Eine Wette unter Musikanten

Lesedauer: 6 Min
6  Männer stehen Arm in Arm vor einer Bühne
Der Musikverein Vogt stellt sich einer Musikantenwette (von links): Die Wettvertreter Pascal Fischer, Gerhard Hirscher, Vereinsvorstand Ralf Euperle, Ehrenvorstand Josef Euperle, Ehrendirigent Gottfried Fischer und Ehrenfähnrich Edmund Burkhardt (Foto: Lara Euperle)
Hannah Bucher

Der Musikverein Vogt hat sich in diesem Jahr für die traditionelle Vogter Dorfkirbe einer ganz besondere Herausforderung gestellt: Der Verein ist eine Musikantenwette zwischen den aktiven Mitgliedern und den ehemaligen Musizierenden des Musikvereins eingegangen. Die Ehemaligen sollen wieder zum Instrument greifen und sich mit Pauken und Trompeten mit den Aktiven duellieren. Am Kirbesonntag, 14. Juli, entscheidet sich, wer als Gewinner aus der Wette hervorgeht und vom Verlierer ein Grillfest spendiert bekommt.

Doch wie kam es zu der Wette unter den Musikanten? „Ich habe in meinem alten Musikverein als Ehemaliger bei einer ähnlichen Wette mitgemacht“, erzählt Ideengeber Gerhard Hirscher, der die Aktion unter anderem mit Pascal Fischer organisiert. Gerade habe der Musikverein mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, deshalb kamen sie auf die Idee, dem Problem mit der Musikantenwette entgegenzuwirken: „Vielleicht bekommt so der ein oder andere Zuschauer oder ehemalige Musikant wieder Lust, im Verein zu musizieren“, sagt Pascal Fischer.

Damit die Ehemaligen die Wette gewinnen, müssten sie drei Bedingungen erfüllen: Als Erstes müssen genauso viele ehemalige Mitglieder teilnehmen, wie es aktive Musikanten im Verein gibt. Das bedeutet in diesem Fall, dass 45 Ehemalige musizieren müssen. Als zweite Bedingung müssen ehemalige Vereinsmitglieder mit den Positionen Ehrenfähnrich, Ehrenvorstand, Ehrendirigent und mindestens vier ehemalige Fahnendamen aus der Fahnenweihe 1954 oder 1984 sowie eine alte Fahne dabei sein. Zu guter Letzt müssen die ehemaligen Musikanten vier fest ausgewählte Stücke wie beispielsweise eine Polka und einen Konzertmarsch sowie drei weitere Stücke vortragen. Die Gewinner und deren Partner bekommen von den Verlieren ein Grillfest mit Freigetränken spendiert.

Inzwischen haben bereits einige ehemalige Mitglieder zugesagt. „Die Rückmeldungen sind toll“, erzählt Hirscher. „Es werden Ehemalige im Alter von Anfang 20 bis Mitte 80 dabei sein.“ Da wundert es auch nicht, dass manch einer sein Instrument seit 40 Jahren nicht mehr in der Hand hatte. „Man verlernt das Spielen eigentlich nie“, sagt Fischer. Doch damit sich die Musikanten vorbereiten können, hat das Organisationsteam drei Proben angesetzt. „Einige können erst kurz vor dem Auftritt kommen, deshalb wissen wir bis zum Schluss nicht, wie viele mitmachen“, verrät Gerhard Hirscher. Als größte Herausforderung sehen die beiden Wettvertreter die zweite Bedingung: Für die Wette werden unter anderem vier Fahnendamen gesucht. „Von den ehemals 16 Fahnendamen leben heute noch neun Damen. Zwei davon sind aus dem aktiven Jahrgang von 1954“, sagt Hirscher.

Nicht nur für die Ehemaligen gibt es einige Hürden, auch das Organisationsteam hatte mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Es gibt 126 Ehemalige. Wir haben versucht, alle Adressen herauszufinden, um zu erfahren, wer mitmachen will“, erzählt Hirscher. Doch die Rückmeldungen auf das eher ungewöhnliche Anliegen fielen durchweg positiv aus. „Viele freuen sich, wieder spielen zu dürfen“, sagt Fischer. Außerdem sei es schön zu sehen, wie tief die Verbundenheit mancher Mitglieder noch immer ist: „Das ehemalige Hornregister hat geschlossen zugesagt“, erzählt Fischer. Da sie aber nicht zu den offiziellen Proben kommen können, üben die ehemaligen Kameraden selbstständig miteinander. „Die Eigendynamik ist fantastisch“, freut sich Hirscher.

Aber nicht nur die Ehemaligen haben Spaß, laut Fischer ist die Wette auch eine große Motivation für die aktiven Musikanten. „Aus unserer Sicht war es eine geniale Idee, egal was passiert“, sagt Gerhard Hirscher. Auch der Veranstaltungstag wurde mit Bedacht gewählt: „Das Kirbewochenende ist wie eine Art Klassentreffen – viele Ehemalige leben nicht mehr hier, aber an der Vogter Dorfkirbe kommen die meisten wieder zurück“, erzählt Hirscher. Ob sie gewinnen oder verlieren, ist den beiden aktiven Mitgliedern Pascal Fischer und Gerhard Hirscher egal. „Wir freuen uns und denken, dass es ein schöner Tag wird.“

Wer dabei sein und zuschauen möchte, wer die Wette gewinnt: Am Sonntag, 14. Juli, um 14 Uhr werden die ehemaligen Musikanten gezählt. Anschließend treten sie im Vogter Kirbezelt auf.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen