Wo Strategie aufhört und Taktik anfängt

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Ein Zweikampf um den Ball
Beim Verbandsligisten TSV Berg gibt es eine klare Strategie: Pressing. Die Taktik gibt vor, wie diese Vorgabe im einzelnen Spiel am besten umgesetzt werden kann. (Foto: Alexander Hoth)
Maximilian Kroh

Zugegeben: Strategie und Taktik voneinander zu unterscheiden, ist eine sehr theoretische Geschichte, denn letztlich geht es nur um die Definition der Begriffe. Aber es ist eine entscheidende Frage, um die Komplexität zu verstehen, die hinter diesen Überlegungen steckt – auch im Amateurfußball. Patrick Singrün, Co-Trainer beim Verbandsligisten TSV Berg, unterscheidet Strategie und Taktik wie folgt: „Die Strategie ist ein System von Plänen und Entscheidungsalternativen, etwas Längerfristiges und Spielübergreifendes. Die Taktik ist dagegen primär auf ein Spiel ausgelegt. Taktiken sind die Mittel, die eingesetzt werden, um strategische Ziele zu erreichen.“

In einem praktischen Beispiel können hohe Balleroberungen eine Strategie sein, Tore zu erzielen und Spiele zu gewinnen. Ein taktisches Mittel wäre dann wiederum, den Gegner ins Zentrum zu lenken und dort den Ball zu erobern. Die Taktik baut also auf der Strategie auf – in beide Richtungen. „Für unser Spiel ist die Strategie Pressing entscheidend“, erklärt Bergs Cheftrainer Oliver Ofentausek. „Dann braucht es taktische Mittel, die vorgeben, was passiert, wenn wir nicht ins Pressing kommen.“

Wie in Berg gibt es solche Strategien und Philosophien überall. Steffen Wohlfarth bevorzugt beim FV Ravensburg einen Mix aus Pressing und Ballbesitz, Achim Pfuderer vom SV Oberzell legt dagegen mehr Wert auf eine stabile Defensive. „Diese Philosophie würde ich aber nie durchsetzen, wenn ich weiß, dass ich damit das Falsche bezwecke“, sagt er.

Grundsätzlich haben alle Trainer ihre Prinzipien, an denen sie festhalten. „Die werden nicht über den Haufen geworfen“, stellt Ofentausek klar. Sie haben nichts mit der Formation zu tun, sondern lassen sich auf alle Systeme anwenden. Wichtig sei aber, so Ofentausek, nicht mit zu vielen Prinzipien zu arbeiten. „Vier bis fünf reichen da. Es geht dann um die Detailarbeit innerhalb dieser Prinzipien.“

Hat bei so vielen Vorgaben und Philosophien die individuelle Freiheit der Spieler überhaupt noch Platz? Diese Frage lässt sich mit einem einfachen Ja beantworten. „Das macht den Fußball aus“, sagt Steffen Wohlfarth. „Je weiter es vor das gegnerische Tor geht, desto mehr Risiko, desto mehr individuelle Klasse ist gefragt.“ Bei Ofentauseks Berg gibt es aber auch hier klare Prinzipien, wann Kreativität erlaubt ist und wann nicht: „Die Spieler müssen ihre Stärken so einsetzen, dass sie eine Waffe und keine Gefahr sind“, erklärt Ofentausek. Die Spieler bekommen im Training mehrere Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und setzen diese im Spiel um. „Wir beschränken das aber auf vier oder fünf Lösungsmöglichkeiten“, so der Verbandsliga-Coach. „Das ist Kreativität genug.“

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