Waldburg hat mit neuem Pächter neu eröffnet

Lesedauer: 6 Min
Anfassen erwünscht: Eine Besucherin nimmt eine nachgebaute Armbrust in die Hand.
Anfassen erwünscht: Eine Besucherin nimmt eine nachgebaute Armbrust in die Hand. (Foto: Glatz)
Schwäbische Zeitung
Sybille Glatz

Von 1. Mai bis 3. Oktober ist die Waldburg an Sonn- und Feiertagen geöffnet, Führungen werden von 11 bis 19 Uhr angeboten. Für Gruppenführungen ist die Waldburg ganzjährig nach vorheriger Terminabsprache geöffnet.

Seit 1. Mai hat Max Haller offiziell die Waldburg gepachtet, und zwar die ganze Burg, nicht nur die Gastronomie wie bisher. Mit dem neuen Pächter wird die Waldburg wieder leichter für Besucher zugänglich.

Seit Ende 2016 war die Burg wegen Brandschutzmängeln für den offenen Publikumsverkehr geschlossen und konnte seither nur von angemeldeten Gruppen besichtigt werden. Von nun an ist die Waldburg von 1. Mai bis 3. Oktober an Sonn- und Feiertagen immer geöffnet, eine Voranmeldung ist an diesen Tagen nicht nötig. Die oberen Stockwerke der Burg, die auch das Museum beherbergen, dürfen jedoch nach wie vor nur von geführten Gruppen mit maximal 20 Personen betreten werden. Grund dafür sind Vorgaben des Brandschutzes. Für mehr Besucher müsste ein zweiter Fluchtweg angelegt werden. Laut Max Haller sollen sonntags stündlich Führungen angeboten werden. Gruppen, die sich vorher anmelden, können die Burg das ganze Jahr über auch unter der Woche besichtigen. Vorerst geschlossen bleibt die Aussichtsplattform auf der Burg.

Am Montagabend stellte der frischgebackene Burgpächter der Öffentlichkeit zum ersten Mal seine Konzeption für die Burg vor, die einige Neuerungen beinhaltet. Etwa 40 Gäste, darunter der Bundestagsabgeordnete Axel Müller, kamen zu der Veranstaltung. Sie war zugleich die Eröffnung einer Ausstellung mit Fotos einheimischer Fotografen, die im Eingangsbereich der Burg präsentiert wurden. Waldburgs Bürgermeister Michael Röger und Landrat Harald Sievers, die laut Haller ebenfalls eingeladen worden waren, befanden sich nicht unter den Gästen.

Dass die Burg nicht mehr für jeden öffentlich zugänglich sei, sei ein Wermutstropfen, erklärte Haller in seiner Begrüßung. Aber er sehe in den Einschränkungen, die der Brandschutz vorgebe, auch eine „Chance“. Er habe die drei Räume im Erdgeschoss der Burg so gestaltet, dass sich Besucher, die auf eine Führung warten, dort nicht nur aufhalten können, sondern auch unterhalten werden. So gibt es im Raum rechts neben der Kasse eine „Waffenkammer zum Anfassen“. In ihr können Besucher originalgetreu nachgebaute mittelalterliche Waffen in die Hand nehmen, Helme aufsetzen und Rüstungen anprobieren. Die Waffen seien „schaukampftauglich“, so Haller. Das heißt, man könnte mit ihnen tatsächlich kämpfen.

Garderobe mithistorischen Kostümen

Neben der „Waffenkammer“ ist eine Garderobe mit historischen Kostümen in verschiedenen Größen eingerichtet. Kinder wie Erwachsene können dort in historische Figuren schlüpfen, „vom Tempelritter bis zur Prinzessin“, wie Haller erläuterte, der am Montagabend selbst als mittelalterlicher Truchsess auftrat. Im sogenannten Fotoshooting-Raum können sie sich dann in Verkleidung selbst fotografieren oder von einem professionellen Fotografen ablichten lassen. Passend dazu gibt es im Raum links neben der Kasse eine Sonderausstellung mit mittelalterlichen und barocken Gewändern.

Auch beim Essen gibt es etwas Neues: Gäste können mit kleinen Tischgrills selbst im Burghof grillen. Wie Haller erklärte, würden die Grills mit Kohle funktionieren, seien rauchfrei und so gebaut, dass sie einfach und sicher zu handhaben seien. Das Grillgut biete er in unterschiedlich bestückten Grillkörben an. „Wer mag, kann sich seinen eigenen ‚Wald-Burger‘ zusammenstellen und grillen“, sagte Haller. Das Besondere am „Wald-Burger“: ein schwarz oder rot eingefärbtes Burgerbrötchen.

Kurz deutete Haller auch an, dass die Nachricht, dass er die Burg übernehmen werde, bei manchen auf Vorbehalte gestoßen sei. Vor ihm war die Burg an die Betriebsgesellschaft Museum auf der Waldburg gGmbH verpachtet. An ihr sind die Gemeinde Waldburg, das Fürstliche Haus Waldburg-Wolfegg-Waldsee und der Landkreis Ravensburg zu gleichen Teilen beteiligt. Ende 2017 gab das Fürstliche Haus, alleiniger Eigentümer der Waldburg, seinen Ausstieg aus der Betriebsgesellschaft bekannt.

Zugleich kündigte das Fürstliche Haus an, „den Betrieb der Waldburg neu zu organisieren und in private Hände zu legen“. Ab Saisonbeginn 2018 werde Max Haller, der die Gastronomie auf der Burg seit über 15 Jahren erfolgreich betreibe, Besuchergruppen Führungen durch die Burg anbieten. So stand es in einer Pressemitteilung des Fürsten. Mit dem Ausstieg des Fürstlichen Hauses aus der Betriebsgesellschaft verlor diese ihren Daseinszweck und wird voraussichtlich aufgelöst. Der Pachtvertrag, den Haller unterschrieben hat, läuft ab 1. Mai 2018 für zehn Jahre.

Von 1. Mai bis 3. Oktober ist die Waldburg an Sonn- und Feiertagen geöffnet, Führungen werden von 11 bis 19 Uhr angeboten. Für Gruppenführungen ist die Waldburg ganzjährig nach vorheriger Terminabsprache geöffnet.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen