Wenn Ravensburg zum Karate-Zentrum Deutschlands wird

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Frank Bareis (links) und Günter Mohr zeigen anderen Karateka ihre Techniken.
Frank Bareis (links) und Günter Mohr zeigen anderen Karateka ihre Techniken. (Foto: Jonas Schmitt)
Jonas Schmitt

Wer Interesse am Karatetraining hat, der ist im KJC Ravensburg gut aufgehoben. Geschnuppert werden kann immer dienstags, donnerstags und freitags ab 19 Uhr. Die Termine weichen während der Sommerferien ab. Weitere Infos unter www.kjc-sportcenter.de

Das diesjährige Sommercamp des Karateverbandes Baden-Württemberg (KVBW) lockt seit Donnerstag wieder Karateka aus ganz Deutschland nach Ravensburg. Mit ungefähr 200 Teilnehmern rechnet der Veranstalter. Plus jene, die mit einer Tageskarte teilnehmen möchten, so der Schatzmeister des KVBW. Geboten wird vielseitiges Training von internationalen Größen wie Kenichi Sato und Seiji Nishimura, dem Nationaltrainer Japans. Die Türen stehen dabei bis Sonntag allen Altersklassen und Gürtelgraden offen, egal ob beim Pratzentraining oder oder beim Selbstverteidigungskurs.

Im Camp beginnt der Tag morgens gegen acht Uhr. Eine kleine Gruppe aus Konstanz und Fürstenfeldbruck frühstückt gemeinsam, müde Seelen werden bei Kaffee aus Bierkrügen munter. Unbeschwert wird vom typischen Tagesablauf beim Sommercamp erzählt, während die 23-jährige Anke Mück aus Bayern Rührei für ihre Mitstreiter macht. „In der Kuppelnauhalle trainieren die Schwarzgürte, bei den Gymnasien die Farbgürte. Dabei sind aber alle, losgelöst von ihrem Gürtelgrad, überall willkommen. Nimmt ein Karateka mit schwarzem Gürtel bei den Farbgürten teil, unterstützt er eben die weniger Erfahrenen“, meint der 56-jährige Rainer Rutka aus Konstanz. Beim Frühstück schaut man sich den Trainingsplan durch und kreuzt an, was einen interessiert. Dabei gibt es verschiedene Schwerpunkte je nach Trainer. Kenichi Sato wird dabei vom 18-jährigen Manuel Reichelt ehrfürchtig als „Kata Gott“ bezeichnet.

Absoluter Pflichttermin ist das Training von Günter Mohr vom KJC Ravensburg um halb elf. Darüber herrscht Einigkeit. Für den 13-Jährigen Lukas Dreher aus Konstanz, den jüngsten am Tisch, beginnt der Trainingstag heute auch nicht früher, er nimmt „nur“ an vier Trainingseinheiten teil. Die anderen nennen das „Gnadenfrist“ und lachen. Auf die Frage, was das Sommercamp in Ravensburg besonders macht, gibt es eine klare Antwort. Man wisse genau, was einen erwartet, nämlich tolles Programm und großartige Trainingsangebote. Dabei spricht Manuel von Ravensburg als „das Karatezentrum in Baden-Württemberg“.

Wenig später wird klar, warum das Training bei Günter Mohr nicht verpasst werden darf. Der 67-jährige Ravensburger brennt für die Kampfkunst und teilt sein Wissen gerne. Angefangen hat er 1967, zehn Jahre später war er Vize-Weltmeister. Sein Training beginnt nach Aufwärm- und Dehnübungen mit dem „Kihon“, den Grundtechniken. Dabei erklärt er, wie Karate als Selbstverteidigung entstanden ist und die Bedeutung verschiedener japanischer Begrifflichkeiten. Es geht um die Einheit von Körper und Geist. Besonders wichtig seien dabei Koordination und die Orientierung im Raum, erklärt er. Nach den Grundtechniken folgt das „Kumite“, der Kampf zu zweit. Mohr beobachtet die Teilnehmer und verbessert hier und da. Was ihn besonders freut: „Beim Karate geht es weniger um Kraft oder Körpergewicht, als um Geschick und Technik. Das ist nützlich im Alltag und in der Selbstverteidigung“.

Der letzte Aspekt des Trainings besteht aus dem „Kata“, der Form. Hier kommen alle Teilnehmer noch einmal ins Schwitzen, bevor das Training zu Ende ist. Auf die Frage, ob es sich beim Sommercamp in Ravensburg tatsächlich um das Karatezentrum Baden-Württembergs handelt, antwortet er selbstbewusst, dass es sich doch eher um das Karatezentrum Deutschlands handelt und verabschiedet sich freundlich.

Am Nachmittag werden dann neben dem Training auch noch Fototermine und Autogrammstunden mit allen Trainern angeboten. Gegen 19 Uhr wird es etwas ruhiger um die Ravensburger Gymnasien. Es wird nämlich nicht mehr dort, sondern auf dem Gelände des TSB Ravensburg campiert. Nach Angaben von Mohr, der dem Ausrichter der Veranstaltung vorsitzt, können die Teilnehmer aufgrund von Baumaßnahmen an den Gymnasien ihre Zelte dort dieses Mal nicht aufschlagen. „Es haben sich alle Seiten größte Mühe gegeben, eine Lösung zu finden, und ich denke, das ist ganz gut gelungen“. Für das körperliche Wohlbefinden der Teilnehmer von nah und fern stehen das KJC und die Gaststätte des TSB zur Verfügung und auch für Strom ist auf dem neuen Campingplatz gesorgt.

Den Ortswechsel sieht die Gruppe um Norbert Kutka aus Fürstenfeldbruck und Rainer Rutka aus Konstanz gelassen. Zwar habe die Benachrichtigung der Veranstalter ihn nur noch in letzter Sekunde erreicht, aber er sei sich des organisatorischen Aufwands, den eine solche Veranstaltung mit sich bringt, durchaus bewusst, weshalb der Ortswechsel den 56-jährigen Konstanzer wenig stört. Auch sein aus Bayern angereister Kamerad erachtet die Lage als wenig problematisch.

Zwar sei der Weg zu den Veranstaltungen etwas weiter, aber angesichts der Vorfreude auf die Trainer und das anstehende Programm sei das kaum wichtig. Außerdem gebe es keine Nachbarn, denen es abends zu laut werden könnte, ergänzt sein Kamerad.

Wer Interesse am Karatetraining hat, der ist im KJC Ravensburg gut aufgehoben. Geschnuppert werden kann immer dienstags, donnerstags und freitags ab 19 Uhr. Die Termine weichen während der Sommerferien ab. Weitere Infos unter www.kjc-sportcenter.de

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