Weihbischof Karrer beauftragt in der Liebfrauenkirche acht Pastoralreferenten

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 In der Liebfrauenkirche werden Andreas Grüner und Petra Renz beauftragt, als Pastoralreferentin und Pastoralreferent zu wirken.
In der Liebfrauenkirche werden Andreas Grüner und Petra Renz beauftragt, als Pastoralreferentin und Pastoralreferent zu wirken. (Foto: Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

In der Hierarchie kirchlicher Berufe sind Pastoralreferenten heute nicht wegzudenken. Es gibt sie aber erst seit etwa 20 Jahren. Petra Renz und Andreas Grüner erzählen im „Haus der katholischen Kirche“, wie sie ihre Berufung entdeckt haben und wie sie nach der Ausbildung jetzt in die Zukunft blicken.

Im Begegnungsraum scheint die Nachmittagssonne durch bodentiefe Fenster. Die beiden Pastoralassistenten haben vor einer Woche die letzten Prüfungen bestanden und scheinen etwas abgekämpft. Erinnern sie sich an ihre Entscheidung für den kirchlichen Berufsweg, sind sie aber gleich hellwach. In ihrem ersten Beruf in der Verwaltung habe ihr etwas gefehlt, stellt Petra Renz fest. „Ich hatte Schicksale vor mir, konnte aber allenfalls mit Geld helfen, nicht mit dem Herzen“, sagt sie. In Bad Schussenried geboren, mit oberschwäbischer Volksfrömmigkeit vertraut, ging sie eigentlich nur einer Freundin wegen mit auf eine Wallfahrt nach Assisi, die Stadt des heiligen Franziskus. Heute noch staunt sie: „Da habe ich die Leidenschaft im Glauben gefunden!“ Auslöser für den Beruf zum Pastoralreferenten waren die Leitgedanken des II. Vatikanischen Konzils über die Kirche als Volk Gottes und das gemeinsame Priestertum der Glaubenden. In der „Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer“ 1971 bis 1975 wurde daraus der pastorale Beruf für Laien mit theologischem Hochschulabschluss entwickelt.

„In der Studienzeit wird Gott ein Wort, das tägliche zigmal fällt“, weiß Petra Renz. Das sei schon eine Herausforderung das alles zu erden, mit dem Herz dabeizubleiben. Auch Andreas Grüner hat mit dem fehlenden Praxisbezug im Studium gekämpft. „Man fragt sich, wozu braucht man das?“ Bei ihren Studienproblemen erfahren die zwei Studierenden Gemeinschaft als tragend. Im Begegnungsraum stärken sie sich jetzt an einem Becher Kaffee. Andreas Grüner ist in Horb am Neckar geboren, war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv, machte sein Schnupperpraktikum in einer Kirchengemeinde und Zivildienst in einem evangelischen Bildungshaus. Ihm war klar: „Ich mache was mit Geisteswissenschaft.“ Bei Infotagen an der Uni hört er eine theologische Probevorlesung und ist entflammt. „Mit dem wissenschaftlich geweiteten Blick sehen zu lernen, was alles hinter der Glaubenspraxis steckt,“ das habe ihn begeistert, erklärt er.

Nach dem Studium lernen Pastoralassistenten in einer dreijährigen Berufseinführungsphase Arbeitsfelder wie Jugendarbeit, Familienarbeit, Religionsunterricht kennen und arbeiten im Team mit anderen pastoralen Diensten und mit Ehrenamtlichen. Zurzeit ist Andreas Grüner in der Seelsorgeeinheit Ravensburg-Mitte tätig, Petra Renz in der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, in Wolfegg. Die Hierarchie im Team sehen die beiden Pastoralassistenten als Chance. Im Unterschied zu Pfarrern seien Pastoralreferenten freier. Petra Renz hebt hervor: „Wir können andere Felder bespielen, mehr in der Welt das Reich Gottes suchen.“ Werdende Priester müssen sich dagegen schon im Studium auf die Mühen von Management und Personalverwaltung vorbereiten.

Trotz der Krisenzeit in der Kirche sehen die beiden angehenden Pastoralreferenten voller Hoffnung in die Zukunft. „Viel ist zerbrochen, aber in den Brüchen steckt viel Freiraum“, glaubt Petra Renz, die zwei Jahre in Wien studiert hat und eine Stelle in der Diasporastadt Göppingen antreten wird. Sie sei bereit „sich senden zu lassen, egal wohin.“ Andreas Grüner, der verheiratet und seit neun Monaten Vater ist, öffnet im Begegnungsraum eine Glastür ins Freie. Er wird nach Münsingen, Schwäbische Alb, gehen und sieht seine Aufgabe so: „Die christliche Botschaft vertreten und mich in meiner Lebensgestaltung darauf einlassen“.

Der Ausbildungsweg zum Pastoralassistenten besteht aus einem von Exerzitien und Praktika begleiteten Universitätsstudium der katholischen Theologie mit Abschluss Magister theologiae und einer dreijährigen Berufseinführungsphase. Für das Studium braucht man neben Abitur Sprachkenntnisse in Latein, Griechisch und Hebräisch. Die können unter anderem in einem Sprachenjahr erworben werden. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist auch ein Zugang zum Beruf mit dem Studienabschluss Staatsexamen möglich, wenn die Zulassungsarbeit in Theologie geschrieben wird. „Pastoralassistenten haben die Aufgabe, mit allen Christen nach Wegen zu suchen, wie das Evangelium in Familie, Kirche und Gesellschaft gelebt und bezeugt werden kann“ heißt es auf einer Bistums-Webseite. Sie sollen Theologie für die Menschen konkret greifbar machen und das kirchliche Leben mitgestalten.

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