Vogt lehnt Kiesabbau in Grund ab

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 Das Thema Kiesabbau beschäftigt derzeit die Gemeinderäte in Oberschwaben.
Das Thema Kiesabbau beschäftigt derzeit die Gemeinderäte in Oberschwaben. (Foto: Archiv: Julia Freyda)
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Alle Texte und Hintergründe rund um das Thema Kiesabbau in Vogt gibt es in einem Dossier unter der folgenden Adresse:

www.schwäbische.de/kiesabbau

Wie zu erwarten war, lehnt auch die Gemeinde Vogt einen geplanten Kiesabbau im Ausmaß von elf Hektar im Teilort Grund im Altdorfer Wald ab. Mit einer Enthaltung hat der Vogter Gemeinderat der von Rechtsanwalt Björn Reith von der Freiburger Kanzlei W2K vorgestellten Stellungnahme in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt. Auch im Wangener Gemeinderat wird es am Montag um das Thema Kies und die Asphaltmischanlage Grenis gehen.

Im Wesentlichen werden in der Stellungnahme die altbekannten Gründe aufgeführt. Rechtsanwalt Reith erläuterte in der Sitzung erneut, warum es in Grund keinen Kiesabbau geben dürfe. Er sieht kein legitimes Planungsziel in Grund, weil für Grund ein sogenanntes Satellitenkonzept vorgesehen ist. Das heißt: Kies, der in Grund abgebaut wird, soll mit Lastwangen nach Grenis transportiert werden, damit er den dort weiterverarbeitet werden kann oder als Futter für die Asphaltmischanlage dienen kann. Dieses Satellitenkonzept sei rechtlich nicht umsetzbar, weil die Genehmigungen der Anlagen in Grenis keine Aufbereitung/Verwertung von Rohstoffen von anderen Standorten decken würden. Auch die damit zusammenhängende Verkehrsproblematik sei nicht ausreichend geprüft worden.

Schutz von Kulturdenkmal

Außerdem sieht die Anwaltskanzlei Abwägungsfehler. Bisher galt das Gebiet bei Grund, wo der Kies abgebaut werden soll, als schutzbedürftiges Gebiet mit dem Planungsziel Forstwirtschaft. Das sei ein erheblicher Widerspruch und bedürfe einem erhöhten Rechtfertigungsbedarf. Ebenso werden die Argumente des Naturschutzes aufgenommen, nach dem mit der Rodung des Waldstücks ein Lebensraum für viele Arten zerstört wird.

Ein wichtiger Punkt in der Stellungnahme nimmt das Thema Wasserschutz ein. Der Altdorfer Wald sei ein außergewöhnlicher Wasserspeicher, weswegen Konflikte mit dem Auftrag der Sicherstellung des Ressourcenschutzes im Bereich der Grund- und Trinkwasserversorgung gesehen werden. In der Nähe des vorgesehenen Gebiets in Grund befindet sich das Wasserschutzgebiet Weißenbronnen, aus dem die Gemeinden Baienfurt und Baindt ihr Trinkwasser beziehen. Es wird darauf hingewiesen, dass auch der Zweckverband Haslach-Wasserversorgung, in dem Vogt Mitglied ist, den Standort aus wasserwirtschaftlichen Gründen ablehnt.

„Ergänzt wurde die Stellungnahme um den Punkt Bedarf: Es sind mehr Gebiete ausgewiesen als notwendig“, sagt Vogts Bürgermeister Peter Smigoc. Außerdem müsse die Region nicht mit dem Bedarf an Kies planen, der im Ausland nachgefragt wird. Wie die SZ berichtete, wird jährlich mehr als eine Million Tonnen Kies aus der Region Bodensee-Oberschwaben nach Österreich und in die Schweiz exportiert. Ein weiterer Punkt ist der Stichpunkt Kulturdenkmal: Mosisgreut sei ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, dessen Schutz ebenso gewährleistet werden muss.

Kein Braunkohlestaub mehr

Die Stadt Wangen hat sich bei ihrer Stellungnahme, die am Montag in der Gemeinderatssitzung Thema sein wird, mit den Gemeinden im Landkreis abgesprochen, insbesondere mit Vogt und Amtzell. Des Weiteren setzt sich das Papier, das die Wangener Verwaltung dem Rat zum Beschluss vorlegt, mit der bereits bestehenden Kiesgrube in Grenis und der dortigen Asphaltmischanlage auseinander, die beide auf dem Gemarkungsdreieck Karsee/Amtzell/Vogt liegen. Darin kritisiert die Verwaltung einen mangelnden Immissionsschutz der Asphaltmischanlage. Einer (weiteren) Ausweisung des Standorts Grenis könne nur zugestimmt werden, „wenn die Belange des Nachbarschutzes berücksichtigt werden“. Dies müsse auch für die „Zuwege“ gelten.

Außerdem fordert die Stadtverwaltung, dass die Asphaltmischanlage nicht mehr mit Braunkohlestaub, „sondern über die bestehende Gasleitung erfolgen“ soll. Hintergrund: Zu Jahresbeginn hatten sich Anwohner über eine zunehmende Gestanksbelästigung beklagt, seit die Mischanlage modernisiert beziehungsweise neu aufgebaut worden war. In diesem Zuge war auch publik geworden, dass diese mit aus per Zug aus Nordrhein-Westfalen importiertem Braunkohlestaub betrieben wird. Der Betreiber hatte Kostengründe geltend gemacht und vor einigen Jahren eine bestehende Gasleitung gekappt.

Alle Texte und Hintergründe rund um das Thema Kiesabbau in Vogt gibt es in einem Dossier unter der folgenden Adresse:

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