Jesu meine Freude“ stand musikalisch im Gegensatz zum Gospel „Clap your hands“, schwungvoll gesungen vom De-Chor und „Paise his holy name“, in dem der Gesamtchor die Töne beschwingt, hypnotisch und mit ansteckender Lebendigkeit durch den Saal tanzen ließ. Die Intention der drei Stücke war dennoch die gleiche: Freude am Glauben.

Pop-Musik und Musical rundeten den Abend ab. Petra Bischof und Andrea Rasch sangen Carole Kings Hymne an die Freundschaft: „You‘ve got a Friend“ und der De-Chor setzte in „A thousand Years“ von Christina Perri und David Hodges pulsierende Akzente. In „When you believe“ aus Steven Schwartz‘ „The Prince of Egypt“ baute sich die Spannung langsam auf, wechselte von wohlgestaltetem Chorsatz zu Klezmer-Anklängen mit tänzerischem Schwung und mündete in einen monumentalen Schluss.

Die „Hair Selection“ brachte die Ohrwürmer aus dem gleichnamigen Musical, ohne in der Spannung nachzulassen, gut gestaltet und sehr lebendig. Andrew Lloyd Webber hat „Pie Jesu“ für die Beerdigung seines Vaters geschrieben und eine zärtliche Liebeserklärung geschaffen, die über den Tod hinaus wirkt – das Gefühl, das in dieses Werk geflossen ist, wurde spürbar gemacht, ohne in Kitsch abzugleiten.

„The Manhattan Transfer in Concert“ spannte Jazz- und Swing-Standards inspirierend zusammen und die Musikkapelle zeigte in „Harlem Nocturne“ den notwendigen starken, rohen, ungeschliffenen Sound, ebenso wie der Saxophonsolist Fabian Deschler. Episch war der Abschluss des Abends: die „Bohemian Rhapsody“ von Freddy Mercury und „Music“ von John Miles. Hier traf noch einmal alles zusammen: Klangfülle und Detailreichtum, musikalische Präsenz und lebendiger Ausdruck, gestalterische Disziplin und Begeisterung – Wiederholung dem Vernehmen nach nicht ausgeschlossen!

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen