Wogen sind geglättet, Bagger können kommen

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Der Hochwasserschutz an der Schussen wird ab kommenden Dienstag nun endlich in die Tat umgesetzt.
Der Hochwasserschutz an der Schussen wird ab kommenden Dienstag nun endlich in die Tat umgesetzt. (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung

Nach fast zweijähriger Planungsphase ist es endlich so weit: Die Bauarbeiten für den Hochwasserschutz an der Schussen zwischen Meersburger Straße und Schussentalviadukt in Ravensburg können beginnen. Am kommenden Dienstag sollen nun die Bagger anrücken. Wie die SZ mehrfach berichtete, hatte die Verwirklichung dieses Jahrhundertprojektes die Wellen hochschlagen lassen.

Von unserem Mitarbeiter  Uli Coelius

Nach dem Planfeststellungsbeschluss hat das Regierungspräsidium Tübingen die Bauarbeiten für den letzten Bauabschnitt des Hochwasserschutzes am gesamten Schussenlauf nun in Auftrag gegeben. Spätestens im Sommer 2011 sollen sie abgeschlossen sein. In einer Pressemitteilung heißt es dazu: „Mit der Sanierung des vorhandenen Hochwasserdammes entlang der Straße am Schussendamm, dem Bau eines neuen Dammes zwischen den Fußgängerbrücken sowie der Wegerhöhung zwischen Fußgängerbrücke und Kleingartenanlage, wird der Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser sichergestellt.“

Die Zunahme extremer Wetterlagen hat das Land Baden-Württemberg für das Thema Hochwasserschutz in Siedlungsbereichen schon seit längerem in hohem Maße sensibilisert. Zu den permanent Gefährdeten zählen zweifellos die Bewohner der Schussensiedlung. Vielleicht musste es dennoch erst innerhalb weniger Monate (April und Juli 2008) zu sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen kommen, um den Ravensburger Stadtverantwortlichen den Mund für das Thema Hochwasserschutz wässrig zu machen. Wobei es bereits 2004 erste Planungen gab. Bis es allerdings dazu kam, dass am 14. September mit den Bauarbeiten an der Schussen begonnen werden kann, tauchten viele Probleme auf, entfachten sich Konflikte mit Umweltschützern und Anwohnern.

Siedlungsbewohner protestieren

Sechs Alternativen sollen in der Diskussion gewesen sein, unter anderem ein Hochwasserrückhaltebecken im nördlichen Bereich. Da allerdings wäre die Stadt wohl in eine Kostenfalle in zweistelligem Millionenbereich getappt. Ulfried Miller, Leiter des Ravensburger Zentrums für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), beim Blick zurück: „Das wäre ein schrecklicher Eingriff in die Natur gewesen. Und wer hat schon gerne einen Staudamm vor der Nase.“ Als bereits zu Beginn dieses Jahres zahlreiche Bäume an der Schussen für den Hochwasserschutz gefällt wurden, gingen Anlieger der Schussensiedlung auf die Barrikaden. Dazwischen lagen Bürgerinformationen mit Vertretern des Regierungspräsidiums, intensive Gespräche, etwa zwischen BUND, Stadtverwaltung und Gemeinderäten.

Die Wogen haben sich geglättet, weil alle Seiten Kompromissbereitschaft zeigten. So wird die Schussen noch im September im Bereich der beiden Fußgängerbrücken verlegt (Fachjargon: verschwenkt). Die gewählte Bauweise eines Dammes mit Spundwandkern trägt dazu bei, dass es zu keinem Kahlschlag kommt.

BUND-Experte Ulfried Miller: „Mit dieser Planung können wir leben. Junge Bäume, die einmal gepflanzt werden sollen, können alte zwar nicht ersetzen. Aber wir akzeptieren das öffentlichte Interesse am Hochwasserschutz, gerade in Zeiten wie diesen.“

Auch Bernhard Wölhoff vom Tiefbauamt ist’s zufrieden. Die Stadt habe sehr gut zugehört, was ihr der BUND zu sagen gehabt habe. „Ich denke, wir sind zu einer für alle Seiten akzeptablen Lösung gekommen.“ Vor allem zu einer machbaren. Circa 1,2 Millionen Euro soll das Projekt kosten; Eigenanteil der Stadt: zwischen 450 000 und 500 00 Euro. Vorläufiges Schlusswort von Lothar Heisel, Referatsleiter im Regierungspräsidium: „Eine Schwergeburt war es schon. Doch am Ende hat mich erstaunt, dass es sogar parteiübergreifenden Beifall gab.“

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