Ha wellaweag! Narren feiern im großen Stil

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Büttel Volker Knörle, und die Musikkapelle Reute-Gaisbeuren machen sich auf den Umzugsweg. Jetzt geht’s los. (Foto: Gottfried Brauchle)
Schwäbische Zeitung
Dagmar Brauchle

Sonntag, am späten Vormittag. In Reute herrscht die Ruhe vor dem Narrensturm. Noch kann man durch den Ort fahren, findet problemlos einen Parkplatz. Von den erwarteten 86 Busse keine Spur. Aber in der Durlesbachhalle, im Zelt nebenan und auf dem Dorfplatz geht’s schon rund. Die Narren brauchen Stärkung, der Brauchtumsabend war lang, die Nacht entsprechend kurz. Wonach auch immer jetzt der Sinn steht: Die fleißigen Helfer haben vorgesorgt, Bräter und Kessel sind heiß, die Kuchentheken gut gefüllt.

Weit über 100 Helfer – sowohl die Aktiven und „Oldies“ aus den eigenen Reihen als auch Mannschaften befreundeter Vereine – sind während des großen Freundschaftstreffens des Alemannischen Narrenrings (ANR) anlässlich des 50. Geburtstags der Narrengilde Schussentäler Reute im Einsatz. Auch Gildeschreiberin Steffi Rehm tritt ihren Dienst in der Wurstbude an. Eben noch wurde sie beim Zunftmeisterempfang gebraucht, jetzt steht sie am Grill. „Das ist halt so in einem kleinen Verein“, sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht. „Wir sind multifunktional einsetzbar.“ Das Ganze macht ihr sichtlich Spaß.

Während Straßen und Plätze sich immer mehr mit Maskenträgern füllen und der Himmel sich nicht zwischen Sonnenschein, Wolkengrau und Schneeschauer entscheiden kann, schunkelt sich der Zunftmeisterempfang in der Begegnungsstätte des Klosters seinem Höhepunkt entgegen. Bürgermeister Roland Weinschenk, Ortsvorsteher Franz Bendel und die Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute, Schwester Paulin Link, haben ihre närrischen Grußworte überbracht, Pfarrer Richard Schitterer verzichtet. „I hon heut scho gnuag gschwätzt“, meint er und lehnt sich nach getaner Arbeit - der allseits gelobten Narrenmesse - zurück.

Derweil wird Sonja Münsch, seit 1977 von der Reutener Fasnet infiziert, seit 1991 Gildemeisterin und seit 1996 zugleich Vereinsvorsitzende, von Charlie Maier überrascht. Der Narrenmeister und Präsident des ANR ehrt sie mit dem Ehrenhäsorden im Goldschliff, der höchsten Auszeichnung des ANR. Die Schnurrermusik spielt dem Ehrenbüttel Manfred Knörle ein Ständchen und alle singen mit. Er feiert heute seinen 70. Geburtstag.

Kapelle im neuen Häs

Und dann, noch bevor der endlos lange Gratulationsmarathon aller anwesenden Zunftmeister richtig begonnen hat, marschiert die Musikkapelle Reute-Gaisbeuren ein. Die hat sich nach 25 Jahren ein neues Fasnetshäs gegönnt und sieht in venezianischen Umhängen, Masken und Kopfschmuck toll aus. Aber das ist nicht der einzige Grund fürs Kommen. Tenorhornist Klaus Wachter hat das Reutener Narrenlied, einen Schunkelwalzer, zu einem Narrenmarsch arrangiert und damit einen langgehegten Wunsch der Narrengilde erfüllt. „Wa muinet’r? Ha wellaweag! So klingt`s durchs Ländle weit und breit ...“. Die Uraufführung dirigiert er natürlich selbst, der Applaus ist riesig.

Maria Nold legt die Schürze ab und macht sich auf den Weg. Bis jetzt hat sie die Gäste mit Getränken und Mittagessen versorgt, jetzt geht`s hinaus zum Plaketten verkaufen. „Bei so einem Jubiläum müssen alle mithelfen, sonst funktioniert das nicht“, sagt sie, die sonst als Goiß springt. Inzwischen stehen an allen Zufahrtsstraßen lange Schlangen parkender Autos. Busse fahren bis an die Absperrungen, lassen die Narren raus und fahren auf die Busparkplätze im Gewerbegebiet Gaisbeuren. Den Umzugsweg säumen einige tausend Menschen. Umzugswart Reiner Bosler macht seinen Job seit 25 Jahren. „Heute ist trotzdem was ganz Besonderes“, sagt er und lässt die Musikkapelle Reute-Gaisbeuren am Aufstellungsplatz aufspielen. „Die meisten Busse kommen leider in letzter Minute. Wenn die Narren die Musik hören, wissen sie, dass es los geht.“ Und das tut es kurz nach halb zwei tatsächlich. Allen voran Narrenbüttel Volker Knörle, bahnt sich der Narrensprung seinen Weg durch Reute. Ebenfalls vorne mit dabei ruft der Narrensamen: „50 Jahre Narrengilde, hey! Wa muinet`r?“ Die Antwort kommt vielstimmig und begeistert von großen und kleinen Mäschkerle am Wegesrand: „Ha wellaweag!“

Mehr Fotos unter

www.schwäbische.de/narrengilde

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