„Wer zufrieden ist, bleibt zu Hause“

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Zahlreiche Gäste aus der Stadt und der näheren Umgebung sind am Sonntagabend ins Ravensburger Rathaus gekommen, um dem wiedergewählten Oberbürgermeister zu gratulieren. Viele drückten aber auch ihr Bedauern über die niedrige Wahlbeteiligung aus.

Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha, der lange als Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat saß, kommentierte das Ergebnis mit „Recht so! Gut so! Die niedrige Wahlbeteiligung liegt nicht an der Arbeit von Dr. Rapp selbst. Leider wissen viele nicht, was für ein herausragendes Recht das Wahlrecht ist.“ Lucha arbeite sehr gern mit Rapp zusammen. Was dieser anpacke, habe Hand und Fuß.

Rapps Vorgänger Hermann Vogler bedauerte ebenfalls, dass vergleichsweise wenige Bürger zur Wahlurne gegangen seien. Das zeige einen „Mangel an Wertschätzung“ für das Amt. Aber man kann das auch positiv sehen. So wie Axel Müller aus Weingarten, direkt gewählter Bundestagsabgeordneter im Landkreis Ravensburg: „Zur Wahl gehen eher die Unzufriedenen, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen. Wer zufrieden ist, bleibt zu Hause.“ Dass eine schlechte Wahlbeteiligung ein Problem von größeren Städten sei, meinte der Berger Bürgermeister Helmut Grieb. „Bei uns in den Gemeinden sind Sie noch enger dran, in der Stadt gibt es einfach andere Strukturen.“ In Berg habe die Wahlbeteiligung immer bei mindestens 40 Prozent gelegen, auch ohne Gegenkandidat.

Vor allem junge Menschen scheinen sich für die OB-Wahl nicht besonders interessiert zu haben, obwohl 16- und 17-Jährige wählen durften. Maximilian Kremer (18), der 2016/2017 Vorsitzender des Schülerrats war und jetzt Kreisvorsitzender der Jusos ist, meint, in seiner Altersklasse würden sich die meisten nicht mit kommunalen Themen auseinandersetzen. „Viele waren der Meinung, dass Rapp ja eh wiedergewählt wird und das deshalb keine echte Wahl war.“

„Es ist halt schlimm, wenn man nur eine Spaßkandidatin als Gegenkandidaten hat“, meint auch Stadträtin Gisela Müller (SPD). „Ein Gescheiter hätte gutgetan.“ Als „Schande“ empfindet es Willi Müller von der Senioren-Union, dass Fridi Miller mehr als 5 Prozent der Stimmen geholt hat. Und die Nichtwähler seien wahrscheinlich diejenigen, die hinterher über „alles schimpfen“ würden.

Glücklich war auf jeden Fall Rapps Baubürgermeister Dirk Bastin: „Für ihn persönlich freue ich mich sehr, und für mich auch – wegen der guten Zusammenarbeit.“

Markus Ewald, Oberbürgermeister von Weingarten, wertet das Ergebnis für einen „Beweis für die sehr gute Arbeit von Daniel Rapp“: „Ich freue mich sehr darüber. Die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Städten ist toll - zwischen uns beiden, aber auch zwischen den Verwaltungen.“ Die Wahlbeteiligung wertet Ewald als sehr gut: „In dieser Konstellation und im Vergleich mit anderen Städten kann man damit sehr zufrieden sein.“ Das sieht auch Bad Waldsees Bürgermeister Roland Weinschenk so: „Es ist schwer, mehr Wähler zu mobilisieren, wenn es so klar ist.“

Für einen „herausragenden Oberbürgermeister“ hält CDU-Landtagsabgeordneter und Ravensburgs CDU-Fraktionschef August Schuler seinen Parteifreund Daniel Rapp. Schuler: „Das Ergebnis erfüllt mich mit großer Freude, und auch mit der Wahlbeteiligung kann ich sehr gut leben. Jetzt können wir acht weitere Jahre zusammenarbeiten.“

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