Waldburger Vereine ärgern sich über Lokalverbot

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Die „Krone“ in Waldburg hat einen großen Parkplatz für Gäste direkt neben dem Haus. Die Zufahrt ist während des Burglaufs nachm
Die „Krone“ in Waldburg hat einen großen Parkplatz für Gäste direkt neben dem Haus. Die Zufahrt ist während des Burglaufs nachmittags gesperrt. Das bringt Inhaber Jürgen Keppeler in Rage. (Foto: Keppeler/oh)

Die Waldburger Vereine sind verärgert darüber, dass sie nicht mehr im Gasthaus Krone erwünscht sind. Viele sind aber gar nicht überrascht und sagen: Man wollte uns eh noch nie im Gasthaus haben. Zum Hintergrund: Wegen des Burglaufs am 14. Juli sperrt die Gemeindeverwaltung zum wiederholten Mal die Zufahrt zum Waldburger Hotel und Restaurant. Weshalb der Krone-Chef Jürgen Keppeler die Vereine ausschließen will.

Die Sperrung verärgere seine Kunden und entziehe ihm die Geschäftsgrundlage, sagt Keppeler. Deshalb kündigte er in einer E-Mail an, die Vereine auszusperren. Er schrieb: „Wir werden bis auf Weiteres nicht mehr Versammlungsort für den ASV und seine Abteilungen, die Realgemeinde, den Lesekreis, den Blumen- und Gartenverein und alle anderen, die regelmäßig oder unregelmäßig zu uns kommen, sein.“ Und: „In Zukunft werden wir unser Lokal konsequent um 22 Uhr schließen. Eine Einkehr des Gemeinderates, der Turnerfrauen, der Musikanten, der Elternvertretungen von Schule und Kindergärten wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.“

„Absolute Negativ-Werbung“

Seit der E-Mail und dem SZ-Artikel „Krone-Chef: Großveranstaltungen vergraulen Stammgäste“ (30. Juni)gibt es in Waldburg kein anderes Gesprächsthema mehr. Alles dreht sich um die Krone. Auch die SZ haben einige Reaktionen erreicht. Jörg Kemmerich von den Freunden der Waldburg dreht den Spieß um: Die Krone profitiere von den Veranstaltungen der Vereine im Ort. Aussteller und Besucher würden schließlich bei Töpfermarkt und Mittelaltermarkt dort nächtigen oder auf ein Bier oder Essen vorbeischauen. „Außerdem ist der Biergarten beim Mittelaltermarkt so voll wie selten“, sagt Kemmerich. Außerdem hätten die Freunde der Waldbug im Herbst Vorträge geplant und wollten rund 40 Übernachtungsgäste in der Krone unterbringen, doch dort habe man eine Absage bekommen. Keppelers Reaktion sei schade, „aber es passt gut ins Bild, das er in der Gemeinde hat“.

Ins gleiche Horn stößt der Trachtenverein. „Wir sind in der glücklichen Situation, weil wir ein Vereinslokal haben. Aber als Verein waren wir seit eh und je in der Krone nicht willkommen“, sagt der Vorsitzende Markus Thielbeer. Viele Waldburger seien aber in mehreren Vereinen organisiert. Deswegen habe er schon mit dem Musikverein oft die Erfahrung gemacht, dass man um 22 Uhr vor verschlossenen Türen gestanden ist. „Der Krone-Wirt hat schon immer gegen die Vereine gearbeitet. Jetzt hat er sogar mit einem eigenen Imbisswagen bei Großveranstaltungen angefangen und macht den Vereinen Konkurrenz, bei diesen Veranstaltungen Geld zu verdienen“, berichtet Thielbeer. Deswegen falle es vielen Vereinen und Waldburgern jetzt schwer, die Krone weiter zu unterstützen. „Das ist absolute Negativ-Werbung. Es ist schade, wenn es ein Miteinander wäre, könnte man miteinander reden“, sagt Markus Thielbeer.

Auch der ASV Waldburg, der größte Verein der Gemeinde, bedauert die Reaktion Keppelers. „Natürlich verstehe ich auch das Problem, wenn die Zufahrt zur Gaststätte gesperrt ist, und wenn nur ein paar etwas trinken gehen, ist das auch kein großer Umsatz. Aber es ist schon zumutbar, wenn für ein paar Stunden die Straße gesperrt ist. Andererseits war die Krone beim Töpfermarkt und beim Mittelaltermarkt immer voll“, sagt ASV-Vorsitzende Melanie Späth. Als ASV-Mitglied fühle man sich sehr vor den Kopf gestoßen.

Dehoga unterstützt Krone-Chef

Max Haller, Vorsitzender des Gastgewerbeverbandes Dehoga im Kreis Ravensburg und Betreiber der Waldburg, unterstützt Jürgen Keppeler in einer Stellungnahme. „Wie Herr Keppeler von der Krone Waldburg erkannt hat, ist die Zahl der Gastronomen in Waldburg am Schrumpfen. Schade, dass es hier nicht eine Unterstützung durch die Gemeinde, das Land oder den Bund, ähnlich wie in der Landwirtschaft, gibt. Früher gab es das Dorfgasthaus, heute gibt es das Sportheim, das Schützenhaus, das Floriansstüble oder zum Beispiel das Landjugendheim“, schreibt Haller in der Stellungnahme. Außerdem böten diese Vereinsgastronomen selten Arbeitsplätze. Vereine zu unterstützen sei wichtig, weil Jugendarbeit gemacht werde, „aber wir Gastronomen bitten hier um Fair-Play und Augenmaß“.

Indes hat das Thema auch den Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend beschäftigt. Dort hat die Verwaltung auch eine Stellungnahme der Gemeinde vorgelegt, in der sie die Straßensperrung beim Burglauf „aus Sicherheitsgründen für erforderlich und verhältnismäßig“ begründet. Schließlich sei die Krone auch von anderen Parkplätzen in Waldburg fußläufig zu erreichen. Die Straßensperrung beim Burglauf soll sich von 14.30 bis 15.50 Uhr und von 16.05 bis 18.05 Uhr beschränken. Deswegen, so Bürgermeister Michael Röger, werde der Burglauf auch definitiv stattfinden. Bisher habe es nur beim Narrensprung der Burgnarren eine dreistündige Sperrung zwischen 13 und 16 Uhr gegeben. Bei anderen Veranstaltungen werde auf eine Vollsperrung der Hauptstraße verzichtet.

In der Diskussion im Gemeinderat lag den Gemeinderäten eine Beilegung des Konflikts am Herzen und sie konnten Verständnis für beide Seiten finden. Sie wollen das Gespräch suchen.

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