Wenn Giganten bei der Oberschwabenschau einparken, ist das Millimeterarbeit

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Live in Ravensburg: Nutzfahrzeuge von Von New Holland kommen auf dem Gelände vor der Oberschwabenhalle an. Pascal Waibel von Ney
Live in Ravensburg: Nutzfahrzeuge von Von New Holland kommen auf dem Gelände vor der Oberschwabenhalle an. Pascal Waibel von Neyer Landtechnik weist die Fahrer ein (Foto: Felix Kaestle)
Schwäbische Zeitung

„Halt, nochmal zurück!“ Pascal Waibel winkt, und sein Kollege setzt die 653-PS-Maschine mit den 16 Litern Hubraum behutsam wieder in Bewegung. Ein paar Meter nach hinten, ausholen, das Bodenpersonal gibt dem Kollegen droben im Führerstand Zeichen, jetzt passt es: Der selbstfahrende Feldhäcksler steht exakt da, wo er laut Skizze hin soll. Waibel ist zuständig für den Aufbau bei Neyer Landtechnik aus Bad Waldsee. Eine ausgeklügelte Choreografie ist derzeit das A und O auf der Oberschwabenschau.

Auch einige Meter weiter rangieren Kollegen mit Giganten. „Wir müssen immer als erste auf dem Gelände sein, sonst geht es schief“, sagt Gerhard Christ. Als Werksbeauftragter des Landmaschinenherstellers Krone koordiniert er insgesamt sieben Händler an einem Messestand.

Die dreieinhalb bis fast vier Meter hohen Maschinen von Neyer stehen wie die Krone-Fahrzeuge anfangs etwas einsam auf dem geschotterten Freigelände der Oberschwabenschau. Bei Neyer wird gerade ein Meterstab gezückt. Die Räder des Feldhäckslers sind über 1,80 Meter hoch und überragen Pascal Waibel, trotzdem achtet der auf Zentimeter. Er hat die Verantwortung dafür erst dieses Jahr vom Seniorchef übernommen, der das Jahrzehnte gemacht hatte.

Das Krone-Team hat seine Giganten in einer Art Sternfahrt aufs Messegelände gebracht, aus Bietingen, Alleshausen und Bad Waldsee. Treffpunkt war um Punkt 13 Uhr am Messetor: „Da alle wissen, wie lang sie für die Strecke zur Oberschwabenschau brauchen, sind alle gleichzeitig angekommen“, ist Christ zufrieden. Auf dem 221 Quadratmeter messenden Krone-Areal fällt ein Lade- und Häckseltransportwagen auf, der fast vier Meter hoch und über zehn Meter lang ist. „Ist aber gar nicht der Größte aus dem Sortiment“, winkt Gerhard Christ ab, jener hätte fast zwölf Meter Länge. Der Zweitgrößte fasst immerhin schon 40 Kubikmeter.

Daneben hat Christ eine Großballenpresse eingepasst. Wenn die übers Feld rollt, produziert sie Ballen, die 120 Zentimeter breit und 90 Zentimeter hoch sind und über drei Meter lang werden können. An der Ballenpresse sind auf 120 Zentimetern 51 scharfe Schneidmesser verteilt. Christ erklärt, was die Landwirte an dieser Presse schätzen: Sie liefert besonders kompakte Ballen, die etwa 25 Prozent mehr wiegen als normale Ballen derselben Größe. „Weniger Ballen, schneller fertig, weniger Lagerraum, weniger Kosten“, so einfach ist das.

Bei Neyer hat man die Fahrzeuge vorab in der Werkstatt durchgecheckt, obwohl sie neu sind, und liebevoll auf Hochglanz gebracht. Dann ging es im Konvoi von Mennisweiler nach Ravensburg, über Nebenstrecken. In der Ravensburger Innenstadt sind sie natürlich aufgefallen. „Kinder und ältere Leute staunen, Autofahrer sind manchmal genervt“, weiß Pascal Waibel. Die Engstelle am Messetor haben sie problemlos geschafft, den Stammplatz erreicht. Gleich polieren die Männer wieder, der Staub von der Fahrt muss weg, „die sollen ja picobello dastehen“. Viel später kommen Zelt, Fahnen, Kaffeemaschine, und sie werden den aufgewühlten Schotter mit einem Rechen glattziehen.

Generell reagieren Verkehrsteilnehmer durchaus unterschiedlich auf die rollenden Giganten, weiß Gerhard Christ von Krone. „Die können auf der Straße angsteinflößend wirken.“ Von Menschen, die wenig mit der Landwirtschaft zu tun hätten, höre er oft kritische Stimmen: Warum muss das heute alles immer noch größer werden? Christ klärt gern auf: „Wir befinden uns mitten in einem großen Wandel. Die Landwirte werden dabei immer weniger und die Betriebe größer.“ Derzeit liege die Durchschnittsgröße eines Hofs in Deutschland bei etwa 60 Hektar, „und ich persönlich vermute, dass es schon in zehn Jahren eher 100 Hektar sein werden“. Landwirte hätten also gar keine andere Chance, als ihre Arbeit immer effizienter zu organisieren.

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