Baugebiete und Kinderbetreuung sind Großprojekte in Schlier

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 Im gut gelaunten Gespräch beim Neujahrsempfang in Schlier (von links): Burcu Aydin, Kai Zinnäcker, Bürgermeisterin Katja Liebma
Im gut gelaunten Gespräch beim Neujahrsempfang in Schlier (von links): Burcu Aydin, Kai Zinnäcker, Bürgermeisterin Katja Liebmann, Agnieszka Brugger (MdB) und Gemeinderätin Beatrix Zinnäcker. (Foto: Bettina Musch)
Bettina Musch

Mehr als 200 Gäste sind am Dreiköngistag in die Turn- und Festhalle nach Wetzisreute zum Neujahrsempfang der Gemeinde Schlier gekommen, zu dem Bürgermeisterin Katja Liebmann bereits im dritten Jahr eingeladen hatte. Nach einem Rückblick auf das vergangene Jahr setzte sie die zukünftigen Schwerpunkte auf die Kinderbetreuung und das neue Baugebiet, das mit seinem Energieversorgungskonzept innovative Wege geht.

„Begrüße das neue Jahr vertrauensvoll und ohne Vorurteile, dann hast Du es schon halb zum Freunde gewonnen“, sagte Liebmann zur Begrüßung zu den Gästen in der Turn- und Festhalle in Wetzisreute, darunter auch Agnieszka Brugger, Bundestagsabgeordnete der Grünen, und August Schuler, CDU-Landtagsabgeordneter, sowie einige Blutspender, die im Rahmen des Empfangs geehrt wurden.

Pro-Kopf-Verschuldung von 279 Euro

Der erste Dank der Bürgermeisterin ging an die Vertreter des Gemeinderats und die Mitarbeiter der Gemeinde. Für den enormen zeitlichen, zudem ehrenamtlichen Einsatz bekam der Gemeinderat ein sehr ausführliches Lob. „Und dabei benötigt man im Einzelfall auch ein ,dickes Fell’ und ein hohes Maß an Frustrationstoleranz“, meinte sie. Viele Themen seien im Rat angepackt, weitergeführt und auch zu einem Ende gebracht worden. Die Haushaltslage habe keinen Investitionskredit notwendig gemacht und der Schuldenstand von rund 1,4 Millionen Euro bedeute eine Pro-Kopf-Verschuldung von 279 Euro zum Ende 2019.

Ein großer finanzieller Brocken kommt auf die Gemeinde mit der geplanten Erweiterung und dem Ausbau des Kindergartens in Unterankenreute zu. Liebmann ging ausführlich auf die Planungen ein, die bereits seit 2017 Thema im Gemeinderat sind und aktuell für heftige Diskussionen gesorgt haben. Waren ursprünglich rund zwei Millionen Euro für den zweigruppigen Anbau geschätzt worden, wurde der erste Entwurf durch viele Änderungen, Umplanungen, Vorgaben des Fachverbandes katholischer Kindertagesstätten geändert und die Kosten liegen aktuell bei 3,7 Millionen Euro, so Liebmann. Eine eingerichtete Projektgruppe soll jetzt nach Optimierungs- und Einsparpotentialen suchen.

„Modellvorhaben Biotopverbund“ großes Thema

Neben dem großen Kinderhearing, das die Wünsche der Kinder unter anderem nach mehr Spielplätzen in der Gemeinde offenbarte, war ein anderes großes Thema das „ Modellvorhaben Biotopverbund“. Ein Projekt vom Land Baden-Württemberg und der Heinz-Sielmann-Stiftung gefördert, auf das sich Schlier beworben hatte und neben Wangen, Leutkirch und Ravensburg ausgewählt wurde.

Bereits umgesetzt wurden beispielsweise großzügige Nachpflanzungen von Streuobstbäumen. Die Flächen befinden sich alle in Privatbesitz und Liebmann bedankte sich herzlich bei den Eigentümern für die Bereitschaft, an diesem Projekt mitzuwirken. „Es freut mich ganz besonders, dass wir auf Landesfläche beziehungsweise Forstfläche im Bereich der alten Kiesgrube in Oberankenreute im Altdorfer Wald ein Beweidungsprojekt starten können“, so Katja Liebmann zu einer weiteren Maßnahme.

„Klimawandel bekämpfen ist moralische Pflicht“

Neuen Wohnraum zu schaffen ist auch in Schlier ein Anliegen. Zwölf Bauplätze für Einfamilien- oder Doppelhäuser entstehen in Kehrenberg, wo die Erschließung bereits beendet sei und das erste Baugesuch aktuell beraten werde. In Unterankenreute wird mit dem Baugebiet „Am Bergle“ ebenfalls neuer Wohnraum geschaffen. „Es ist meiner Meinung unsere moralische Pflicht und Verantwortung, aus Solidarität mit zukünftigen Generationen den Klimawandel zu bekämpfen beziehungsweise abzumildern“, so Liebmann zur aktuellen politischen Diskussion.

Deshalb habe man sich in den letzten Monaten für das neue Baugebiet mit einem innovativen Energiekonzept auseinandergesetzt meinte sie und erklärte ausführlich die Lösung. Als Wärmequelle dienen zunächst dezentrale Erdsonden, die auf den öffentlichen Flächen des Neubaugebietes errichtet werden. In den Gebäuden nutzen dann Sole-Wasser-Wärmepumpen die Wärme aus dem Wärmenetz für Heizung und Warmwasser. Photovoltaik Anlagen auf allen Dächern sorgen für die klimaneutrale Stromversorgung. Das ganze Baugebiet werde komplett mit Energie versorgt, Einzellösungen der Bauherren fallen weg. Die nächsten Schritte seien die Kalkulation der Bauplatzpreise zur Entscheidung im Gemeinderat, eine Infoveranstaltung und dann der Startschuss für die Bewerbungen auf die Bauplätze.

Ausbau des Feuerwehrhauses soll erfolgen

„Digitalisierung und Heimat“, ein weiteres großes Projekt, ebenfalls gefördert vom Land, das im vergangenen Jahr seinen Anfang in einem Heimatabend mit vielen Themenfeldern hatte und mit dem „Bänklefest“ in einem ersten Schritt auch konkret und sehr erfolgreich umgesetzt wurde, soll weitergeführt werden. Ebenfalls in diesem Jahr soll der Ausbau des Feuerwehrhauses erfolgen und die Hochwasserschutzmaßnahmen am Mühlebach in Schlier umgesetzt werden.

Rege Diskussionen fanden im Anschluss beim bewirteten Empfang für die Gäste statt, bei dem die Musikkapelle Schlier-Ankenreute für die musikalische Umrahmung sorgte.

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