Aus dem Schussental zum Aletsch-Gletscher

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Auf ins Hochgebirge! Ein Teil der Gruppe, die den Schweizer Sanitätern wegen Personalknappheit hilft (von links): Udo Blaseg, S
Auf ins Hochgebirge! Ein Teil der Gruppe, die den Schweizer Sanitätern wegen Personalknappheit hilft (von links): Udo Blaseg, Stefanie Dölle, Patrick Moll, Christoph Diller und Leonard Voss. (Foto: Sybille Glatz)
Sybille Glatz

Im Schweizer Kanton Wallis wird am 18. Juni zum 32. Mal der Aletsch-Halbmarathon ausgetragen. Für die medizinische Versorgung und Betreuung der rund 2500 Läuferinnen und Läufer wird der örtliche Samariterverein sorgen – und zum ersten Mal auch sieben Malteser aus Oberschwaben.

Vor ungefähr vier Wochen erreichte den Malteser Rettungssanitäter Udo Blaseg aus Waldburg eine Anfrage des Samaritervereins Betten-Bettmeralp im Kanton Wallis. Die Schweizer Sanitäter litten unter Personalknappheit. In ihrer Not wandten sie sich an Blaseg, der die Alp gut kennt und dort auch als Sanitäter bekannt ist. Der Waldburger gab die Anfrage an seine Kollegen in Weingarten weiter, die dem Einsatz in der Schweiz zustimmten. Sieben Sanitäter, sechs Männer und eine Frau, meldeten sich daraufhin freiwillig für den Einsatz im Hochgebirge.

2500 Athleten aus 19 Ländern

Der Aletsch-Halbmarathon wird jedes Jahr im Sommer veranstaltet und ist bei Läuferinnen und Läufern aus der ganzen Welt beliebt. Erwartet werden in diesem Jahr rund 2500 Athleten aus 19 Nationen. Die Nachfrage übersteigt die Anzahl der zugelassenen Startplätze bei Weitem. Gestartet wird auf der Bettermeralp, einem autofreien Bergdorf auf rund 2000 Metern Höhe. Dann geht es über 21,1 Streckenkilometer und 1050 Höhenmeter hinauf zum Ziel beim Bettmerhorn (2650 Meter). Zusätzlich zur sportlichen Herausforderung bietet der Berglauf eine landschaftliche Kulisse, die ihresgleichen sucht: Läufer wie Zuschauer haben einen traumhaften Blick auf über 40 Viertausender und den 23 Kilometer langen Aletsch-Gletscher, der 2001 zum Unesco-Welterbe erklärt wurde.

„Ein schöner Dienst“, kommentiert Stefanie Dölle, Sanitäterin aus Aulendorf, die landschaftliche Lage des Einsatzortes. Am Tag vor dem Marathon werden die sieben ehrenamtlichen Sanitäter anreisen. An der Talstation im oberen Rhrônetal muss das Auto stehen bleiben, dann geht es nur noch mit der Seilbahn weiter, hoch auf die Bettmeralp (2000 Meter). Von hier aus beginnt am nächsten Morgen um 10 Uhr der Lauf. Wo und wie sie eingesetzt werden, wissen die Malteser noch nicht, das erfahren sie erst bei der Einsatzbesprechung. In Rucksäcken nehmen sie ihre eigene Ausrüstung mit, um bei einem Notfall schnell und sicher reagieren zu können.

Selbstüberschätzung ist Risiko

Anzahl und Art der medizinischen Notfälle werde stark vom Wetter abhängen, meint Stefanie Dölle. Auf dieser Höhe mache es einen großen Unterschied, ob es heiß und sonnig oder kalt und regnerisch sei. Das größte medizinische Risiko sieht Udo Blaseg in der Selbstüberschätzung der Teilnehmer. Manche würden mitlaufen, obwohl sie zu wenig trainiert seien, oder sie würden die Warnsignale ihres Körpers ignorieren. Gerade wenn es heiß sei, verliere der Körper beim Laufen in der Höhe sehr viel Wasser, das müsse ausgeglichen werden, und zwar am besten mit isotonischen Getränken.

Der erfahrene Rettungssanitäter, mit 69 Jahren der Älteste der Gruppe, weist darauf hin, dass es bei Marathon- und Halbmarathon-Läufen bedauerlicherweise immer wieder zu Zusammenbrüchen und sogar Todesfällen komme. So sei Ende Mai beim Regensburger Halbmarathon ein 28-jähriger Läufer gestorben. Ein ebenfalls 28-jähriger Sportler kam Mitte Mai beim Schluchseelauf im Schwarzwald ums Leben.

„Wir hoffen, dass alles gut geht und nichts passiert. Wir sind gut vorbereitet, gut ausgebildet und reagieren schnell. Für uns ist es eine Chance, Erfahrungen zu sammeln. Einen Einsatz im Hochgebirge hat man schließlich nicht alle Tage“, so Udo Blaseg.

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