Zwischen Kultobjekt und Spielzeug

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Die detailliert ausgestattete Klösterlegrippe ist derzeit im Museum Humpisquartier zu sehen. Im Bild der Krippenberg mit der hei
Die detailliert ausgestattete Klösterlegrippe ist derzeit im Museum Humpisquartier zu sehen. Im Bild der Krippenberg mit der heiligen Familie samt Besuchern. (Foto: Zlomke/Museum Humpisquartier)
Dorothee L. Schaefer

Die neue Ausstellung im Museum Humpis-Quartier bietet für die Advents- und Weihnachtszeit eine schöne und passende Untermalung. "Inszeniert - Klösterle-Krippe & Puppenstuben" nennt sich die sehenswerte Schau, die einen Seitenzweig des Kunsthandwerks, die so genannte Klosterkunst, in einen Zusammenhang setzt mit der Darstellung der Heilsgeschichte in den volkstümlichen Krippen und den Miniaturwelten der Puppenstuben. Somit steht auch die erste Ausstellung der neuen Museumsdirektorin, Sabine Mücke M. A., unter einem spezifisch süddeutschen und oberschwäbischen Thema.

Zuerst fällt der Blick im Obergeschoss auf 100 Jahre alte neapolitanische Krippenfiguren mit geschnitzten oder geformten Köpfen aus Holz oder Ton. Solche Krippen waren Vorbilder für die katholischen Länder weiter im Norden - man brachte Christi Geburt, aber auch biblische Szenen wie die Hochzeit zu Kanaan gleichsam auf Augenhöhe, versah sie mit viel Staffagefiguren und Requisiten und konnte den Fantasien von orientalischen Gewändern oder exotischen Tieren - wie die Kamele der Heiligen Drei Könige - weiten Raum lassen.

Die aus zwei Epochen stammende Klösterle-Krippe wird von den beiden Kuratorinnen nicht in kleinteiligen Szenen präsentiert, sondern die Engel zum Beispiel alle zusammen gestellt, so dass die verschiedenen Techniken - Holz- oder Wachsköpfe, unterschiedliche Kleidung aus dem 18. und späten 19. Jahrhundert erkennbar sind. Sehr interessant und zum ersten Mal hier präsentiert werden die Anfang des 20. Jahrhunderts aus "Jugendschutzgründen" entfernten Szenen mit dem Kindermord in Bethlehem, die in Ton gegossen und glasiert wurden. Mehrere Sammler haben viel beigesteuert, dazu gehören die Fatschenkinder oder Christkinder im Glasschrein von Jürgen Hohl, die als Privateigentum von Nonnen, die sie als Novizin bekamen, zur Andacht und Vergegenwärtigung dienten.

Dagegen hatten die Puppenstuben aus der hauseigenen Sammlung und von zwei Leihgeberinnen aus Bad Schussenried und Hagnau eine Bildungsfunktion für die höheren Töchter, sogar mit funktionstüchtigem, mit Spiritus betriebenen Küchenherd. Informativ wirken hier vor allem die noch authentisch erhaltenen Beispiele, denen man ansieht, dass mit ihnen gespielt wurde.

Damit das Ganze auch junge Besucher ins Museum lockt, wurde in Kooperation mit dem Kapuziner Kreativzentrum Ravensburg ein Workshop für Kinder und Jugendliche und eine neue Ravensburger Krippe eingerichtet. Aus Naturmaterialien wie Weidenruten, Papier und transparentem Stoff werden dann unter Anleitung eine Kulisse und neue Figuren in zeitgenössischer Interpretation entstehen. Die Kulissen werden natürlich auch mit Ravensburg und seinen Türmen zu tun haben - das ist Ehrensache. Den großartigen Engel in dieser Technik, der seit heute im Laubengang zur Roßbachstraße zu sehen ist, schuf Lisa Bourboulis vom "Lichterfest Ravensburg", inspiriert von Ernst Barlach, jedoch mit einer in den Raum sich wölbenden Bewegung als schwebende Lichtfigur.

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