Weitaus weniger Plastik in Biogülle als befürchtet

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Die Dünger aus Biogasanlagen haben Plastikanteile weit unter dem Grenzwert.
Die Dünger aus Biogasanlagen haben Plastikanteile weit unter dem Grenzwert. (Foto: DPA/Patrick Pleul)
Günter Peitz

Werden die heimischen Äcker durch Dünger aus Biogasanlagen, also Biogasgülle, in denen gewerbliche Abfälle wie zum Beispiel nicht mehr genießbare, überlagerte Lebensmittel vergoren werden, stark mit Plastik-Rückständen von Kunststoff-Verpackungen belastet? Im Kreistag war der Verdacht geäußert worden. Walter Sieger, Leiter des Dezernats Kreisentwicklung, Wirtschaft und ländlicher Raum im Landratsamt Ravensburg, ist der Sache nachgegangen.

Im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik (AUT) berichteten er und Sachbearbeiter Matthias Traub jetzt vom Ergebnis von teils unangemeldeten Überprüfungen, die das Landratsamt bei den fünf Firmen vorgenommen hat, die solche Abfälle annehmen dürfen und in ihren Anlagen vergären, wobei Energie und Gülle gewonnen werden. Überraschendes Ergebnis: Die Anlagen dieser Unternehmen arbeiten durchweg gut und ensprechen den gesetzlichen Vorgaben. Der Dünger, den sie erzeugen, weist bei Plastikanteilen über zwei Millimeter durchweg einen weit unter dem Grenzwert von 0,5 Prozent liegenden Anteil über zwei Millimeter auf, der laut Düngemittelverordnung eingehalten werden muss. Das Problem der Plastikanteile unter zwei Millimeter ist aber noch ungelöst, weiß der Fachmann. Ob dieses Problem, auch die kleineren Plastikanteile herauszuholen, technisch ebenfalls lösbar ist, bleibt abzuwarten. Generelle „Entwarnung“ kann der Fachmann im Landratsamt daher noch nicht geben, denn „nach wie vor ist Plastik in der Gülle“, auch wenn lediglich im Rahmen des gesetzlich Erlaubten (alles unter zwei Millimeter und 0,5 über zwei Millimeter).

„Das Ergebnis der Überprüfungen hat uns positiv überrascht“, fasste Dezernent Sieger im Ausschuss zusammen. Und auch bei den Kreisräten war in Anbetracht der guten Nachricht Erleichterung spürbar. Besagte fünf Firmen, die technisch nachgerüstet haben, wie Sieger anerkannte, schaffen es offenkundig, etwaige Plastik-Bestandteile im gewerblichen Biomüll, der bei ihnen angeliefert wird, weitgehend herauszuholen, also zu separieren und einer geordneten Entsorgung zuzuführen. Landwirte, die auch Biogasanlagen betreiben, dürfen darin übrigens keine gewerblichen Abfälle, sondern nur Pflanzen von Feldern vergären.

Biomüll aus Haushalten wird bekanntlich seit zwei Jahren im Kreis Ravensburg in Biomülltonnen gesammelt und zu einer Entsorgungsanlage in Vorarlberg transportiert. Im Ausschuss wurde der wohl nicht ganz unbegründete Verdacht geäußert, dass es manche Mitbürger mit der Mülltrennung nicht so genau nehmen und daher auch Plastik-Verpackungen in den Biotonnen landen, wo sie nichts zu suchen haben.

Josef Wurm (CDU) plädierte dafür, den Inhalt der Tonnen immer wieder zu kontrollieren und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamtes an die Bürger zu appellieren, ihrer Sorgfaltspflicht zu genügen. Rudolf Bindig (SPD) wies darauf hin, dass der Inhalt der Biotonnen vom Abfuhrunternehmen bereits stichprobenartig kontrolliert wird. Bindig warf aber eine Frage auf, die auch Julian Eicher (ÖDP) unter den Nägeln brennt: Arbeitet auch die Anlage in Vorarlberg, was die Separierung von Plastik-Verpackungen aus Haushalten betrifft, so gut, wie das bei den erwähnten fünf Firmen im Kreis Ravensburg der Fall ist? Dezernent Sieger bedauerte, das Landratsamt habe auf die Firma in Vorarlberg leider keinen direkten Zugriff. Hier gelte es, noch Hausaufgaben zu machen und sich Klarheit zu verschaffen. Abschließend betonte Landrat Harald Sievers, ergänzend zur Anlagen-Überwachung sei auch die Stoff-Überwachung wichtig.Das Landratsamt Ravensburg wird deshalb mit der in Baden-Württemberg für die Überwachung von Düngemitteln zuständigen Behörde, dem Regierungspräsidium Stuttgart, Kontakt aufnehmen und eine Überprüfung der Biogasgülle aus Vorarlberg vorschlagen.

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