Dampflok soll bald zurück nach Durlesbach

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Manfred Knörle (links) und Anton Hensler haben gemeinsam mit ein paar anderen Rentnern die alte Dampflok aus Durlesbach restauri
Manfred Knörle (links) und Anton Hensler haben gemeinsam mit ein paar anderen Rentnern die alte Dampflok aus Durlesbach restauri
Schwäbische Zeitung

Durlesbach ist ein bekanntes Ausflugsziel und zieht Touristen an, weil sie den Ort aus dem schwäbischen Volkslied kennen. Im Fokus stehen der ehemalige Bahnhof und das von Alfons Walz gestiftete Denkmal, das derzeit saniert wird. Möglichst noch in diesem Jahr soll die alte polnische Lok hier wieder aufgestellt werden.

Von unserer Redakteurin   Sabine Ziegler

Durlesbach ist als Ausflugziel für Wanderer und Radfahrer zwar ganzjährig tauglich, aber im Mai rückt der kleine Waldseer Teilort besonders in den Fokus: Am 1. Mai wirten hier alljährlich die „Durlesbach Schalmeien“ für die Maiausflügler und am 16. Mai wird bei einem Jazz-Frühschoppen auf dem Bahnhofsgelände um Spenden für das Eisenbahn-Denkmal geworben. Die alte polnische Lok (Baujahr 1951), die der verstorbene Waldseer Unternehmer Alfons Walz gestiftet hat, ist inzwischen zwar fast fertig restauriert, aber es fehlt noch am Geld für eine Überdachung.

1250 Arbeitsstunden

Insgesamt 1250 Arbeitsstunden haben ein paar Mitglieder des Fördervereins „Durlesbach Bähnle“ in die Restaurierung dieser Schmalspur-Lok investiert, seit das 20 Tonnen schwere Fahrzeug im Mai 2008 vor Ort demontiert und mit einem Tieflader nach Kümmerazhofen abtransportiert worden ist. In einer großen Halle der Firma Halder haben Manfred Knörle, Joachim Bendel, Wolfram Dietrich, Paul Schnabel und Anton Hensler, der übrigens als letzter Bahnhofsvorsteher bis 1984 in Durlesbach tätig war, den mächtigen Koloss in seine Einzelteile zerlegt. Nach dem Sandstrahlen wurden diese grundiert und in den Originalfarben Schwarz und Rot lackiert.

„Es gibt keine einzige Schraube, die nicht abgeschraubt worden wäre...“, blicken Manfred Knörle und Anton Hensler nicht ohne Stolz auf ihre aufwändige, zweijährige Arbeit zurück, bei der sie und ihre Helfer von mehreren ortsansässigen Firmen unterstützt wurden. Damit am Ende keine Schraube fehlt und die Dampflok der polnischen Staatsbahn originalgetreu wieder in Durlesbach aufgestellt werden kann, haben die rüstigen Rentner jeden Arbeitsschritt mit der Kamera dokumentiert. Knörle: „Sonst wäre der Zusammenbau unmöglich geworden.“

Als „besonders interessanten Abschnitt der Montage“ bezeichnet der 67-Jährige im Rückblick etwa das Anbringen der Schubstangen in der richtigen Reihenfolge. „Das war schon anspruchsvoll!“ Und die Arbeiten waren auch nicht immer angenehm. Hensler: „Die Isolierung bestand aus rauer Glaswolle, das war unmöglich.“

Die mächtige Lok dampft zwar längst nicht mehr, wie sie das früher einmal getan hat, aber sie ist und bleibt ein eindrucksvolles technisches Denkmal, das inzwischen zu Durlesbach gehört wie sein alter Bahnhof. Und dorthin soll das Fahrzeug auch zurück, so bald die Sanierung abgeschlossen ist. In den nächsten Wochen werden die Hobby-Mechaniker noch restliche Rohrleitungen verlegen, Verkleidungen anbringen, Fensterscheiben einsetzen sowie ein paar Lampen, das Läutwerk und einige Armaturen montieren. Knörle: „Einige Dinge wurden noch in Durlesbach abmontiert und gestohlen, die müssen wir im Original wieder beschaffen und das ist eher kompliziert.“

Und dann könnte theoretisch der Tieflader bestellt werden, der das schwarze Ungetüm wieder zurückbringt nach Durlesbach. „Aber zuerst müssen wir noch das Geld für einen Unterstand auftreiben, sonst rostet die Lok gleich wieder und es wäre schade um die viele Arbeit, die wir hineingesteckt haben“, sagt Manfred Knörle, der als Kassier des 38 Mitglieder starken Fördervereins auch einen Einblick hat in dessen Finanzen. Insgesamt seien bislang 12 000 Euro an Geldspenden eingegangen - der Löwenanteil entfiel mit 10 000 Euro auf die Kreissparkasse.

Geld für Unterstand fehlt

Für den Unterstand müssten aber weitere 40 000 Euro aufgebracht werden; ein entsprechender Entwurf für eine kombinierte Holz-/Glaskonstruktion des Waldseer Grafikers René Auer liegt dem Verein bereits vor. Nachdem die Stadt Bad Waldsee mit ihrem wohl berühmtesten Teilort überregional wirbt und die braunen Hinweisschilder an den Straßen auf Durlesbach aufmerksam machen, steht sie auch finanziell in der Verantwortung. Im laufenden Haushalt ist ein Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro für das Bauwerk vorgesehen. „Allerdings kommt dieser nur zur Auszahlung, wenn der Verein die restliche Finanzierung mit Hilfe von Sponsoren und Spendern sicherstellt“, erklärte Bürgermeister Roland Weinschenk dazu auf SZ-Anfrage.

Ob dem Förderverein dies jedoch 2010 noch gelingen wird, ist im Moment offen. Knörle: „Wir tun unser Möglichstes, damit die Lok schnell wieder an ihren Standort zurück kann, dort wird sie schon vermisst von den Besuchern.“ Derzeit stehen in Durlesbach nur die beiden Waggons, die zur Lok gehören, und ebenfalls dringend einen neuen Anstrich benötigen, und die Personengruppe mit dem legendären Geißbock aus der Werkstatt von René Auer.

Sollte es dieses Jahr nichts mehr werden mit dem Rücktransport nach Durlesbach, dann jedoch spätestens 2011 - das wäre ein gutes Datum, weil der Bahnhof dann sein 100-jähriges Bestehen feiert. Vereinsvorsitzender Michael Norhausen, der das ehemalige Bahnhofsgebäude seit bald zehn Jahren als Galerie und Wohnhaus nutzt, hat bereits angekündigt, dass es aus diesem Anlass ein Bahnhofsfest geben soll.

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