„Zukunftsfähigkeit der Hochschulen ist in Gefahr“

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Studenten suchen verzweifelt Wohnungen. (Foto: dpa)
Dirk Grupe

Auch rund zwei Monate nach Semesterbeginn haben noch immer nicht alle Studenten in Ravensburg und Weingarten eine Unterkunft gefunden. Entweder nehmen sie weite Hin- und Rückfahrten zu ihren Heimatorten in Kauf, schlafen bei Kommilitonen auf einer Matratze oder campieren im Einzelfall sogar auf dem Campus (siehe auch Seite Weingarten).

In der Konsequenz appellieren nun die Spitzen der Hochschule Ravensburg Weingarten und der Pädagogischen Hochschule Weingarten sowie Studentenvertreter an die politisch Verantwortlichen, Abhilfe zu schaffen. „Wir fordern mehr bezahlbaren Wohnraum“, sagt stellvertretend Professor Thomas Spägele, Rektor der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Und PH-Kanzler Gregor Kutsch sagt: „Die Lage auf dem Wohnungsmarkt wird bei den anhaltend hohen Studierendenzahlen auch in Zukunft angespannt bleiben. Deshalb unterstützen wir jede Initiative zur Schaffung von Wohnraum für Studierende unserer und der Nachbarhochschule in Weingarten.“

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, läuft über die Studentenvertretung Asta an beiden Hochschulen eine Unterschriftenaktion, die schon nach kurzer Zeit mehr als 1500 Studenten unterschrieben haben. In dem Appel heißt es: „Studierende, die auf der Straße übernachten: Dies könnte in Weingarten bald Wirklichkeit werden, wenn nicht bald Entscheidendes geschieht.“ Die Wohnheime sind überfüllt, Zimmer auf dem Privatmarkt schwer zu finden und meist teuer, die Situation für manchen Studenten dramatisch, so der Appell weiter.

Insgesamt 6330 Studenten sind an den beiden Hochschulen eingetragen, alleine im Wintersemester haben 1200 neue Studierende ein Studium aufgenommen. „Viele von uns kommen aus anderen Teilen Deutschlands und der Welt“, so die Studentenvertreter. Genau hier liegen die größten Probleme. „Es lässt sich nachweisen, dass die Anzahl der Heimschläfer abnimmt“, sagt Rektor Spägele – und damit nimmt der Druck auf den Wohnungsmarkt zu. Gleichzeitig strömen immer mehr ausländische Studenten in die Region, an der Hochschule Ravensburg Weingarten, die drei englischsprachige Studiengänge anbietet, kommen sie zumeist aus Fernost, aus Indien, Pakistan, Bangladesch – und sprechen zumindest anfangs kein Deutsch. „Unsere Hochschulen sind multikulturell – aber unseren Gästen fällt es besonders schwer, Wohnraum zu finden.“ Am Ende müssen sie nicht selten unter höchst unbefriedigenden Umständen unterkommen, wie das Akademische Auslandsamt der Hochschule betont. Thomas Spägele fürchtet gar: „Wenn sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht verbessert, ist die Zukunftsfähigkeit unserer Hochschulen gefährdet.“

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