Vogt hat wieder eigenen Pfarrer

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 Teilen sich das Pfarreramt in Vogt: Ehepaar Ulrike und Jörg Boss.
Teilen sich das Pfarreramt in Vogt: Ehepaar Ulrike und Jörg Boss. (Foto: Gabriele Hoffmann)
Gabriele Hoffmann

Nach sieben Monaten der Vakanz hat die evangelische Kirchengemeinde Vogt wieder einen eigenen Pfarrer. Genau genommen sind es zwei. In feierlicher Investitur wurde das Pfarrer-Ehepaar Ulrike und Jörg Boss in der Christus-Kirche in Vogt unter großer Beteiligung der Gemeindemitglieder und Bürger in sein Amt eingeführt. Vor drei Wochen haben sie mit ihren drei kleinen Kindern das Pfarrhaus in Vogt bezogen und fühlen sich in ihrer neuen Heimat bereits sichtlich wohl. Die vergangenen sieben Jahre zuvor haben sie in Korb im Remstal gelebt.

Pfarrer Jörg Boss, mit 40 gerade ins Schwabenalter gekommen, wurde in Albstadt geboren, aufgewachsen ist er in Onstmettingen. Nach dem Abitur in Ebingen wechselte Boss zum Studium nach Tübingen, mit einem Abstecher nach Heidelberg. Im Anschluss daran verbrachte Jörg Boss ein Jahr in der evangelischen Kirchengemeinde Neuchatel in der Schweiz. Nach dem Vikariat in Markgröningen wechselte er für zwei Jahre noch einmal ins französischsprachige Ausland, zur Eglise Evangelique Lutherienne de France in der Nähe von Montbeliard. Danach folgten sieben Jahre auf der zweiten Pfarrstelle in Korb im Remstal.

Hier in Korb schloss er mit seiner heutigen Ehefrau Ulrike, die er bereits im Studium kennengelernt hatte, den Bund fürs Leben. Mittlerweile gehören zu Familie die Kinder, Benedikt, fünf Jahre, Juliane, drei Jahre und Nesthäkchen Paul, gerade ein Jahr geworden, der fix auf zwei Beinen unterwegs ist. Ulrike Boss, zwei Jahre jünger als ihr Ehemann, ist momentan noch in Elternzeit.

Amt wird geteilt

Im Herbst des kommenden Jahres wird sie wieder in ihren Beruf einsteigen, und sich mit ihrem Ehemann die Pfarrstelle in Vogt teilen. Ideal, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Ulrike Boss, in Tübingen geboren, hat in Reutlingen die Schule besucht und dann in Tübingen Theologie studiert. Ein einjähriger Abstecher führte sie nach Berlin. Ihr Vikariat verbrachte sie in Bietigheim-Bissingen. Zusätzlich absolvierte sie zwei Jahre Ausbildung in Klinischer Seelsorge im Zentrum für seelische Gesundheit in Bad Cannstadt. Zuletzt arbeitete Ulrike Boss als Pfarrerin zur Dienstaushilfe in den Dekanaten Waiblingen und Backnang.

Nach sieben Jahren in Korb suchten sie neue Horizonte und einen Ortswechsel, ehe der älteste Sohn in die Schule kommt. Auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle fiel ihr Blick auf Oberschwaben, speziell auf die Pfarrstelle Atzenweiler-Vogt. Imponiert hat dem Pfarrerehepaar die aktive Kirchengemeinde, die erst kürzlich reibungslose vollzogene Fusion zur Kirchengemeinde „Atzenweiler-Vogt I und II“, sowie die gute Überbrückung der „pfarrerlosen Zeit“ durch den Kirchengemeinderat. Wir sind sehr froh, dass wir in Vogt sein können, dass der Kirchengemeinderat sich für uns entschieden hat, betonen unisono beide.

Herzlicher Empfang

Ob es noch weitere Bewerber für die Vogter Pfarrstelle gegeben hat, wissen sie nicht. „ Wir sind hier sehr herzlich empfangen worden, es habe viele schöne Begegnungen gegeben. Sogar einen Kuchen hat man uns schon vorbeigebracht“, erzählt Jörg Boss. Die Menschen hier seien sehr offen und zugewandt. Hinzu komme die gute Infrastruktur, die schöne Landschaft und die gute Luft. „Kirche hat in der Gesellschaft etwas zu sagen, muss die Stimme erheben“, ist das Motto von Jörg Boss. Seine erste Predigt in Vogt bei der Investitur, gerade am Volkstrauertag, war ein trauriges Thema für einen freudigen Anlass, erklärt Boss. Gemeinsam mit dem guten Team könne man aufbauen auf dem großen und vielseitigen Angebot, das bereits hier vorhanden ist. Vom „lebendigen Adventskalender“ bis zur Familienfreizeit.

Im katholischen Oberschwaben hat die evangelische Kirchengemeinde eine relativ recht kurze Geschichte. Es waren verschuldete Bauernhöfe, die unter den „Hammer“ kamen und von wohlhabenden Bauern aus dem nördlichen Württemberg erworben wurden. Dort herrschte, bedingt durch die Erbteilung, Landnot. In der Diaspora in Oberschwaben erhoffte man sich einen Neuanfang. Die ersten evangelischen Siedler kamen 1844 nach Vogt, kritisch beäugt von ihren katholischen Nachbarn. Gottesdienst fand anfangs in der „guten Stube“ statt. Ein halbes Jahrhundert später kam es mit einem enormen Kraftakt zum Bau einer evangelischen Kirche in Vogt, die am 27.November 1901 eingeweiht, und zum 100jährigen Jubiläum umfassend renoviert wurde.

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