Appell für sorgsamen Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser

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 Im Pumphaus Edensbach erklärte Reinhold Hartl den Besuchern die elektronische Steuerung der Pumpen.
Im Pumphaus Edensbach erklärte Reinhold Hartl den Besuchern die elektronische Steuerung der Pumpen. (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist für die Waldburger Bürger zur Selbstverständlichkeit geworden. Seit dem 3. Oktober 1959 gibt es dort eine zentrale Wasserversorgung. Das 60-jährige Bestehen feierte die Gemeinde mit einem Tag der offenen Tür und gewährte den Bürgern einen Einblick in die Wassergewinnung der Kommune.

Vor 60 Jahren verfügte die Gemeinde Waldburg mit ihren 49 Parzellen über sieben verschiedene Versorgungsleitungen und unzählige Brunnen, die die umliegenden Höfe mit Trinkwasser versorgten. Der damalige Bürgermeister Reinhold Abele sprach von ungenügenden und katastrophalen hygienischen Bedingungen, die seinerzeit auch vom Gesundheitsamt beanstandet wurden. Für eine zentrale Wasserversorgung reichten die finanziellen Mittel der Kommune nicht aus, die Realisierung war nur durch die Unterstützung des Regierungspräsidiums Tübingen möglich.

In Edensbach wurde ein Pumphaus erstellt, das bis heute aus zwei Brunnen Grundwasser fördert. Das gewonnene Wasser kommt aus etwa 50 Metern Tiefe und wird über Rohrfilteranlagen und nach einer Behandlung mit starken UV-Strahlen in die drei Hochbehälter gepumpt. Ursprünglich verfügte Waldburg nur über zwei Hochbehälter. Wegen der demografischen Entwicklung der Kommune und dem schrittweisen Anschluss aller Teilgemeinden reichten diese nicht mehr aus. Im Jahr 1992 entstand ein drittes Becken unterhalb der Waldburg mit einer Speicherkapazität von 600 Kubikmetern Wasser.

Alfons Sigg, der erste Wasserwärter von Waldburg, erinnerte sich gut an die Bauzeit zurück, als die großen Becken in den Berg gebaut wurden. Heute betreuen Georg Pfleghar und Reinhold Hartl die komplexen technischen Abläufe im Pumphaus und in den Hochbehältern und sorgen dafür, dass stets genügend Trinkwasser in den Speicherbecken zur Verfügung steht. „Unsere Pumpen laufen normalerweise nachts, damit der tägliche Verbrauch von etwa 500 Kubikmetern gesichert ist“, erklärte Hartl den zahlreichen Zuhörern. Damit der Betrieb im Falle eines Stromausfalls weiter funktioniert, stehe ein Notstromaggregat zur Verfügung.

In seiner Festrede reflektierte der amtierende Bürgermeister Michael Röger nicht nur die Entwicklungsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte, er mahnte auch zum verantwortungsvollen Umgang mit dem kostbaren Lebensmittel Wasser. Durch den Klimawandel werde das Trinkwasservorkommen gefährdet. Massentierhaltung, Fleischproduktion und gewerbliche Abwässer würden die Güte und Reinheit des Wassers beeinträchtigen.

„Produktionsweisen in Industrie und Landwirtschaft verursachen dabei oftmals Verunreinigungen des Grundwassers, die nur mit großem Aufwand und hohen Kosten ausgeglichen werden können“, lautete Rögers Argument zum sorgsamen Umgang mit dem kostbaren Gut. Eine Privatisierung oder ein Verkauf der Waldburger Wasserwirtschaft komme für die Verwaltung, den Gemeinderat und das Fachpersonal dennoch grundsätzlich nicht in Betracht.

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