„Wir machen das wie jeden Tag: Wir geben alles“

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Bei der Stafettenübergabe in der Bachstraße ist noch alles frisch bei Roswitha Malewski, Rektorin der Grundschule Kuppelnau – a
Bei der Stafettenübergabe in der Bachstraße ist noch alles frisch bei Roswitha Malewski, Rektorin der Grundschule Kuppelnau – aber dann liegen 620 Meter vor ihr. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

„Ravensburg läuft“ ist für Läufer das sportliche Jahres-Highlight in der Schussentalmetropole. Neben all den ambitionierten Sportlern, die Rekordzeiten hinterher laufen, gehen aber auch jedes Jahr Hunderte von kleinen und großen Hobbyläufern an den Start: Bambini, Schüler aller Klassenstufen – und als Novum zum ersten Mal überhaupt auch eine Lehrermannschaft.

Als das Team der Kuppelnauschule und der Startnummer 365 auf den T-Shirts mit roten, erhitzten Gesichtern gegen 19 Uhr endlich unter dem rot-weißen Absperrband hindurchschlüpft und auf dem südlichen Marienplatz einen Gastronomiebetrieb ansteuert, da entfährt Roswitha Malewski ein erleichtertes „Schön war’s“. Sähe man nicht den Schalk aus den Augen der Grundschul-Rektorin blitzen, man würde beinahe denken, es sei ihr wirklich eine wahre Freude gewesen und kaum der anstrengenden Rede Wert. 25 Minuten zuvor – Startläuferin Susanne Eckelmann kommt die Bachstraße heraufgerannt und drückt der zweiten Stafetten-Läuferin Malewski den roten Stab in die Hand – da strahlt die aparte Schulleiterin noch übers ganze Gesicht, packt beherzt zu und nimmt das Pflaster Richtung Marienplatz und Frauentor unter die Sportschuhe.

Aber bereits zu jenem Zeitpunkt sind Teams der Sportklinik und der Landknechte und kurz danach auch der Inklusionsmannschaft „Rakete“ des TSB Ravensburg an der Startläuferin vorbeigezogen und schließlich müssen sich die Lehrer Eckelmann, Jung, Wadulla samt ihrer Chefin gar mit dem vorletzten Platz zufrieden geben. Das Team Kuppelnauschule muss laut Reglement des Stadtlaufs auch mindestens eine Läuferin in der Mannschaft haben, was „im sehr frauenlastigen Kollegium“ gar nicht das Problem gewesen sei, wie Malewski erklärt. Und auch Fans und Kollegen, die sich mit handgemalten Bannern und ordentlich Schmackes in der Stimme an der Laufstrecke tummeln, fehlen nicht. Woran es im Team hapert, ist wohl schlicht die läuferische Erfahrung. Außer Arkadius Wadulla, der Sport unterrichtet, sind die Teammitglieder allesamt maximal sporadische Freizeitsportler. Was sich schon daran ausmachen lässt, dass das vielköpfige Aufgebot, das die Ravensburger Sportklinik auf die 620 Meter langen Staffeleinsätze schickt, sich lachend dehnt, streckt, hüpft und die fest bemuskelten Beine aufwärmt – während Susanne Eckermann noch gemütlich einen Espresso trinkt und Roswitha Malewski ganz zugewandt mit ihren Schülern plaudert.

Ob sie die sportliche Herausforderung „Stadtlauf“ – bei knapp 30 Grad, mit nicht zu unterschätzenden Steigungen – wohl zu unbedarft angehen? Lehrerin Eckelmann sagt augenzwinkernd: „Wir machen das wie immer und was wir jeden Tag machen: Wir geben alles!“ Und Schulleiterin Malewski stibizt sich für ein schnelles Fake-Foto den Gewinner-Pokal ihrer Grundschüler und kündigt trocken an: „Ab morgen trainieren wir, in einer Laufgruppe, für den Stadtlauf 2019!“ Vielleicht sogar mit Tipps von Fine Walther. Die Kuppelnau-Schülerin hat nämlich den Kinder-U10-Lauf souverän als schnellstes Mädchen für sich entschieden.

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