Nach Hundeangriff in Vogt fordert Peta die Einführung eines Hundeführerscheins

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Viele Hundehalter könnten ihre Tiere nicht richtig einschätzen, meint die Tierrechtsorganisation Peta.
Viele Hundehalter könnten ihre Tiere nicht richtig einschätzen, meint die Tierrechtsorganisation Peta. (Foto: Archiv Peter Kneffel/dpa)
Schwäbische Zeitung

Der Schäferhund einer 45-Jährigen ist am Montag beim Spazierengehen im Tannenwald bei Vogt von einem anderen Hund angegriffen und schwer verletzt worden. Er musste daraufhin von einem Tierarzt notoperiert werden. Auch seine Halterin wurde von dem noch unbekannten Hund gebissen. Ein Rettungswagen brachte sie später in ein Krankenhaus. Die Polizei in Vogt sucht nach Zeugen, die Hinweise zu Hund und Halter geben können. Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation Peta die umgehende Einführung eines sogenannten Hundeführerscheins in Baden-Württemberg.

„Halter sind häufig das Problem“

„Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Viele Halter können ihre Vierbeiner nicht richtig einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier. Dass der Hund seinen Artgenossen und die Frau so schwer verletzen konnte, war fahrlässig und verantwortungslos“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. „Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein Mix ist.“

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, bei dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Nach dem theoretischen Kurs folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule.

Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Viele Halter können ihre Vierbeiner nicht richtig einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta

Ein solcher Nachweis könne sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und dessen Signale richtig deuten, schreibt Peta. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter sei unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern. Zudem vermittele das Training Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung als Voraussetzung für ein tiergerechtes Leben der Hunde.

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – der allgemeine Hundeführerschein ist dort seit Juli 2013 verpflichtend. Nachweislich sei nach drei Jahren eine Reduzierung von Vorfällen erreicht worden, heißt es. Einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge unterstütze mit 65 Prozent eine deutliche Mehrheit der Deutschen die Einführung des Sachkundenachweises für Hundehalter.

Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, könne sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gelte eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben. Wer in Berlin seit dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufgenommen hat, sei dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen.

Tierheim: Jährlich 80 000 Hunde

Die Einführung eines Hundeführerscheins hat laut Peta einen weiteren Vorteil: Sie könne Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr würden 80 000 Hunde in deutschen Tierheimen landen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.

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