„Der Schussentäler ist keine besonders wilde Figur“

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Dieter Geßler ist seit 24 Jahren Schussentäler Räuber bei der Narrengilde Reute. Für das Häs des Schussentälers habe er sich ent (Foto: Nadine Geßler)
Schwäbische Zeitung
Nadine Gassner

Im Häs des Schussentälers macht Dieter Geßler die Haustüre auf. Bei jeder Bewegung klingen leise die Schellen an seiner Hose. Der Reutener ist seit 24 Jahren Schussentäler Räuber bei der Narrengilde Reute. Für das Häs des Schussentälers habe er sich entschieden, weil man damit offen auf die Leute zugehen kann. „Der Schussentäler ist keine besonders wilde Figur. Manchmal erschreckt man die Zuschauer, wenn man sie mit dem Plüschwedel streichelt, aber meistens lachen sie darüber. Mir macht es besonderen Spaß, wenn ich den Kindern Bonbons schenke und dann sehe, wie sie sich darüber freuen“, sagt Geßler. Viel Programm auch unterm Jahr

Zur Gilde zu gehören bedeutet für ihn aber nicht, bei jedem Umzug dabei zu sein oder die gesamte Fasnet lang nur zu feiern. „Natürlich freue ich mich, gemeinsam mit meinen Freunden an der Fasnet wegzugehen, aber die Zugehörigkeit zur Narrengilde beschränkt sich eben nicht nur auf die Fasnet“, erklärt Geßler sachlich. Auch unter dem Jahr gebe es viele Veranstaltungen, die die Gilde ausrichtet und bei denen man helfen muss. „Maibaumschmücken und Maibaumstellen, Jahreshauptversammlung, Vereinsausflug, Hüttenwochenende, Weihnachtsverkauf der Kinder im Kaufmarkt“, zählt er auf. „Und erst gerade hat die Narrengilde eine Ausstellung anlässlich ihres 50-jährigen Bestehen gehabt. Da musste man auch beim Auf- und Abbau helfen.“

Geßler weist stolz auf die Plakette hin, die an seiner roten Häsjacke haftet. Auf der Plakette, die zum Jubiläum entworfen wurde, sind eine Lilie und die vier Reutener Masken abgebildet. „Diese Plakette haben nicht alle Mitglieder erhalten. Nur die, die viel helfen“, erzählt der 43-Jährige. Seine Hauptaufgabe bei der Gilde sei die Gestaltung ihrer Homepage. „Dadurch bin ich auch immer auf dem aktuellen Stand und bekomme alle Veränderungen mit“, sagt Geßler.

Zur Narrengilde ist Geßler über Volker Knörle, Büttel der Reutener Narren und Sohn zweier Gründungsmitglieder, gekommen. „Volker Knörle ist ein guter Freund von mir. Wir sind schon zusammen zur Grundschule gegangen“, erzählt der offene Reutener. „Außerdem bin ich in Reute aufgewachsen und kenne die Fasnet schon von klein auf. Auch damals war ich regelmäßig auf Umzügen.“ Seit einigen Jahren gehören auch Geßlers Kinder zum Narrensamen der Gilde – die zehnjährige Anika und der achtjährige Tim sind Riedrälle. „Wir haben viele befreundete Familien in der Gilde, unter anderem auch unseren Trauzeugen. Und auch unsere Kinder sind miteinander befreundet. Das ist dann immer ein richtiger Haufen Kinder“, sagt Geßler und lächelt.

Obwohl Geßler so aktiv ist in der Narrengilde, springt er nicht bei jedem Umzug mit. Dieses Jahr hat er bisher an zwei Umzügen teilgenommen. „Ich habe nicht jeden Sonntag Zeit. Manchmal gehen da andere Dinge einfach vor – wie beispielsweise ein Fußballturnier meines Sohnes“, erklärt der Schussentäler. Gerade hat sich Geßler ein neues Häs gekauft. Ist er traurig, wenn er das Häs nach der Fasnet zurück in den Schrank hängen muss? „Das kommt auf die Länge der Fasnet an“, sagt Geßler lachend. „Ich finde es immer schade, wenn sie schnell vorbei geht. Aber es gab auch schon Zeiten, da war die Fasnet einfach zu lang.“

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