Kein Schlittschuhlaufen auf dem Rösslerweiher im Winter

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Bettina Musch

Auch ein Wasserablass in den Sommermonaten, das sogenannte „Sömmern“ wird praktiziert und hat den Vorteil, dass der Schlamm durch die höheren Temperaturen schneller abgebaut wird. Der Nachteil dabei ist, dass das Gewässer als Brutstätte für die Wasservögel nur eingeschränkt nutzbar ist und ein Badebetrieb natürlich nicht möglich ist.

Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten wird der Rösslerweiher in der Gemeinde Schlier „gewintert“, wie man das komplette Ablassen des Wassers über einen längeren Zeitraum bezeichnet.

Ziel dieser ökologischen Maßnahme ist es hauptsächlich, den Schlammeintrag zu verringern und die Wasserqualität zu verbessern. Da die Wiederbefüllung erst zwischen Ende Januar und Mitte Februar erfolgen wird, fällt in diesem Jahr das beliebte Schlittschuhlaufen auf dem Weiher wohl aus.

Es ist abgefischt. Alle Bewohner mit Kiemen des Rösslerweihers wie Karpfen, Hechte, Schleien, Weißfische, Welse und Flussbarsche haben eine neue Heimat in den Weihern in der näheren und weiteren Umgebung bekommen. Das Forstamt im Landratsamt Ravensburg, das den See bewirtschaftet, war mit vielen Helfern im Einsatz, um den Fischbestand des abgelassenen Weihers zu sammeln, zu sortieren und an interessierte Fischereivereine weiterzuverkaufen. Ungewöhnlich ist das nicht, denn in jedem Jahr, Mitte Oktober, wird der Rösslerweiher, so wie viele Weiher im Umland, abgelassen und abgefischt. Bisher wurde aber anschließend das Wasser sofort wieder eingelassen und der See aufgefüllt. Das ist in diesem Jahr anders, denn erstmals seit vielen Jahrzehnten bleibt der See leer. „Dass Weiher wie jetzt der Rösslerweiher immer mal wieder trocken gelegt werden, hat jahrhundertealte Tradition und einen guten Grund: Durch das „Wintern“ und das damit verbundene Einwirken von Frost, Schnee und Regen wird der Schlamm am Weihergrund abgebaut. Ein weiterer Effekt der „Winterung“ ist, dass Nährstoffe im Schlamm fest gebunden werden und somit auch die Gefahr des „Umkippens“ im Sommer verringert wird“, so Pressesprecher Franz Hirth vom Landratsamt Ravensburg.

Der Rösslerweiher nimmt wie viele oberschwäbische Weiher am Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen teil. Viele Empfehlungen und Maßnahmen daraus hat die Gemeinde Schlier in der Vergangenheit schon umgesetzt. So wurde im vergangenen Jahr für etwa 220 000 Euro ein großes Schlammabsatzbecken gebaut, das bis zu 1000 Kubikmeter Schlamm aufnehmen kann. Durch diesen Rückhalt werden die unterhalb Richtung Weingarten liegenden Bäche entlastet, was auch der Pflanzen- und Tierwelt zugute kommt (die SZ berichtete). Diese Maßnahme hängt unmittelbar mit der jetzigen Winterung zusammen, die im übrigen auch zukünftig alle vier bis sechs Jahre durchgeführt werden soll.

Traurig darüber werden alle Schlittschuhläufer sein, denn bei frostigen Temperaturen war der Rössler im Winter bisher für sie ein beliebtes Ziel. Ein kleiner Trost dürfte sein, dass die Wasserqualität im Sommer wieder ausgezeichnet sein wird. Denn der Weiher ist nicht nur ein bewirtschafteter Fischaufzuchtsweiher, sondern auch ein beliebter Badesee.

Auch ein Wasserablass in den Sommermonaten, das sogenannte „Sömmern“ wird praktiziert und hat den Vorteil, dass der Schlamm durch die höheren Temperaturen schneller abgebaut wird. Der Nachteil dabei ist, dass das Gewässer als Brutstätte für die Wasservögel nur eingeschränkt nutzbar ist und ein Badebetrieb natürlich nicht möglich ist.

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