War der Kronschatz zweimal auf der Waldburg?

Lesedauer: 3 Min
 Burgpächter Max Haller (links) und Burgführer Roland Ohneseit mit der Nachbildung der Reichskrone, die auf der Waldburg ausgest
Burgpächter Max Haller (links) und Burgführer Roland Ohneseit mit der Nachbildung der Reichskrone, die auf der Waldburg ausgestellt ist. (Foto: Haller)
Schwäbische Zeitung

Burgpächter Max Haller und Burgführer Roland Ohneseit haben in Archiven Hinweise darauf gefunden, dass der Kronschatz des Heiligen Römischen Reiches zweimal auf der Waldburg gewesen sein könnte. Bekannt ist bislang, dass die Reichskleinodien von 1220 bis 1243 unter Truchsess Eberhard von Tanne Waldburg und Schenk Konrad von Waldburg-Winterstetten auf der Burg untergebracht waren, so Haller. In Archiven haben die beiden Geschichtsinteressierten nun weitere Hinweise gefunden.

In der Geschichte des Hauses Waldburg in Schwaben, geschrieben und recherchiert 1888 von Joseph Vochezer, hätten sie weitere interessante Informationen gefunden: Dort werde Eberhard von Tanne als Schenk von Stauferkaiser Friedrich I. (Barbarossa) und ebenfalls als Schenk von Stauferkaiser Heinrich VI. genannt. Max Haller beschreibt seine Entdeckung so: Heinrich VI. wurde 1194 zum König von Sizilien gekrönt. Bevor er nach Sizilien zog, gab es in seiner Reichspfalz eine geheime Zusammenkunft, an der wohl der Erzbischof von Salzburg und sein Schenk Eberhard von Tanne teilnahmen. Über den Inhalt dieser geheimen Zusammenkunft sei nichts bekannt. Allerdings werde die Reichspfalz Hagenau bis 1194 als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien genannt.

„Nach 1194 verliert sich hier die Spur. Was war also Thema bei dieser geheimen Unterredung?“, fragt sich Max Haller. Eberhard von Tanne sei bis dato immer im Umfeld des Kaisers zu finden gewesen. Plötzlich tauche er allerdings bis 1205 nicht mehr auf. Warum? Die These von Haller und Ohneseit: Der Erzbischof von Salzburg wird auch der Familie Waldburg zugeordnet. Damit ist er ein Verwandter von Eberhard von Tanne. Der Erzbischof wurde mit einem geheimen Auftrag betraut. Der Weg von Hagenau (heute Elsass) führt an der Waldburg vorbei. „Wir gehen davon aus, dass der Erzbischof und Eberhard von Tanne den Kronschatz von Hagenau auf die Veste Waldburg brachten. Die Spur des Kronschatzes und die Spur von Eberhard verlieren sich nun für eben elf Jahre“, so Haller. „Wenn wir nun dieses Wissen in einem Konsens zu dem neu aufgetauchten Text bringen, können wir mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass der Kronschatz schon 1194 bis 1205 auf der Waldburg gewesen ist.“

Meist gelesen in der Umgebung
Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen