Zwischen Überirdischem und Realsatire

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„Cash me, if you can“: Der Künstler Marco Schuler (rechts) mit Besuchern in seiner Ausstellung „Zwischen Schotter und Kies“.
„Cash me, if you can“: Der Künstler Marco Schuler (rechts) mit Besuchern in seiner Ausstellung „Zwischen Schotter und Kies“. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Die Ausstellung „Zwischen Schotter und Kies“ von Marco Schuler in der Kundenhalle der Kreissparkasse Ravensburg, Meersburger Straße 1, dauert bis 19. Oktober 2018. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 12.15 Uhr, montags, dienstags und freitags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

„Zwischen Schotter und Kies“ nennt Marco Schuler seine Ausstellung, die er mitten hinein in die Kundenhalle der Kreissparkasse Ravensburg platziert hat. Überwiegend großformatige Bilder, versehen mit einschlägigen Titeln, scheinen den Betrachter wie aus dem Außerirdischen zu erreichen. Skulpturen, die ihrer Form nach diesen Eindruck unterstreichen. Was es damit auf sich hat, erläuterte der Tübinger Kunsttheoretiker Johannes Meinhardt in seiner Eröffnungsrede am Montagabend.

Eifrig diskutiert hätten Besucher schon im Vorfeld der Eröffnung, so Vorstandsmitglied Manfred Schöner, was dieser Ausstellungstitel wohl bedeuten könnte. Mögen die einen spontan einen Zusammenhang mit einem Baustoffhandel vermutet haben, sei von anderer Seite gekommen, „Zwischen Zaster und Moneten“ hätte noch besser gepasst. Den Titel habe er mit Blick auf ein Geldinstitut bewusst gewählt. Durchaus, um zu provozieren und zu irritieren mit Werktiteln wie „Kassensturz“ oder „Cash me, if you can!“. Poetisch wird es mit „Der Haken mit den Frauen mein, tags soll ich Banker, nachts dann Räuber sein“. Zu sehen ist ein herabhängender kreisrunder Kopf mit einem Augenpaar, daneben im selben hellen Grauton ein Haken. Die obere Bildhälfte nimmt ein in Rottönen changierendes Oval ein. Darin ein kreisförmiges Augenpaar. Was beim ersten flüchtigen Blick nicht recht zusammen gehen will, lässt einen bei längerem Hinsehen nicht wieder los.

Eine Frechheit, dieser Slang, stellte Johannes Meinhardt als Frage an den Anfang seiner Rede. Das mit Blick auf das Bild „Universalmotorgerät“ von 2017. Kurz „Unimog“, der heute noch im Wald zum Einsatz käme. Bei Marco Schuler klettert er als schwarz konturiertes Ungetüm ansteigende „Bilanzkurven“ hinauf. Der Hintergrund leuchtet in roten und gelben Farbtönen. Auszumachen sind Figuren, so genannte Männchen in einer fiktiven Szene, die als Stellvertreter des Künstlers fungieren. 1972 in Bühl bei Baden geboren, hat Schuler an der Münchner Kunstakademie Bildhauerei studiert. Er war Meisterschüler von Olaf Metzel, von 2003 bis 2009 sein künstlerischer Mitarbeiter. Das Bild ist während eines DAAD-Projektstipendiums in Los Angeles 2002 entstanden. Direkt am Meer habe er gelebt und die Horizonte hätten ihn fasziniert.

Klar wird, Marco Schuler geht es um Räume. So wie er seine Bilder auch als Schachteln sehe. Johannes Meinhardt sprach von anthropomorphen Formen. Gemeint sind die frontal blickenden Augen, die einen aber nicht bedrohen würden, sondern neutral und freundlich wirken und auf Dialog aus seien. Er sprach von piktoralen Sujets, die in Alltagskulturen überführt würden, und Ideogrammen, von Notaten, die keine Wiedergabe von Gesehenem vermittelten, sondern in den Bereich des Erfundenen gehörten. Die eigene Biografie und kulturelles Wissen würden dem Bildhauer, Maler und vor allem auch Performer hierzu als Quellen dienen.

Die Ausstellung „Zwischen Schotter und Kies“ von Marco Schuler in der Kundenhalle der Kreissparkasse Ravensburg, Meersburger Straße 1, dauert bis 19. Oktober 2018. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 12.15 Uhr, montags, dienstags und freitags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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