What a wonderful World

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„What a wonderful World” mit dem Glenn Miller Orchestra unter Leitung von Wil Salden im Konzerthaus.
„What a wonderful World” mit dem Glenn Miller Orchestra unter Leitung von Wil Salden im Konzerthaus. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Selten ist dieser swingende Sound, wie ihn dereinst Glenn Miller kreiert hat, in hiesigen Breitengraden zu hören. Am Sonntagabend bot sich den Zuhörern im gut besuchten Konzerthaus beim Gastspiel des Glenn Miller Orchestra, unter der Leitung von Wil Salden, die Gelegenheit dazu. „Jukebox Saturday Night“ hieß ihr rund zweistündiges Programm, das von der legendären „Moonlight Serenade“ bis zu „Pennsylvania 6-5000“ sämtliche Klassiker auffuhr. Ein absoluter Hörgenuss.

Die Big Band, mit den Schildern vor ihren Plätzen, auf denen jeweils der Name ihrer Ikone „Glenn Miller“ stand, wirkte wie aus der Zeit gefallen. Mit den akkurat installierten Dämpfern in leuchtendem Rot-Weiß, die mittendrin auch eine Verwendung als Hut fanden, denn Wil Sanders Musiker sind alles andere als statisch. Sie schwenkten die Posaunen rhythmisch von einer Seite zu anderen, während immer neue Solisten nach vorne an das Mikrofon traten, um exzellente Klangschönheit zu bieten. Währenddessen hatte sich das Schlagzeug, einmal nicht ganz hinten versteckt, prominent auf einem Podest eingerichtet.

Ihre „Moonlight Serenade“ eröffnete das Konzert und damit war sofort klar, dieses Orchestra ist ganz von heute. „Unsere Band ist Ihre Jukebox. Sie werden zufrieden nach Hause gehen“, moderierte Salden, der zugleich die Klavierpartien übernahm, den Abend humorvoll und versiert. Er, 1950 in den Niederlanden geboren, ist ein ausgewiesener Glenn Miller-Kenner. Nach jahrelangen Recherchen zur Geschichte des US-amerikanischen Musikers konnte er dessen Original-Notenmaterial aufspüren, dessen Arrangements übernehmen und aufführen. Nach Millers plötzlichem Tod bei einem Flugzeugabsturz, 1944 auf dem Weg nach Paris, agierte dessen Orchester vorerst ohne Dirigent, bis sich wechselnde Chefs einfanden. Im März 1990 wurde Wil Salden am New Yorker Broadway vom Präsidenten der Glenn Miller Productions Inc. die Leitung des Glenn Miller Orchestra für Europa und Teile Asiens übertragen.

Sie verkörpern den Glenn Miller-Schmelz

Das ist die Basis für diese perfekt organisierte und strukturierte Big Band. Sie verkörpert den typischen „Glenn Miller Sound“ in einer beeindruckenden Klangschönheit, in der vorderen Reihe mit zwei Alt- und zwei Tenorsaxophonen. Dazwischen eine Klarinette, was einem Zufall geschuldet ist: Als Miller beim Auftritt seiner, in den 1930er Jahren gegründeten Band, ein Trompeter ausfiel, ersetzte er diesen durch eine Klarinette. Selbst komponiert hat Miller genau gesagt nur einen Song – 1939 die Moonlight Serenade mit dem Text von Mitchell Parish, die zu seiner Erkennungsmelodie wurde. Alles andere sind Arrangements von berühmten Namen wie Benny Goodman, Cole Porter oder Joe Garland, der für den Megahit „In the Mood“ verantwortlich zeichnet. Ohne ihn kein Glenn Miller.

Wil Saldens Orchestra beherrscht diesen Schmelz in langsam swingenden Stücken wie „Stairway to the Stars“, für den Sängerin Ellen Bliek die Bühne betrat. Ihr Sopran brachte die sehnsuchtsvolle und selbstverliebte Melodie zum Ausdruck, die vielen Menschen gerade während des Krieges über schwere Zeiten hinweg half. Anders tönten temporeiche und zupackende Titel mit haarscharf konturierten Bläsersätzen in „Tschaikowsky´s Piano Concerto“ oder ihr „Jukebox Saturday Night“, für das neben Ellen Bliek einige Musiker zum Mikrofon griffen und sangen. Was hier so leicht und entspannend klang, war in Wirklichkeit harte Arbeit. Alles muss sitzen – von der Choreografie bis zum roten Tuch in der Brusttasche. Mit Klassikern wie dem romantischen „’s Wonderful“, „The Saint Louis Blues March“ oder einem dampfenden „Chattanooga Choo Choo“ haben die Musiker alte Zeiten neu und frisch aufleben lassen. „What a wonderful World“, die es in ihrer Hommage an Glenn Miller an keiner noch so kleinen Nuance fehlen ließ.

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