Grüne Infrastruktur: Der Rotrückenwürger soll mehr Lebensraum bekommen

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Viel Naturraum liegt rings um den Rösslerweiher. Die Gemeinde Schlier will Biotope erweitern, neu schaffen und miteinander verne
Viel Naturraum liegt rings um den Rösslerweiher. Die Gemeinde Schlier will Biotope erweitern, neu schaffen und miteinander vernetzen. (Foto: Bettina Musch)
Bettina Musch

Wangen, Ravensburg, Leutkirch und die Gemeinde Schlier haben sich im vergangenen Jahr zu einem Biotopverbund zusammengeschlossen, um als Modellprojekt die grüne Infrastruktur im Landkreis weiter zu entwickeln. Gefördert wird das Projekt sowohl vom Land als auch der Heinz-Sielmann-Stiftung. In der Märzsitzung des Gemeinderats wurden konkrete Maßnahmen zum Biotopausbau in Schlier vorgestellt.

Sindy Bublitz als Vertreterin der Heinz-Sielmann-Stiftung war zu Gast in der Sitzung und informierte den Rat umfassend über das Modellprojekt des Biotopverbundes. Im vergangenen Jahr hatten sich dazu Wangen, Ravensburg, Leutkirch und Schlier zusammengetan und wollen damit Vorreiter für den Landkreis werden. Gefördert vom Land Baden-Württemberg mit 900 000 Euro und der Heinz-Sielmann-Stiftung mit zusätzlichen 100 000 Euro ist eine Vielzahl von Maßnahmen geplant, die neue Naturlebensräume für die Tierwelt schaffen will.

Standortfremde Gehölze werden entfernt

In Wangen wurde dazu bereits der erste Spatenstich gemacht mit der Aufwertung am und um den Schlauchenweiher, um dort ein Feuchtwiesen- und Nassbiotop zu entwickeln, das Heimat für viele Amphibien, Libellen, Vögeln, Insekten und anderen Tierarten werden soll (die SZ berichtete). Auch in der Gemeinde Schlier, die nach Aussage von Bublitz aus der Förderung 200 000 Euro erhält, wurden bereits an elf Standorten vom Büro Planstatt Senner Maßnahmen-Steckbriefe ausgearbeitet, die umgesetzt werden sollen.

Bublitz stellte die verschiedenen konkreten und möglichen Maßnahmen anhand einer Karte vor, auf der ersichtlich ist, welche Gebiete dazu gehören und wie die Biotope miteinander vernetzt sind. Dabei sind vorwiegend Flächen, die im Besitz des Landes oder der Kommune sind.

Bereits konkret in der Umsetzung ist die Entwicklung im Feuchtgebietskomplex Siechenmoos, südlich von Schlier gelegen. Dort werden unter anderem standortfremde Gehölze, wie Fichten, entfernt und dafür Kleingewässer für Amphibien und Libellen angelegt. Entlang der Straße ist die Nachpflanzung von Streuobsthochstämmen und die Anlage von kurzen Hecken zur Förderung des Rotrückenwürgers oder Neuntöters, einer Vogelart, vorgesehen. Weitere Anlagen von Kleinweihern oder auch die Reaktivierung von bereits verlandeten Weihern mit Feuchtgebieten sind in der Planung.

Der Ausbau und die Neuanlage des Streuobstbestandes wird ein großes Thema in Schlier. „Am Rösslerhof werden 26 Bäume nachgepflanzt“, so Bublitz. Auch die Pflege mit fachgerechtem Schnitt des bestehenden Bestandes ist vorgesehen. Eine völlige Neuanlage soll ebenfalls über das Modellprojekt erfolgen. Hier ist angedacht, die Pflege und Betreuung der Streuobstbäume über die Genossenschaft des Dorfladens in Unterankenreute zu organisieren. Letztendlich könnte dann auch im Dorfladen die Vermarktung des Obstsaftes erfolgen.

Förderung läuft eigentlich Ende 2019 aus

Ganz wichtig bei allen diesen Vorhaben sei die intensive Einbeziehung der Bürgerschaft, so Bublitz, und traf damit auch auf offene Ohren beim Gemeinderat. Öffentliche Biotopverbund-Exkursionen, ein Workshop für Bürger mit Anregungen zur naturnahen Gartengestaltung und der Aufbau einer entsprechenden Arbeitsgruppe seien weitere Schritte, die erfolgen sollen.

Gemeinderat Marcus Hörenberg regte an, zur Bürgerinformation die Karte mit den entsprechenden Biotopflächen im Mitteilungsblatt zu veröffentlichen, um Mitstreiter zu finden. Die Zeit eilt, denn eigentlich läuft die Projektförderung Ende 2019 aus. Bublitz will sich aber dafür einsetzen, dass eine Verlängerung erfolgt. „Die Zeit war von Anfang an zu knapp bemessen, aber wir wollen so viel wie möglich umsetzen“, so Bürgermeisterin Katja Liebmann abschließend.

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