Zum letzten Mal führt der Alt-Stadtarchivar Peter Eitel durch die Kirche in Weißenau

Lesedauer: 6 Min
 Im wertvollen Chorgestühl der Weißenauer Peter-und-Pauls-Kirche, das Peter Eitel hier Interessierten bei einem Rundgang erklärt
Im wertvollen Chorgestühl der Weißenauer Peter-und-Pauls-Kirche, das Peter Eitel hier Interessierten bei einem Rundgang erklärt, konnten einst 42 weiße Mönche des Prämonstratenserordens Platz nehmen. (Foto: Günter Peitz)
Günter Peitz

Seit 30 Jahren – so lange wie schon der Kulturkreis Eschach besteht, dessen Mitglied er ist – hat Peter Eitel Führungen in der Weißenauer Kirche und in den sonst nicht zugänglichen prachtvollen, vom ZfP genutzten Räumen des ehemaligen Klosters Weißenau angeboten. Jetzt führte der frühere Ravensburger Stadtarchivar zum 60. und letzten Mal über 40 Interessierte. Die Führung endete im ehemaligen Kapitelsaal: Dort würdigte Franz Feldmann, der Vorsitzende des Kulturkreises, die Verdienste von Eitel um das nationale Kulturgut Kloster Weißenau und dankte ihm für seinen jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz.

Von den Teilnehmern an der Führung hat es sicher niemand bereut, daran teilgenommen zu haben, denn Peter Eitel ist ein vorzüglicher Kenner der Geschichte der ehemaligen Reichsabtei und ihrer Schätze. Und so schwang auch Bedauern mit, dass er sich nun altershalber von dieser Aufgabe zurückzieht, auch um sich voll auf den dritten Band seiner „Geschichte Oberschwabens“ konzentrieren zu können. Bevor man sich in die Kirche begab, erfuhr die Gruppe von ihm auf dem Vorplatz einiges über den Reformorden der Prämonstratenser, der weißen Mönche. Von Rot an der Rot aus hatten sie den Talgrund besiedelt und das Land vorangebracht, nachdem der welfische Ministeriale Gebizo von Ravensburg 1145 das Kloster gestiftet hatte. 1283 schenkte Rudolf von Habsburg dem Kloster eine Heiligblut-Reliquie. Im linken Querhaus der Kirche, wo ihr ein Altar gewidmet ist, erklärte Eitel Einzelheiten. So wie nach Weingarten pilgerten früher auch nach Weißenau Wallfahrer, fand auch dort ein Blutritt statt, der aber immer im Schatten von Weingarten stand. Auch war das Kloster Weißenau nie so reich wie Weingarten. Übrigens entstand die barocke Weißenauer Klosteranlage mit ihrer herrlichen Innenausstattung 1717 bis 1724 nach Plänen des Vorarlberger Baumeisters Franz Beer auf der Basis der mittelelterlichen Anlage gleichzeitig mit Weingarten. Bauherr war Abt Leopold Mauch. Die berühmte Orgel stammt von Nepomuk Holzhay und entstand 1785. Peter Eitel bezeichnete es als nicht selbstverständlich, dass sich fast alle ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Klosters erhalten haben.

Schäden am Deckenstuck im Festsaal

In der „neuen“ Sakristei bewunderten die Führungsteilnehmer die hohen Schränke mit prachtvollen Intarsien, 1736 in der Klosterwerkstatt entstanden – und auch prächtige Ornate der Weißenauer Priester-Mönche, die in umliegenden, zum Kloster gehörenden Gemeinden als Seelsorger tätig waren, angefertigt wahrscheinlich im Frauenkloster Baindt, das enge Beziehungen zum Kloster Weißenau pflegte. Im Chor der Kirche, 100 Jahre älter als diese, lief es beim Betrachten des Gemäldes am Hochaltar von Christian Steinmüller doch manchem in der Runde ein wenig kalt über den Rücken, denn dort ist das Martyrium der Apostel Petrus und Paulus ziemlich drastisch dargestellt, wenn auch nur aus der Ferne sichtbar. Keineswegs so düster, sondern freundlich, festlich und hell empfanden die Besucher den Festsaal, wo der Abt früher hohe geistliche und weltliche Besucher des Reichsklosters empfing und ihm die leibeigenen Bauern huldigen und Treue schwören mussten. Im Zweiten Weltkrieg diente der Saal als Lazarett, war mit 60 Betten vollgestellt, in denen „massenweise gestorben wurde“, wie Peter Eitel berichtete. Ein Hinweis von ihm galt dem wunderbaren Deckenstuck des Wessobrunner Künstlers Franz Schmuzer, der offenbar Schäden aufweist. Vorsichtshalber sind Netze unter Teile der Decke gespannt worden und sie ist „verpflastert“. Drohen hier kostspielige Sanierungsarbeiten?

Der ehemalige Bibliothekssaal des Klosters auf der gleichen Etage, dessen bibliophile Kostbarkeiten einst in alle Welt verschleudert worden sind, war als Raum für das geplante neue Weißenauer Museum im Gespräch, ein Projekt, das nicht vorankommt. Inzwischen konzentriert man sich auf die „alte“ Sakristei im Erdgeschoss, die einst als letzter Raum im Rokokostil künstlerisch ausgestaltet wurde. Dort soll ein Besucherzentrum für das Kloster-Ensemble etabliert werden, doch reicht der Platz für ein Heimatmuseum, in dem neben der Klostergeschichte auch die Anfänge der Industrialisierung des Schussentals in Weißenau (Bleicherei) und die Geschichte der Psychiatrie dokumentiert werden müssten, nicht aus. Nach Einschätzung von Peter Eitel sind durchaus wertvolle Exponate vorhanden. Was aber das nunmehr angedachte bescheidenere Besucherzentrum betrifft, so müssten sich zunächst einmal die katholische und evangelische Kirchengemeinde einigen, wenn das Vorhaben vorankommen soll, war von Franz Feldmann am Rande der Führung zu hören. Ein Schwerpunkt des Museums sollte unbedingt der Bauernkrieg von 1525 sein, auf den Peter Eitel bei seiner Führung auch kurz einging.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen