Ausstellung und Gebäude selbst sind Besuch wert

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Im Laufe der Zeit: Volker Knörle zeigt die erste Maske der Schussentäler (rechts), geschnitzt von Ernst Fässler, und wie die Mas (Foto: Kara Ballarin)
Schwäbische Zeitung
Landes-Korrespondentin

Es war ein mächtiges Stück Arbeit, bis die Ausstellung zur 50-jährigen Geschichte der Narrengilde Reute fertig war. „Ich habe noch nie eine Ausstellung gemacht, von den Mitgliedern der Narrengilde auch niemand“, sagt Volker Knörle. Und doch steht er nun im Pfarrhaus Reute inmitten von Masken, historischen Fotos, Wappen und Puppen – alles hat einen Platz gefunden.

Das historische Gebäude selbst ist für viele Reutener Bürger reizvoll – darin sind sich Knörle und der Bad Waldseer Stadtarchivar Michael Barczyk einig (siehe Kasten). Schließlich wohnte bis vergangenen Sommer Pfarrer Eiberle in dem Gebäude. Die Ausstellung bietet den Bürgern erstmals die Möglichkeit, die Deckenfresken und den prunkvollen Stuck anzusehen. „Viele Reutener waren hier drin noch nie“, sagt Knörle.

Bevor die Ausstellung in vier Räumen und im Gang des obersten Stockwerks des Pfarrhauses am Samstag öffnet, gab es viel Organisatorisches zu klären. Im September 2011 begannen die Gespräche – noch mit dem damaligen Bewohner Pfarrer Eiberle und mit der Gemeinde. Da das denkmalgeschützte Gebäude dem Land gehört, folgten Gespräche mit dem Amt für Vermögen und Bau in Ravensburg. Und auch das Denkmalschutzamt schaltete sich ein, berichtet Knörle. „Wir müssen einige Vorschriften beachten“, sagt er – etwa keine neuen Nägel in die Wände schlagen, nicht heizen, wegen der abstrahlenden Wärme nicht zu viel Beleuchtung und wegen Brandschutzbestimmungen sind nun auch nicht alle Räume für die Ausstellung genutzt.

Und wie kam es zur Ausstellung? „Am Anfang stand die Idee“, sagt Knörle. Der Büttel der Narrengilde war im Ausschuss zur Festschrift, die vor zehn Jahren zum 40-jährigen Bestehen der Narrengilde erstellt wurde. Schade war es damals, erinnert sich Knörle, dass man nur so wenige historische Bilder abdrucken konnte. „Man sammelt immer weiter Bilder, sieht sie aber nie.“ 300 der Bilder sind nun zu sehen – die Auswahl fiel nicht leicht, sagt Knörle. Rund 1200 Bilder haben die Narren und Bürger aus Reute, Gaisbeuren und den Teilorten zusammengetragen. Alle hat das Ausstellungsteam um Knörle abfotografiert, eingescannt, Dias digitalisiert – und archiviert.

Auf die vier Räume sind nun Stellwände (natürlich selbstgemacht) mit den 300 Bildern verteilt, geordnet nach den vier verschiedenen Masken der Reutener Narren plus Zigeuner. Es gibt Stellwände mit Bildern von Bräuchen, etwa der Schulstürmung oder dem Narrenbaumstellen. Beim Rundgang zeigt sich, wie sich die Gilde im Laufe der Jahre verändert hat – wie aus einer Fasnet, zu der sich mehrere Gemeinden in Reute getroffen haben, eine Maskenfasnet geworden ist. Die offizielle Gründung der Narrengilde war 1963. Gezeigt wird auch die erste Reutener Maske, die Goiß von 1971.

Puppen und Holzgestelle (auch selbstgemacht) zeigen lebensgroß die Reutener Masken und Kostüme und auch die der Patenzünfte im Alemannischen Narrenring (Baienfurt und Ravensburg) sowie die der Patenkinder (Haidgau, Bergatreute, Lauingen, Michelwinnaden, Ringschnait und Schindelbach-Zollenreute).

Das Team um Volker Knörle lernte durch Ausprobieren, wie man Bilder auf Holzbrettchen klebt, lernten zu improvisieren. „Das hat alles Zeit gekostet, gerade wenn man das noch nie gemacht hat“, sagt Knörle. Wieviel Zeit, das will er nicht schätzen. Denn er sagt auch: „Es war eine Arbeit, die man sich gern macht.“

Die Ausstellungeröffnung ist am kommenden Samstag um 14 Uhr. Öffnungszeiten bis 27. Januar: samstags 14 bis 16 Uhr, sonntags 11 bis 15 Uhr; weitere Terminvereinbarungen telefonisch unter 07524/912211.

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