Anwohner befürchten, dass hier ein Feldweg für den Transport von Kies aufgebessert wird.
Anwohner befürchten, dass hier ein Feldweg für den Transport von Kies aufgebessert wird. (Foto: privat)

Alle Texte, Videos und Hintergründe zu den Themen Kiesabbau und Trinkwasser sind im Online-Dossier unter www.schwaebische.de/kiesabbau zu finden.

Die Anwohner der Gemeinden Vogt und Wolfegg sind besorgt, weil derzeit zwischen den Ortsteilen Wassers und Grund ein Feldweg aufbereitet wird. Viele befürchten jetzt, dass bereits Wege ertüchtigt werden, um Kies vom geplanten Kiesabbau bei Grund mit Schwerlasttransportern in die Asphaltmischanlage in Grenis bei Hannober zu bringen. Wie bereits mehrfach berichtet, waren unter anderem die Transportwege immer wieder Gegenstand der Diskussion.

Die Redaktion der „Schwäbischen Zeitung“ haben Mails und Anrufe besorgter Anwohner erreicht. Ein Wolfegger berichtete entsetzt: „Auf diesem Weg werden 30-Tonner fahren können.“ Die Unruhe ist groß, zumal erst vor wenigen Tagen, am 26. Juli, die Einspruchsfrist für Bürger beim Regionalverband Bodensee-Oberschwaben abgelaufen ist. Jetzt können nur noch die Träger öffentlicher Belange, sprich die Kommunen, ihre Einwendungen zur Fortschreibung des Teilregionalplans Rohstoffe bis Ende September abgeben.

Auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ bei den Gemeindeverwaltungen Vogt und Wolfegg heißt es aber, dass die Straßenarbeiten nichts mit einem eventuellen Kiesabbau in Grund zu tun hätten. Es handle sich lediglich um eine „geplante Unterhaltungsmaßnahme, die im Jahresplan ist“. „Das hat definitiv nichts mit dem Thema Kiesabbau zu tun“, sagt Wolfeggs Bürgermeister Peter Müller, auf dessen Gemarkung die Arbeiten stattfinden. Man werde auch nichts verbreitern oder asphaltieren. Es werde „nur aufgekiest“. Kritiker sagen, dass der Weg in den vergangenen zehn Jahren nicht so aufgebessert worden sei, wie es jetzt der Fall ist.

Indes kritisiert die Interessengemeinschaft Grenis/Grund (IG) nochmals deutlich die Veröffentlichungpolitik der Einspruchsfrist für jedermann für die Fortschreibung des Teilregionalplans Rohstoffe, die wie im Gesetz festgeschrieben im Staatsanzeiger und auf der Homepage des Regionalverbandes erfolgte. „Fakt ist: Bis eine Woche vor Fristablauf wussten es weniger als ein Prozent der Bürger in der betroffenen Region, 99 Prozent der Bürger wussten es sicher nicht. Unglaublich!“, schreibt die IG in einer Stellungnahme. Und weiter: „Auch die betroffenen Gemeindeverwaltungen in Vogt, Wolfegg, Waldburg, Amtzell und Karsee berichteten bis eine Woche vor Ablauf der Frist entweder gar nicht oder nur so oberflächlich, dass beispielsweise selbst die massiv betroffenen Vogter Bürger nicht wussten, dass eine äußerst knappe Veröffentlichung im Mitteilungsblatt den Kiesabbau vor ihrer Haustür in Grund betraf.“ Der IG fehlt eine bürgernahe Informationspolitik. „Zählt hier nur der Wortlaut des Gesetzes und nicht der Respekt vor den unmittelbar und über zig Jahre betroffenen Bürgern?“ Die IG spricht von einem Vertrauensverlust in die Politik.

Der frühere Ravensburger ÖDP-Stadt- und Kreisrat und mittlerweile Parteilose Peter Schröder fordert in einem offenen Brief den Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp auf, „in möglichst deutlichen Worten“ zum Thema Stellung zu beziehen und sich „zum Wohle unserer Stadt und zum Wohle unserer ganzen Region“ einzusetzen. Wie bereits mehrfach berichtet, befindet sich in der Nähe des geplanten elf Hektar großen Kiesabbaugebiets bei Grund die Trinkwasserquelle Weißenbronnen, die Baienfurt und Baindt mit Wasser versorgt, aber Wasser für circa 80 000 Menschen liefert. Momentan läuft noch eine vom Zweckverband Wasserversorgung Baienfurt-Baindt finanzierte geologische Untersuchung zur Wassersituation auf dem Waldburger Rücken.

Brief: Quellen bereits verschmutzt

Peter Schröder: „Die Stadt Ravensburg wächst aber ebenso wie der zunehmende Wasserverbrauch. Dieser Mehrverbrauch von Wasser dürfte sich angesichts der zunehmend heißeren und trockeneren Sommer in Zukunft unter Umständen noch dramatisch verschärfen. Beliebig viel sauberes Trinkwasser in wirklich guter Qualität steht uns aber nicht zur Verfügung. Einige der jetzigen Quellen sind zudem bereits massiv durch Verschmutzungen bedroht. Ein aktuelles Beispiel dafür ist Mochenwangen. Auch Ravensburg und Weingarten müssten also ein vorrangiges Interesse daran haben, dass alles dafür getan wird, dass das Wasser vom Waldburger Rücken viel besser geschützt wird, als es derzeit der Fall ist.“ Es dürfe deshalb „keinesfalls zum Kiesabbau in diesem Gebiet kommen“.

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